TSV Bayer Dormagen: TSV lässt sich den Schneid abkaufen

TSV Bayer Dormagen : TSV lässt sich den Schneid abkaufen

Mit Anti-Handball und übertriebener Härte hat die HSG Varel-Friesland den Siegeszug des TSV Bayer Dormagen gestoppt: Am Ende war der Drittligist froh, mit dem 19:19 wenigstens einen Punkt ergattert zu haben – den jungen Spielern fehlt in solchen Situationen noch die Abgeklärtheit

Mit Anti-Handball und übertriebener Härte hat die HSG Varel-Friesland den Siegeszug des TSV Bayer Dormagen gestoppt: Am Ende war der Drittligist froh, mit dem 19:19 wenigstens einen Punkt ergattert zu haben — den jungen Spielern fehlt in solchen Situationen noch die Abgeklärtheit

Offensichtlich hatte sich Vaidas Dilkas in Adresse und Uhrzeit geirrt: Der "Überstürzer", mit dem der Litauer in Diensten der HSG Varel-Friesland zehn Sekunden vor Abpfiff der Drittliga-Partie beim TSV Bayer Dormagen Tobias Plaz auf seinem Weg zum Tor stoppte, hätte dem gerade beendeten "Tag der offenen Tür" in der Dormagener Ringerhalle alle Ehre gemacht.

Dilkas sah dafür "Rot", wird wohl ein Spiel Sperre absitzen müssen — doch weil die nicht nur in dieser Szene völlig überforderten Unparteiischen Marcel Brückner und Thorsten Zimmermann (Bottrop/Tönisvorst) nur auf Freiwurf statt Siebenmeter entschieden, weil Simon Ernst anschließend den finalen Wurf nur an den Innenpfosten zirkelte und HSG-Torhüter Andre Seefeldt mit der Schlusssirene einen direkten Freiwurf von Dennis Marquardt noch von der Torlinie kratzte, hatte der Linkshänder seinen Zweck erreicht: Varel bleibt zwar weiterhin sieglos, feierte mit dem 19:19 (Halbzeit 10:8) jedoch bereits das fünfte Unentschieden der laufenden Spielzeit.

Dilkas' Aktion war der unrühmliche Höhepunkt einer Partie, in die die Gäste mit nur einem Ziel gegangen waren: Handball zu verhindern. Was die Schützlinge von Neu-Trainer Andrzej Staszewski in der Defensive veranstalteten, hatte mit "gesunder Härte" nichts mehr zu tun: 18 (!) Strafminuten gegen Varel, zwei für den TSV Bayer legen beredtes Zeugnis davon ab, wie die Gäste zu Werke und zur Sache gingen.

Und im Angriff packte der neue Mann auf der Vareler Trainerbank ganz tief in die taktische Mottenkiste, nahm dem Spiel jegliches Tempo und damit jeglichen Reiz. Gefühlte zwei Dutzend Mal hoben die Schiedsrichter den Arm, um "Zeitspiel" anzuzeigen — geahndet wurde es nur ein einziges Mal kurz vor dem Ende.

Die Folge: Wie bei der letzten Niederlage, dem 28:29 gegen den TV Korschenbroich, fanden die Dormagener nicht zu ihrem spielerischen Konzept, ließen sich vor allem im ersten Durchgang allzu leicht den Schneid abkaufen. "Aber wir haben viel aus diesem Spiel gelernt", meinte TSV-Trainer Jörg Bohrmann. Zum Beispiel, "dass wir diesmal schon früher dagegengehalten haben und nicht erst, als wir hoffnungslos zurücklagen." In der Tat: Drohte beim 5:10 (21.) ein Debakel, kämpften sich die Hausherren, angetrieben "vom besten Publikum der Liga, das auch dann zu uns steht, wenn wir mal nicht unseren besten Handball spielen" (Bohrmann) bis zur Pause auf 8:10 heran.

Und als Markus Breuer, der als einer der wenigen Dormagener an diesem Abend Normalform erreichte, den TSV beim 13:12 (39.) erstmals seit dem 2:1 wieder in Führung warf, ein ansonsten blasser Simon Ernst diese auf 16:13 (46.) ausbaute, schien die Partie endgültig zugunsten der Hausherren zu kippen. Doch dafür scheiterten die Dormagener, vor allem die jungen Spieler (Simon Ernst, Moritz Preuss) all zu oft am schon 35-jährigen Andre Seefeldt zwischen den Gästepfosten, der mit 17 Paraden zum Punktgaranten wurde. Was in Jörg Bohrmann schließlich die Erkenntnis reifen ließ, "dass wir heute eher einen Punkt gewonnen als einen verloren haben."

(NGZ/rl/url)