TSV Bayer Dormagen: TVK lässt Bayer (ver-)zweifeln

TSV Bayer Dormagen : TVK lässt Bayer (ver-)zweifeln

Handball-Drittligist TV Korschenbroich hat das erste Duell um die "Kreismeisterschaft" mit 29:28 für sich entschieden: Vor 1269 Zuschauern retteten die abgezockter auftretenden Gäste einen 18:10-Pausenvorsprung über die Zeit und sorgten dafür, dass beim TSV Bayer Dormagen der Baum brennt

Vor den Handballern des TSV Bayer Dormagen liegt eine turbulente Woche. Viel zu lachen werden die Schützlinge von Jörg Bohrmann dabei nicht haben. Denn der Trainer des Drittligisten sprach nach der in seinen Augen zwar verdienten, aber überflüssigen 28:29-Niederlage im Lokalduell gegen den zur Pause bereits auf 18:10 (!) enteilten TV Korschenbroich heftigen und deftigen Klartext: "So können wir nicht bestehen, darüber müssen wir reden."

Derweil feierten die abgezockt auftretenden Gäste ausgelassen ihren Kraftakt vor 1269 Zuschauern. Trainer Ronny Rogawska wagte den taktischen Drahtseilakt und ließ den TVK sechzig Minuten mit den gleichen sechs Feldspielern agieren. Das gelang, weil die Korschenbroicher um den nicht nur wegen seiner 11/4 Treffer überragenden Simon Ciupinski nach einer "ersten Halbzeit wie aus dem Bilderbuch" (Rogawska) ihren Pausenvorsprung mit zwar wenig ansehnlichem, aber ungeheuer effektiven Handball über die Zeit retteten.

Eine Stilart, an die sich die Liga wird gewöhnen müssen. "Wir haben nicht die Möglichkeiten und die Mittel, um personell nachzubessern", ließ TVK-Geschäftsführer Dr. Peter Irmen nach dem dritten Spiel ohne Niederlage die Katze aus dem Sack. Ob so eine kräftezehrende Saison mit dreißig Punktspielen durchzustehen ist, diese Frage stellt sich Irmen angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen erst gar nicht: "Wir können nur hoffen, dass sich keiner verletzt."

Und dass die Gegner weiterhin nicht erkennen, wie einer solchen Mannschaft am ehesten beizukommen ist: mit viel eigenem Tempo aus einer eher offensiv ausgerichteten und daher aggressiven Deckung. Bayer beherzigte das erst, als es (fast) schon zu spät war: "Ein 18:10 kannst du eigentlich nicht mehr aufholen", meinte Bohrmann. Dessen Spieler 25 Minuten lang allein damit beschäftigt waren, einen ebenso erwartbaren wie simplen taktischen Schachzug – Rogawska ließ Dormagens Spielmacher Simon Ernst durch Philipp Liesebach in Manndeckung nehmen – zu verarbeiten.

Das Fatale aus ihrer Sicht: "Als wir endlich eine Lösung gefunden hatten, haben wir selbst zu viele Fehler gemacht", erkannte der Ex-Korschenbroicher Dennis Marquardt durchaus selbstkritisch. Und das vor allem in der Abwehr, die neben Ciupinski vor allem den Ex-Dormagener Daniel Mestrum (8/2) zum Torewerfen gerade zu einlud.

Noch fataler: Simon Ernst war durch die kurze Deckung selbst so verunsichert, dass der Jugend-Europameister auch dann nicht zu gewohnter Form fand, als er in Durchgang zwei mehr Freiräume besaß. Das fatalste aber: Es waren nicht die blutjungen Dormagener, denen die haarsträubendsten Fehler unterliefen. Allein ein Tobias Plaz in Normalform hätte wohl ausgereicht, um die Partie nicht zu verlieren.

Dessen ungeachtet benötigten die Hausherren nur zwölf Minuten, um das Lokalduell beim 16:20 wieder offen zu gestalten. Aber letztlich fehlten ihnen die Souveränität und Abgezocktheit der Gäste und eine Spielerpersönlichkeit wie Simon Ciupinski, um näher als bis auf das 28:29 durch Robin Doetsch 55 Sekunden vor dem Ende heran zu kommen. "Die Mannschaft muss lernen, taktisch besser zu spielen", sagte Bohrmann öffentlich. Was er seinen Jungs zuvor intern sagte, bleibt besser unerwähnt.

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(NGZ)
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