1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen
  4. TSV Bayer Dormagen

DHC Rheinland: Trauriges Ende eines tollen Teams

DHC Rheinland : Trauriges Ende eines tollen Teams

Seit Sonntag erholen sich die Handballer des Dormagener HC Rheinland auf Mallorca von einer nicht nur sportlich strapaziösen Saison. Am Freitag entscheidet sich, ob es mit der Aufhebung der Insolvenz in der Zweiten Liga weitergeht. Die 23:31-Niederlage in Hannover geriet zur Nebensache.

Draußen strömten die Massen zum Grönemeyer-Konzert ins benachbarte Niedersachsenstadion. Drinnen lief Dr. Ralph Goldschmidt durch die stickigen Katakomben der AWD-Hall auf der Suche nach jedem einzelnen, der auf sportlicher Seite an dieser wohl denkwürdigsten Saison der Dormagener Handballgeschichte beteiligt war.

Am Ende hatte der Dormagener Allgemeinmediziner alle Unterschriften beisammen auf seinem Poloshirt. "Das war eines der besten Teams, das wir je hatten", sagte der langjährige Mannschaftsarzt. Und meinte damit nicht alleine die sportliche Seite, deren starker Rückrundenbilanz (12:22 Punkte) die 23:31-Niederlage im letzten Spiel bei der TSV Hannover-Burgdorf nichts mehr anhaben konnte.

Eine Niederlage, die nicht einmal Kai Wandschneider sonderlich interessierte. "Die Jungs haben so viel Charakter gezeigt in den vergangenen Monaten, da kann ich verstehen, dass heute die Luft 'raus war", meint der scheidende Trainer, dem eben jene Monate seit dem Antrag auf Insolvenz am 8. Februar sichtlich zugesetzt haben: "Ich persönlich freue mich jetzt auf Urlaub" — wer den akribischen und leidenschaftlichen Handballarbeiter kennt, weiß, wie ungewöhnlich diese Schlussworte auf seiner letzten Pressekonferenz nach zehneinhalb Jahren in Dormagen waren.

Seine Schützlinge — "die Spieler haben mir die Kraft gegeben, das durchzustehen", sagt Wandschneider — erholen sich seit Sonntag ein paar Tage lang auf Mallorca. Ob sie dort abschalten können ist zumindest bei denen fraglich, die noch keinen Kontrakt für die nächste, bereits in drei Monaten startende Spielzeit haben. Die meisten Gesichter waren leer, nachdem die einmal mehr indiskutabel leitenden Pritschow-Brüder das "Pillepalle-Spiel" (Max Holst) abgepfiffen hatten am Samstagabend. Während die Gastgeber ein halbes Dutzend Akteure feierlich verabschiedeten — der im Februar aus Dormagen gekommene Sigurbergur Sveinsson blieb der Zeremonie fern, weil ihn sein Arbeitgeber erst kurz zuvor informiert hatte, dass sein Vertrag nicht verlängert wird — hockten die Dormagener niedergeschlagen auf der Bank. Ihre verschwitzten Trikots hatten sie da längst an die 40 trotz der sportlichen Bedeutungslosigkeit angereisten Anhänger verschenkt. Einige umarmten sich, wohl wissend, dass sie künftig nicht mit- sondern gegeneinander antreten werden. Viele werden wohl nicht bleiben, wenn es denn in der Zweiten Liga weitergeht in Dormagen: Tobias Plaz wahrscheinlich, vielleicht Maciej Dmytruszynski, Max Holst, Michael Wittig, Daniel Schlingmann, vielleicht auch Bartosz Konitz oder Michiel Lochtenbergh.

Wer bleibt, wer kommt, auch auf der Trainerbank, wer Sportlicher Leiter wird — am Samstag vertrat Joachim Kurth den erkrankten Thomas Dröge auf der Bank — das alles ist offen. "Erst müssen wir den Freitag abwarten", sagt Heinz Lieven. Nur wenn das Insolvenzverfahren bis zum 10. Juni tatsächlich ordnungsgemäß abgeschlossen wird, gibt es die Lizenz. Wenn nicht, daran möchte der DHC-Geschäftsführer gar nicht denken: "Das wird eine lange Woche." Doch das waren sie eigentlich alle in Dormagen seit dem 8. Februar 2011.

(NGZ)