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TSV Bayer Dormagen: TSV Bayer dreht das Lokalduell noch um

TSV Bayer Dormagen : TSV Bayer dreht das Lokalduell noch um

Lange Zeit war das Lokalderby der Dritten Handball-Liga zwischen TSV Bayer Dormagen und TV Korschenbroich ein Duell auf Augenhöhe. Mit einem Kraftakt setzten sich die Gastgeber vor 1191 Zuschauern dann noch mit 28:24 durch.

Das größte Kompliment kam von Christian Voss: "Ich glaube, gegen beide Mannschaften hätten wir heute Schwierigkeiten gehabt, zu gewinnen", sagte der Ex-Trainer des TV Korschenbroich, gerade mit der HSG Tarp/Wanderup in die Zweite Handball-Bundesliga aufgestiegen, mit Blick auf das Drittliga-Lokalduell zwischen dem TSV Bayer Dormagen und dem TV Korschenbroich, das die Gastgeber vor 1191 Zuschauern in einem wahren Kraftakt in den letzten zehn Minuten in einen 28:24-Sieg (Halbzeit 12:12) drehten.

Den seiner Sportart durchaus innewohnenden ästhetischen Aspekt kann der Handball-Lehrer in seiner Beurteilung allerdings kaum gemeint haben. Feinschmecker kamen in den sechzig spannenden, aber eher niveauarmen Derbyminuten nicht so recht auf ihre Kosten. "Wir können sicher besser spielen", gab auch Dennis Marquardt, vor Jahresfrist aus Korschenbroich nach Dormagen gewechselter Halblinker, zu und bezog seine eigene Leistung sicherlich mit ein, "aber den TVK musst du erst mal schlagen."

Da ist 'was dran. Die Gäste, zuvor saisonübergreifend in zehn Punktspielen unbesiegt, sind sicher nicht das Team der Dritten Liga West, dessen Auftritte die Handballfans mit Zungeschnalzen begleiten. Doch die Korschenbroicher zeichnet eines aus: Sie sind, wenn man sie lässt, gnadenlos effektiv. Überfallartige Schnellangriffe mischen sie mit langatmigen Ballstafetten, die die gegnerische Deckung so lange zermürben, bis sich eine Lücke für einen Schlagwurf von Christoph Gelbke oder ein Anspiel auf den mindestens eine Liga zu tief spielenden Marcel Görden am Kreis auftut. Und ihre 5:1-Deckung mit eben jenem Marcel Görden auf der vorgezogenen Position ist, gelinde gesagt, unangenehm zu spielen. Nicht zu vergessen Altmeister Almantas Savonis (44), dessen bloße Anwesenheit zwischen den Torpfosten ausreicht, damit Jungspunden wie Jo Gerrit Genz und Peter Strosack, aber selbst einem Junioren-Nationalspieler wie Simon Ernst gehörig die Wurfhand zittert.

  • Fotos : Handball: TSV Bayer Dormagen - TV Korschenbroich
  • Fotos : TSV Bayer Dormagen: Der Kader 2013/14
  • Fotos : TV Korschenbroich: Der Kader 2013/14

Dass sich der Drittliga-Meister aus Dormagen gegen eine solche Rezeptur schwer tun würde, war keine Überraschung. "Spielerisch haben wir zu viele Fehler gemacht, waren oft zu hektisch", bemängelte Trainer Jörg Bohrmann den Vortrag seiner Schützlinge. Die folgerichtig meist einem Ein-Tore-Rückstand hinterherlaufen mussten, nachdem Tom Wolf die Gäste beim 6:5 (10.) erstmals in Vorlage gebracht hatte. Doch weiter kam der TVK nie weg — und das war, zumindest in den Augen seines Trainers, spielentscheidend: "Wir haben uns nicht absetzen können, obwohl wir mehrfach die Chance dazu hatten", stellte Ronny Rogawska fest. Was auch am Ex-Korschenbroicher Sven Bartmann lag, der mit seinen 17 Paraden Savonis (15) sogar noch übertraf.

In Bohrmanns Augen gab am Ende die Physis den Ausschlag, dass der TSV die Partie binnen acht Minuten von 21:22 auf 26:23 (57.) komplett umkrempelte: "Wir hatten hinten 'raus mehr Kraft, das war heute unser einziger Vorteil." Rogawska, der alleine den gesundheitlich angeschlagenen Christian Rommelfanger hin und wieder für Tom Wolf einwechselte, sah das nicht so. .

Fakt ist: Bohrmann verordnete im ersten Durchgang schwächelnden Akteuren wie Tobias Plaz und Robin Doetsch Denk- und Ruhepausen. Und als er sie später wieder aufs Feld schickte, wurden die beiden Linkshänder zu Matchwinnern: Plaz traf im zweiten Durchgang fünf Mal, Doetschs Treffer zum 23:22 (51.), 25:23 (56.) und 27:23 (58.) entschieden die Partie. Rogawska hingegen ließ bis auf die sporadischen Einsätze von Rommelfanger seine Stammsechs durchspielen, Talente wie Philipp Liesebach und Nicolai Zidorn schmorten (einmal mehr) auf der Bank. Doch von dort aus werden Handballspiele oft entschieden — und enge Kisten wie das Derby von Samstag allemal.

(NGZ)