DHC Rheinland: Kleiner Mann ganz groß

DHC Rheinland: Kleiner Mann ganz groß

Max Holst verfügt mit 1,80 Meter nicht gerade über Gardemaß für einen Rückraumspieler. Trotzdem ist der 21-Jährige in der Schaltzentrale des DHC Rheinland zum Leistungsträger geworden.

Es ist acht Monate her, als die Dormagener Handballer vor ihrem Gastspiel beim THW Kiel eine Trainingseinheit in einer Kieler Schulturnhalle abhielten. Auf der Tribüne saßen interessierte Schüler, von denen einer Kai Wandschneider fragte, ob er mitmachen dürfe. Als der Trainer verneinte, zeigte der Schüler auf einen Spieler : "Aber der darf doch auch."

Wenn der Dormagener HC Rheinland morgen in der Kieler Ostseehalle aufläuft, wird keiner auf die Idee kommen, Maximilian Holst für einen Schüler zu halten. Der 21-Jährige ist zwar der drittjüngste im Kader und zusammen mit Daniel Wernig (1,79 Meter) mit 1,80 Metern auch der Kleinste. Doch er hat sich in der Hinrunde längst zu einem unverzichtbaren Leistungsträger des Handball-Bundesligisten gemausert.

"Mit Max bin ich am meisten zufrieden", sagt Kai Wandschneider. Dabei war es eigentlich eine Verlegenheitslösung, Holst auf die zentrale Schaltstelle in der Rückraummitte zu stellen, nachdem sich der eigentlich für diese Position eingekaufte Marko Krsmancic schon im September einen Kreuzbandriss zuzog und operiert werden musste. In den offiziellen Kaderlisten für diese Spielzeit wird Holst denn auch als Linksaußen geführt.

  • Handball-Bundesliga : TVB Stuttgart verpflichtet Rückraumspieler Markotic

Diese Position hat er auch "gelernt", seit er vor sieben Jahren als B-Jugendlicher vom TuS Niederpleis nach Dormagen wechselte. Max Holst wandelte dabei auf den Spuren seines Vaters, denn Armin Holst (54) gehörte zu jener legendären Mannschaft des TSV Bayer Dormagen, der 1987 unter Trainer Petre Ivanescu der Aufstieg in die Bundesliga gelang. Auskosten durfte er diesen Erfolg freilich nicht, denn Verletzungs- und berufliche Gründe ließen ihn danach handballerisch kürzer treten. Mittlerweile sitzt Armin Holst bei jedem Heim- und den meisten Auswärtsspielen des DHC Rheinland auf der Tribüne — auch schon, als sein Sohn sich seine Kurzeinsätze auf Linksaußen gegen Michiel Lochtenbergh noch erkämpfen musste. Heute ist Max Holst die Nummer eins in der Rückraummitte — und mit 85 Saisontreffern führt er auch die Torjägerliste an. Zwar sind davon 48 Siebenmeter, doch auch die 37 Feldtore sind angesichts seiner Körpergröße aller Ehren wert. "Max hat jetzt auch zu werfen gelernt", freut sich sein Trainer, denn Tore aus dem Rückraum haben Seltenheitswert beim DHC.

Und Holst übernimmt auch Verantwortung. So wie am Sonntag beim 25:24-Sieg über den TuS N-Lübbecke. Drei Siebenmeter hatte er bereits verwandelt, als er in der 52. beim Zug aufs Tor gefoult wurde. Holst trat trotzdem selbst an die Strafwurflinie — und verwandelte zum 22:19. Zwei Minuten später setzte er Strafwurf Nummer fünf zum 23:20 in die Maschen. Klar, dass er 110 Sekunden vor Schluss — Dormagen führte nur noch 24:23 — auch zur Ausführung antrat. Doch diesmal scheiterte er an Milos Putera, den Gästen gelang postwendend der Ausgleich. Neunzig Sekunden später zeigten die Unparteiischen wieder auf die Strafwurflinie: Holst ließ erst gar keine Diskussionen über den Schützen aufkommen, trat an — und traf zum ersten Heimsieg seit dem 12. Februar.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE