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TSV Bayer Dormagen: TSV wird um verdienten Lohn gebracht

TSV Bayer Dormagen : TSV wird um verdienten Lohn gebracht

Nach 35 Minuten führte der TSV Bayer Dormagen 18:14 gegen Erstligist HBW Balingen-Weilstetten, nach 50 Minuten hieß es 23:23. Am Ende sorgten zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen für den 28:25-Pokalsieg der favorisierten Gäste.

Sämtliche Augenzeugen waren sich sicher, nach 60 spannungsgeladenen Pokalminuten ein 29:25 zugunsten der Gäste auf der Anzeigetafel gesehen zu haben - nur Thomas Hörath und Timo Hofmann nicht. Die Unparteiischen aus Eibach und Elmbrechts ließen einen 28:25-Sieg (Halbzeit 12:14) des HBW Balingen-Weilstetten beim TSV Bayer Dormagen in den Spielbericht eintragen, mit dem der favorisierte Erstligist mit viel Mühe die dritte DHB-Pokalrunde erreichte.

Nun spielt ein Treffer mehr oder weniger in einer Pokalpartie keine große Rolle. Doch diese Ungereimtheit passt ins Bild, das das Gespann aus dem "Anschlusskader" des Deutschen Handball-Bundes (DHB), am Mittwochabend abgab. Denn mit zweifelhaften Entscheidungen in der Endphase - hier ein Schrittfehler nicht geahndet, da ein Stürmerfoul übersehen - nahm das Duo deutlichen Einfluss auf den Ausgang der Begegnung.

Und brachte die Gastgeber vor der erwartet dünnen Kulisse von 447 Zuschauern um den verdienten Lohn einer kämpferisch engagierten, taktisch cleveren und spielerisch starken Leistung, die selbst Balingens Trainer Markus Gaugisch zu Lobeshymnen auf den Zweitligisten hinriss: "Die jungen Dormagener haben heute einen Klasse-Job und meiner Mannschaft das Leben richtig schwer gemacht." Für ihn keine Überraschung, sondern "die Bestätigung, dass hier sehr gute Arbeit geleistet wird. Da ist eine echte Entwicklung zu sehen."

In der Tat. Denn die Hausherren knüpften nahtlos da an,wo sie vier Tage zuvor bei der 33:29-Niederlage gegen den HSC 2000 Coburg aufgehört hatten: Präsent in der von Trainer Jörg Bohrmann erst kurz vor dem Anpfiff auf ein 4:2-System umgestellten Abwehr, wesentlich durchschlagskräftiger als in den ersten Saisonspielen im Angriff, wo in den jeweils sechs Mal erfolgreichen Maximilian Bettin und Peter Strosack zwei Spieler am häufigsten trafen, die gerade erst 20 Jahre alt geworden sind.

Und wo der mit seinen 25 Jahren schon zu den älteren gehörende Alexander Kübler (5 Tore) inzwischen ebenso in der Zweiten Liga angekommen zu sein scheint wie der diesmal eher glücklose Jo Gerrit Genz und der sich am Kreis immer besser in Szene setzende Patrick Hüter (beide 19). Und wenn Pascal Noll (18) seine Defensivqualitäten - gemeinsam mit Strosack legte er Balingens scheinbar treffsicherste Angreifer Martin Strobel (4 Tore) und Olivier Nyokas (3) über weite Strecken der Partie an die Kette - jetzt auch noch in eine adäquate Angriffsleistung umsetzt, dürfte von dem jüngsten Angriffssextett der Zweiten Liga noch einiges zu erwarten sein.

Am Mittwoch reichte es, um den Tabellenfünften der Ersten Liga in arge Verlegenheit zu stürzen. Gaugisch nahm schon nach zwölf Minuten die erste Auszeit - da führten die Hausherren mit 6:4, obwohl sie zwischenzeitlich sieben Minuten ohne Torerfolg geblieben waren. "Wir waren nicht da nicht präsent genug", bemängelte der Balinger Trainer. Der war mit seinen Mannen in Köln in den Stau geraten, weshalb die Begegnung mit viertelstündiger Verspätung angepfiffen wurde.

Was Taktikfuchs Bohrmann auf die Idee mit der offensiven Deckungsvariante brachte: "Ich dachte, die sind nach der langen Busfahrt vielleicht noch nicht so beweglich." Der Plan ging auf: Nach 18 Minuten führte der Außenseiter mit 10:5, auch, weil der erstmals von Beginn an eingesetzte Max Jäger (am Ende ebenso wie der ihn nach der Pause ablösende Sven Bartmann sechs Paraden) ordentlich hielt.

Gaugisch reagierte, stabilisierte die eigene Deckung durch die Hereinnahme von Routinier Wolfgang Strobel und ersetzte vorne den eher lustlos wirkenden Vasilakis und den gut abgeschirmten Nyokas durch seine "Youngster" Felix König (wird am Sonntag 24) und Jannik Hausmann (20). Sie drehten schließlich nach 14:18-Rückstand (35.) die Partie, auch, weil die Unparteiischen an ihre Schrittfehler und Stürmerfouls andere Maßstäbe anlegten als auf Seiten der Dormagener. Was Jörg Bohrmann so auf die Palme brachte, dass er sich nach 49 Minuten eine Zeitstrafen einhandelte. Selbst in doppelter Unterzahl traf der TSV durch einen Kempa von Strosack noch zum Ausgleich (23:23, 50.).

Es sollte der letzte Gleichstand bleiben, auch, weil die Deckung der Hausherren ohne den zur Pause mit schmerzendem Handgelenk auf der Bank gebliebenen Dennis Marquardt kein Mittel gegen den wuchtigen Ex-Nationalspieler Christoph Theuerkauf fand. Den starken Gesamteindruck schmälerte es nicht.

(NGZ)