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TSV Bayer Dormagen: TSV siegt im Werksduell

TSV Bayer Dormagen : TSV siegt im Werksduell

Mit viel Kampfgeist und ebenso viel Glück drehen die Dormagener Handballer ein schon verloren geglaubtes Spiel in einen 28:27-Sieg.

Es gibt Sportweisheiten von immerwährender Gültigkeit: "Hinten kackt die Ente", ist so eine, die Handballtorhüter gerne verwenden. Will heißen: Wichtig ist, wer am Ende die entscheidenden Würfe abwehrt.

Gestern Abend, im "Werksduell" der Dritten Liga vor 1120 Zuschauern im TSV-Bayer-Sportcenter zeigte sich wieder, wie viel Wahrheit in solchen Sprüchen steckt. 50 Minuten lang hatte Dominik Formella krass im Schatten von Sven Bartmann gestanden. Der Ex-Korschenbroicher zwischen den Pfosten des SC Bayer Uerdingen hatte mit sagenhaften 25 (!) Paraden die Angreifer des TSV Bayer Dormagen schier zur Verzweiflung gebracht.

In den letzten zehn Minuten bekam der 25-Jährige allerdings keine Hand mehr an den Ball, seine letzte, 26. Abwehraktion war bedeutungslos. Denn da, dreißig Sekunden vor dem Abpfiff, hatten die Hausherren die zwischenzeitlich schon verloren geglaubte Partie noch gedreht, triumphierten am Ende glücklich, aber nicht ganz unverdient mit 28:27 (Halbzeit 12:13). Und das lag auch an Formella, dem zwischen der 52. und 59. Minute drei seiner nur elf Paraden gelangen — die letzten gegen Stephan Pletz (57.) und Johann Oesterwind (59.) waren die entscheidenden der gesamten Begegnung.

Einer Begegnung, die vom spielerischen Niveau her viel zu wünschen ließ, stattdessen auf beiden Seiten von haufenweise individuellen Fehlern lebte. Kampf und Einstellung stimmten hingegen bei beiden Bayer-Klubs — und angesichts des engen Spielverlaufs blieb der Schlagabtausch auch erfreulich fair.

Wobei die Hausherren das Quäntchen mehr an Kampfkraft in die Waagschale werfen konnten. "Toll, wie die Jungs gekämpft haben. Zwischendurch sah es ja gar nicht gut aus", freute sich der eigens aus Wetzlar angereiste Kai Wandschneider über "den ersten Dormagener Sieg, den ich erlebe, seit ich hier nicht mehr Trainer bin." Bis zur 40. Minute hatte es danach ganz und gar nicht ausgesehen: Weil der erstmals seit langem nicht Mann-gedeckte Simon Ernst völlig neben seinen Handballschuhen stand — dem Jugend-Europameister gelang nach 54 Minuten sein erstes und einziges Feldtor. Weil sich Tobias Plaz einmal mehr zu viele Fehler leistete, in Robin Doetsch der zweite Linkshänder wie ein Statist an der Außenlinie herumstand und sich Alex Kübler am Kreis zwar mühte, im ersten Spiel nach Verletzungspause aber das Fehlen von Moritz Preuss nicht adäquat wettmachen konnte, führten die Uerdinger nicht unverdient mit 20:17, nachdem sie beim 10:9 (23.) erstmals in Front gezogen waren.

Glück für die Hausherren, dass wenigstens Dennis Marquardt annähernd Normalform erreichte. Ebenso Glück, dass es am Ende die Gäste waren, die leichtfertig Bälle aus der Hand gaben. Und noch mehr Glück, dass sich der 29-jährige Dominik Formella an eine Torhüterweisheit erinnerte, die schon vor seiner Geburt Gültigkeit besaß.

(NGZ/ila/url)