Lokalsport: TSV beißt sich an bester Abwehr die Zähne aus

Lokalsport: TSV beißt sich an bester Abwehr die Zähne aus

TSV Bayer Dormagen bietet im Drittliga-Gipfeltreffen trotz der 23:24-Niederlage beim TuS Ferndorf eine überzeugende Vorstellung.

So paradox kann Handball sein. Denn der TSV Bayer Dormagen hat in dieser Saison schon viele Spiele mit weit weniger überzeugenden Vorstellungen gewonnen als der von Samstagabend. Trotzdem reichte es im Gipfeltreffen der 3. Handball-Liga West nur zu einer ehrenvollen 23:24-Niederlage (Halbzeit 11:14) beim Tabellenführer TuS Ferndorf, der damit weiterhin als einziges Team im deutschen Profi-Handball ohne Verlustpunkt bleibt und angesichts von zehn Zählern Vorsprung bereits in zwei Wochen Meistertitel und Wiederaufstieg feiern kann.

Zu verdanken hatten das die Siegerländer vor der Rekordkulisse von 1103 Zuschauern einmal mehr ihrer Abwehr. Die ist nicht nur die beste in der Dritten Liga West, sondern könnte in dieser Form auch eine Klasse höher bestehen. Die Gäste fanden im Positionsangriff jedenfalls kein Mittel, um das Bollwerk um die hünenhaften Thomas Rink und Branimir Koloper zu brechen. Bis zur Pause hatten sie von elf Treffern nur einen aus dem Rückraum erzielt, am Ende waren es fünf.

So etwas endet normalerweise im Debakel - nach dem es angesichts eines 12:18 nach 38. Spielminuten auch zwischenzeitlich aussah. Dass es nicht dazu kam, hatten die Dormagener einem unbändigen Kampfgeist zu verdanken, dazu einer Deckung, die die vielleicht beste Leistung dieser Saison bot. Und der besseren Kondition, denn gegen immer müder werdende Ferndorfer gelangen ihnen in der Schlussphase recht einfache Ballgewinne. "Ich weiß, so 'was klingt immer blöd", sagte Handball-Geschäftsführer Björn Barthel, "aber hätte das Spiel ein paar Minuten länger gedauert, hätten wir gewonnen."

Zumindest ein Punktgewinn wäre verdient - und möglich gewesen. Verdient, weil die Dormagener nie aufsteckten. Möglich, weil sie 15 Sekunden vor dem Schlusspfiff den Ball erobert hatten. Als Lukas Stutzke ihn zum Gegenstoß nach vorne passen will, wird er von Jan Wörner von hinten umklammert. Die Schiedsrichter Jonathan und Maximilian Winter entscheiden auf Freiwurf, wo eine Zeitstrafe angemessen gewesen wäre (die hatten sie zwei Minuten zuvor gegen Patrick Hüter verhängt, weil er bei einem Ferndorfer Freiwurf zu nah am ausführenden Spieler stand) und belohnen die Hausherren so für ein Foul. Denn statt Rückwärtsgang hatten sie so ausreichend Zeit, ihre Betonabwehr zu formieren. "Wenn du am Ende Überzahl hast, ist das ein klarer Vorteil", haderte TSV-Trainer Ulli Kriebel mit der Entscheidung der Unparteiischen.

  • Ein würdiges Spitzenspiel

In der Tat. Dann hätte er nämlich Torhüter Matthias Broy durch einen siebten Feldspieler ersetzen können und so zwei Angreifer mehr auf dem Feld gehabt als die verteidigende Mannschaft. So aber blieb den Dormagener nur der Wurf aus dem durchsetzungsschwachen Rückraum (siehe oben) - und Daniel Eggert scheiterte an Kai Rottschäfer, der damit sein Paradenkonto auf 15 erhöhte und den Tabellenführer vor dem ersten Punktverlust bewahrte.

Ein finaler Wurf mit Symbolcharakter. Denn wie im Hinspiel zeigten Eggert und der ohnehin nur in der Anfangsphase in der Abwehr eingesetzte Nuno Carvalhais, dass sie eigentlich nicht in diese Mannschaft gehören. Ausgesprochen dumm. Denn Eggert, der im rechten Rückraum überhaupt keinen Druck entwickelt, musste am Ende wieder 'ran, weil der für ihn nach 20 Minuten eingewechselte KC Brüren gegen Ferndorfs Deckung überhaupt kein Land sah. Und auf der anderen Seite hätte Lukas Stutzke dringend eine Verschnaufpause benötigt - so unterliefen dem Dauereinsatz-gestressten Junioren-Nationalspieler mehr Fehler als sonst in einem halben Dutzend Partien zusammen.

Trotzdem wäre ein Unentschieden oder gar ein Sieg möglich gewesen, hätten die, die ins Ferndorfer Gehäuse trafen, das noch ein bisschen öfter getan. Chancen dazu gab es. "Wir haben zu viele Gegenstöße kassiert", bemängelte TuS-Trainer Michael Lerscht. "Wir haben zu viele freie Torchancen liegen gelassen", kritisierte Ulli Kriebel.

Ansonsten waren sich beide Trainer einig: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft." Und das zu recht, denn das Gipfeltreffen hielt endlich einmal das, was man sich von einer solchen Partie verspricht. Vielleicht lag es letztlich aber auch daran, dass es den weiteren Saisonverlauf nicht mehr beeinflusst hätte. Selbst bei einer Niederlage wäre den Ferndorfern der Aufstieg nicht zu nehmen - denn Titel werden im Handball nun mal in der Abwehr gewonnen.

(NGZ)