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DHC Rheinland: Richard Ratka hat die Nase voll

DHC Rheinland : Richard Ratka hat die Nase voll

Die Insolvenz des DHC Rheinland und das damit verbundene "Aus" für die geplante Spielgemeinschaft zwischen Dormagen und Düsseldorf hat DHC-Trainer Richard Ratka tief getroffen: Der 48 Jahre alte Ex-Nationalspieler will "versuchen, in Zukunft ohne Handball klar zu kommen"

Der Dormagener Handball frisst seine Kinder: Kai Wandschneider war nach zehn Jahren "finanziellem Tanz auf der Rasierklinge" mental so erschöpft, dass sich der 52-Jährige erst einmal eine bis heute dauernde "Auszeit" verordnete: "Die habe ich gebraucht, um meine Akkus wieder aufzuladen."

Bei Richard Ratka haben acht Monate und ein Federstrich von Heinz Lieven dazu ausgereicht, dass der 48-Jährige sagt: "Ich versuche, zukünftig ohne Handball klar zu kommen." Die Enttäuschung sitzt tief bei dem Ex-Nationalspieler, nachdem der DHC-Geschäftsführer vor zehn Tagen Insolvenz beantragt und gleichzeitig seinen Lizenzantrag für die Zweite Liga zurückgezogen hatte.

"Ich habe Heinz Lieven vertraut", sagt Ratka, den am meisten wurmt, "dass er uns alle vor vollendete Tatsachen gestellt, dass er uns erst informiert hat, als nichts mehr rückgängig zu machen war. Vielleicht hätten wir es ja geschafft, das Loch zu stopfen." Schließlich war Ratka dazu auserkoren, die ambitionierten Pläne einer Spielgemeinschaft mit der HSG Düsseldorf sportlich umzusetzen. Dem Vernehmen nach soll Lieven ihm wenige Tage vor dem Insolvenzantrag noch eine längerfristige Zusammenarbeit angeboten haben.

Ein Thema, an das Ratka allerdings "keinen Gedanken mehr verschwenden" will. Im Gegenteil, der 48-Jährige ist gerade "gedanklich dabei, die Zukunft zu planen." Und in der spielt der Handball nur eine untergeordnete Rolle. Denn nach eingehendem Familienrat mit Ehefrau Petra "haben wir uns entschieden, dass wir nicht schon wieder umziehen sondern in Mettmann wohnen bleiben wollen", sagt Ratka: "Und da gibt es ja hier in der Gegend nicht mehr allzu viele Beschäftigungsmöglichkeiten."

Folglich will sich der gelernte Programmierer wieder stärker seinem Fachgebiet zuwenden: Er hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem Handballtrainer gezielter als bisher Spieler- und Spielebeobachtung betreiben können. "Die Arbeit daran und vor allem die Vermarktung habe ich in den vergangenen turbulenten Monaten vernachlässigt", gibt Ratka zu.

Trotz allem leitet er jeden Abend das Training im TSV-Sportcenter, "auch das Vormittagstraining bieten wir weiterhin an. Schließlich wollen wir die Saison vernünftig zu Ende spielen", sagt Ratka. Dass er das tut, hat nicht nur mit der Erfüllung seines Vertrages und dem damit verbundenen Insolvenzausfallgeld zu tun. Sondern vor allem mit der Mannschaft: "Die Jungs sind einfach unheimlich in Ordnung. Der Zusammenhalt war schon vorher gut, aber durch die ganzen Ereignisse sind wir noch enger zusammengerückt", sagt der Trainer.

Wie lange das anhält und ob es nach zehn sieglosen Spielen in Folge irgendwann noch mal einen Sieg zu feiern gibt, vermag er allerdings nicht zu sagen: "Die Spieler sind gedanklich ja auch bei ihrer Zukunftsplanung, der eine oder andere war auch schon beim Probetraining." Schließlich soll es für sie weitergehen — mit Handball.

(NGZ/url)