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Tsv Bayer Dormagen: "Kleiner Hitzkopf" wird Handball-Weltmeister

Tsv Bayer Dormagen : "Kleiner Hitzkopf" wird Handball-Weltmeister

20 Jahre nach Vater Pascal gewann Kentin Mahé mit Frankreich den WM-Titel. Die Grundlagen legte er in seinen zwölf Dormagener Jahren.

Dormagen "Er war ein kleiner Hitzkopf" - das ist das erste, was Jörg Bohrmann einfällt, fragt man den Dormagener Handball-Trainer nach seinem derzeit prominentesten (ehemaligen) Schützling. Nur um nachzuschieben: "Aber er hatte schon früh ein riesiges handballerisches Verständnis."

Das muss einer wohl haben, wenn er vier Monate vor seinem 24. Geburtstag Weltmeister wird. Für Kentin Mahé ging am Sonntag mit dem 25:22-Finalsieg der Franzosen über WM-Gastgeber Katar ein Lebenstraum in Erfüllung: "Qu'importe ceux qui suivrons ce titre, 20 ans après mon père, sera toujours le plus beau! On vous a promis de tout donner, j'espère qu'on ne vous a pas déçu!", schreibt er auf seiner Facebook-Seite. Um gleich selbst die deutsche Übersetzung mitzuliefern: "Egal was nach uns kommt, 20 Jahre nach meinem Vater, ist es am schönsten! Wir haben versprochen alles zu geben, ich hoffe wir konnten euch begeistern!"

Im Falle von Björn Barthel ist ihm das gelungen. "Das war schon stark, was er im Finale gezeigt hat", sagt der Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer Dormagen, "das macht uns auch ein bisschen stolz." Schließlich hat Kentin Mahé drei Viertel seines handballerischen Lebens in Dormagen verbracht, ehe es ihn 2011 nach dem Zwangsabstieg des DHC Rheinland zunächst zum VfL Gummersbach, dann zum HSV Hamburg zog.

Gerade mal acht Jahre war Kentin alt, als die Mahés im September 1999 nach Dormagen kamen. Vater Pascal, spätestens seit dem Gewinn des Weltmeistertitels 1995 daheim eine lebende Handball-Legende, sollte den TSV Bayer mit seinen außerordentlichen Abwehrkräften im Kampf um den Erstliga-Erhalt unterstützen. Aus einem Kurzzeit-Engagement wurden ein Dutzend Jahre, bevor es Familie Mahé wieder nach Frankreich zog - Pascal (51) sitzt beim Zweitligisten Chartres Metropole auf der Trainerbank. Ihre Kinder Kentin, Viktor und Klara wuchsen zweisprachig auf, besuchten das Norbert-Gymnasium in Knechtsteden, wo sie, zeitweise unterstützt durch das Teilzeitinternat des TSV, auch Abitur machten.

Und "nebenbei" eroberte Kentin die Herzen der Dormagener Handballfans, vor allem der weiblichen. Mit Charme, mit Spielwitz und "mit einem unglaublichen Ehrgeiz", sagt Björn Barthel, der ihn drei Jahre lang in der E- und D-Jugend trainierte: "Wenn Kentin im Training mal das Tor nicht traf, hat er sich vor Wut auf den Boden geschmissen oder ist einmal außen um die Halle 'rum gelaufen." Pflegeleicht war der eher schmächtige Franzose nicht, "besonders, wenn sein Vater dabei war, wurde es manchmal schwierig", erinnert sich Barthel.

Doch Mahé gelang es, diese Eigenschaften nicht in Allüren, sondern in außerordentlichen Leistungen zu kanalisieren. So außerordentlich, dass Frankreichs Nationaltrainer Claude Onesta früh auf das in Deutschland spielende Talent aufmerksam wurde. 29 Länderspiele hat er bestritten, 49 Tore erzielt, 18 davon bei der WM, eines im Endspiel, das Frankreich den fünften Titel bescherte. "Es war kein schönes Handballspiel, aber am Ende zählt der fünfte Stern. Wir haben Geschichte geschrieben. Wir sind alle Kumpels, wir sind eine Familie", sagte er danach im Fernsehsender Sky. Und vergaß nicht, Grüße an seine Eltern anzuhängen. "Typisch Kentin", sagt Björn Barthel. Jörg Bohrmann, der ihn als B-Jugendlichen zwei Jahre unter seinen Fittichen hatte, war "bereits damals klar, dass er seinen Weg gehen wird." Der hat ihn jetzt mit 23 schon auf den höchsten Handballthron geführt.

(NGZ)