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DHC Rheinland: Ratlos, mutlos, enttäuscht und überrascht

DHC Rheinland : Ratlos, mutlos, enttäuscht und überrascht

Der Paketbote hatte gestern Morgen noch neue Schuhe für Hannes Lindt abgegeben in der Geschäftsstelle an der Römerstraße. Ob der 24 Jahre Linkshänder, vor zwei Monaten erst von der HSG Frankfurt nach Dormagen gewechselt, sie noch einmal in einem Punktspiel für den DHC Rheinland anziehen wird, ist höchst fraglich.

Lindt, die anderen 17 Kadermitglieder (darunter die gerade erst verpflichteten Oliver Tesch und Bartosz Konitz), Trainer Kai Wandschneider, Team-Manager Thomas Dröge und die drei Mitarbeiter der Geschäftsstelle erhielten gestern Mittag von DHC-Geschäftsführer Heinz Lieven ihre Kündigungen, datiert auf den 15. März. Dazu die Empfehlung, sich bereits heute arbeitslos zu melden, damit sie mit Beginn des Insolvenzverfahrens Insolvenzausfallgeld und später Arbeitslosenunterstützung erhalten – falls sie keinen neuen Arbeitgeber finden. Die Spieler haben noch bis 15. Februar Zeit dazu, dann endet die Wechselfrist in der Handball-Bundesliga. Deshalb griffen die meisten, kaum hatte Lieven ihnen gestern um 12.15 Uhr die Nachricht von der Insolvenz verkündet und das Kündigungsschreiben ausgehändigt, zum Handy – um ihre Spielerberater zu informieren.

Geahnt hatte wohl keiner, was auf sie zukommt, nachdem sie kurzfristig für zwölf Uhr auf die Geschäftsstelle bestellt worden waren. Dort war gerade die Pressekonferenz zu Ende gegangen. Erst als sie die betretenen Mienen von DHC-Verantwortlichen und Medienvertretern sahen, dämmerte es einigen: "Ist es so schlimm, wie Ihr ausseht?", fragte Daniel Wernig Pressesprecher Detlev Zenk.

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Eine halbe Stunde später wusste nicht nur der Rechtsaußen, wie schlimm es um den Dormagener Handball bestellt ist. "Wir wussten, dass die Lage schwierig ist", sagt Tobias Plaz, seit 2003 im Klub und damit neben Michiel Lochtenbergh und Max Holst der dienstälteste im Kader, "aber damit hat keiner gerechnet." Auch Mannschaftskapitän Kristian Nippes nicht. Der Junioren-Weltmeister, der am Freitag 23 Jahre alt wird, hat gerade im nun gescheiterten Modell "Duale Karriere" eine Ausbildung beim japanischen Sportartikelhersteller Asics begonnen. "Ich muss das alles erst mal sacken lassen", bittet der Linkshänder um Verständnis, dass er keine Erklärung im Namen der Mannschaft abgeben kann.

Auch nicht darüber, ob sie morgen zum Auswärtsspiel in Berlin und am Sonntag zum Heimspiel gegen MT Melsungen noch aufläuft. Kai Wandschneider geht davon aus, dass seine Schützlinge das tun. "Wir haben noch Verträge, und die sollten wir erfüllen", sagt der Trainer, der fast auf den Tag genau zehn Jahre in Dormagener Diensten steht. Deshalb hatte er für 18 Uhr gestern und heute Abend Training angesetzt. Wie es mit ihm weitergeht, weiß der 51-Jährige nicht: "Das entscheidet der Markt. Vielleicht seht ihr mich ja bald Gitarre spielend in der Fußgängerzone sitzen."

(NGZ)