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TSV Bayer Dormagen: TSV und TVK trennen Handball-Welten

TSV Bayer Dormagen : TSV und TVK trennen Handball-Welten

Zwischen Höhenberg und Waldsporthalle liegen 35 Kilometer, zwischen TSV Bayer Dormagen und TV Korschenbroich acht Tabellenplätze. Doch die beiden Handball-Drittligisten trennten im Duell am Freitagabend Welten voneinander.

Vor einem halben Jahr einte sie das traurige Schicksal des unfreiwilligen weil finanziell bedingten Abstiegs aus der Zweiten Liga. Nach drei Spieltagen in neuer Umgebung schien das Handball-Pendel im Rhein-Kreis eindeutig in Richtung Korschenbroich auszuschlagen: Der TVK hatte nach dem 29:28-Sieg in Dormagen mit 5:1 Punkten Tuchfühlung zur Tabellenspitze, beim TSV Bayer (2:4) ging die Sorge um, nach unten "durchgereicht" zu werden.

Vier Monate und 15 Meisterschaftsspiele später sieht die Sache anders aus: Während die Dormagener auf einer Euphoriewelle reiten, geht in Korschenbroich spätestens nach der 29:33-Pleite im Lokalduell, der vierten Niederlage in Folge, dem siebten sieglosen Spiel (von insgesamt zehn) vor heimischem Publikum die Angst vor einem erneuten Abstieg um.

Und das keineswegs zu Unrecht: Spielerisch unterlegen, kämpferisch nur zweite Wahl, mit konditionellen Mängeln und einem taktischen Spielverständnis, das meilenweit vom einstigen Korschenbroicher Markenzeichen "Tempohandball" entfernt ist, präsentierte sich der TVK wie ein Absteiger. Dass er nicht schlimmer unter die Räder kam als mit 29:33, hatte er allein der Tatsache zu verdanken, dass die Dormagener eine Halbzeit lang ihrer eigenen Form hinterherliefen und am Ende, nachdem sie sie gefunden und ihre Führung auf sechs Tore ausgebaut hatten, die Sache nicht mehr mit letzter Konsequenz bis zum Schlusspfiff durchzogen.

Dabei lagen die — scheinbaren — Vorteile auf Seiten der Hausherren: Trainer Ronny Rogawska standen am Freitag acht (!) Spieler mit Zweitliga-Erfahrung zur Verfügung, bei den Gästen waren es "nur" fünf. Der TVK führte nach neun Minuten 4:1 und weckte Erinnerungen an das Hinspiel, in dem die Gäste den TSV eine Halbzeit lang schwindelig gespielt hatten. Doch nicht einmal das gab den Korschenbroichern Sicherheit, bei denen nur zwei Spieler überzeugten: Torhüter Philipp Ruch und Michel Mantsch — ausgerechnet die einzigen im Aufgebot, die nicht höherklassig gespielt haben. Simon Ciupinski, im Hinspiel der Matchwinner, ist nur ein Schatten früherer Handball-Tage. Und wenn der Gegner einen soliden Innenblock bildet, ist auch mit Korschenbroichs stärkster Waffe, Kreisläufer Marcel Görden, wenig Staat zu machen.

Rogawska tat wenig, um daran etwas zu ändern. Seine jungen Spieler schmorten erneut auf der Bank, selbst Philipp Liesebach, unter Christian Voss "die" Entdeckung der vergangenen Saison, versauerte dort 52 Minuten. In den letzten sieben erzielte der Rechtsaußen dann vier Tore! TSV-Kollege Jörg Bohrmann hielt hingegen auch im prestigeträchtigen Lokalduell an seinem "Jugend forscht"-Programm fest, brachte mit Sebastian Linnemannstoens und Mark Kauwetter (erzielte das letzte Tor) erneut zwei blutjunge Drittliga-Debütanten. Und der erst 17-jährige Jo Gerrit Genz vertrat den nach einem Pferdekuss zur Bank humpelnden Tobias Plaz 20 Minuten lang fehlerfrei.

Die Folge: In Dormagen können sie dem Rest der Saison gelassen entgegenblicken. Für den TVK wird es hingegen hammerhart: Nur noch fünf Heimspiele, jetzt nacheinander in Uerdingen, Gladbeck und gegen Tabellenführer Leichlingen. Zieht man die fünf Pluspunkte aus den ersten drei Saisonspielen ab (gegen die gleichen Gegner gab es in der Rückrunde trotz zwei Mal Heimrecht null Zähler), wäre der TVK Drittletzter. Man wird das bange Gefühl nicht los, dass es auch in der "realen" Tabelle bald so weit sein könnte.

(NGZ/url)