DHC Rheinland: Mindens Schützen "erlegen" DHC

DHC Rheinland : Mindens Schützen "erlegen" DHC

So viele Gegentore hat eine Dormagener Handball-Mannschaft selten kassiert wie der DHC Rheinland gestern Nachmittag bei seiner 37:44-Niederlage bei Zweitliga-Aufstiegsfavorit GWD Minden. Während die Gäste im Angriff überzeugten, war eine Deckungsleistung nicht existent

Eins vorweg: Enttäuscht hat der DHC Rheinland gestern Nachmittag nicht vor 1800 Zuschauern in der Kampa-Halle — zumindest nicht im Angriff. Denn 37 Tore gegen eine Mannschaft wie GWD Minden müssen erst einmal erzielt werden. Doch weil eine Deckungsleistung so gut wie nicht existent war auf Seiten der Gäste, kassierten die Dormagener mit dem 37:44 (Halbzeit 20:23) die vierte Niederlage in Folge, die sie nun endgültig ins Mittelfeld der Zweiten Liga abrutschen lässt — oder, berücksichtigt man die acht Pluspunkte, die ihnen am Saisonende abgezogen werden, in den Tabellenkeller.

Wie ein Abstiegskandidat präsentierten sich die Dormagener gestern allerdings nicht. Im ersten Durchgang und zeitweise auch nach der Pause war auch nichts von jener Verunsicherung zu spüren, die den Erstliga-Absteiger in den letzten (Heim-)Spielen befallen hatte. Im Gegenteil, lange Zeit agierten die Gäste auf Augenhöhe mit den mit mindestens dem doppelten Etat ausgestatteten Ostwestfalen. Selbst als die Mindener nach 19 Minuten erstmals auf drei Tore wegzogen (19.), brachte das die Dormagener nicht aus dem Konzept. Trainer Richard Ratka, an alter Wirkungsstätte mit viel Beifall begrüßt, nahm eine Auszeit — und nur eine Minute später hatten seine Schützlinge auf 16:16 ausgeglichen, auch, weil der Ex-Dormagener Jens Vortmann zwischen den Pfosten der Hausherren kaum einen Ball zu fassen bekam.

Doch schon vor der Pause deutete sich an, dass sich auf Dauer die größere individuelle Klasse der Mindener durchsetzen würde. "Das war heute Wille gegen Cleverness, und Cleverness hat heute gewonnen", fasste Richard Ratka die 60 Minuten zusammen. Allein Dalibor Doder, der Mittelmann der schwedischen Nationalmannschaft und bei der letzten WM ins Allstar-Team gewählt, "erlegte" mit seinen elf Toren die Dormagener fast im Alleingang. Den "Rest" erledigten Aljoscha Schmidt (11/2) und der baumlange Nenad Bilbija (9) auch deshalb, weil DHC-Torhüter Jendrik Meyer erneut nicht an seine starken Leistungen aus den ersten Saisonspielen anknüpfen konnte und schon nach 33 Minuten seinen Platz für Daniel Schlingmann räumte. Der 21-Jährige machte seine Sache nicht schlecht, sah sich aber immer mehr von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. "Wir haben zwar alles versucht, aber in der Deckung kein Mittel gegen die individuelle Klasse der Mindener gefunden", sah Ratka als spielentscheidend an.

Am Ende kam dann bei einigen Abprallern auch noch Pech hinzu, so dass die Niederlage um ein paar Tore zu hoch ausfiel, aber letztlich verdient war. "Minden war genau um diese sieben Tore cleverer als wir", sagte Ratka, verließ aber insgesamt mit keinem schlechten Gefühl jene Halle, in der er viereinhalb Jahre als Trainer auf der Bank saß: "Unzufrieden bin ich, das war eine deutliche Steigerung gegenüber den letzten Spielen." In der Tat: Mit dieser Angriffsleistung hätte der DHC fast jeden Zweitligisten besiegt — aber eben nicht Minden.

(NGZ)
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