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TSV Bayer Dormagen: Kampfmaschinen überfordern den TSV

TSV Bayer Dormagen : Kampfmaschinen überfordern den TSV

Einmal mehr lassen sich die Drittliga-Handballer des TSV Bayer Dormagen von der überaus rustikalen Gangart ihrer Gegenspieler aus dem Konzept bringen. Die 31:35-Niederlage gegen Edewecht trübt die starke Bilanz der Hinrunde.

Spielerisch können nicht viele Kontrahenten dem TSV Bayer Dormagen das Wasser reichen in der Dritten Liga West. Doch Handball gehört, zumindest in Deutschland, eher zu den Kampfsportarten denn zu jenen Disziplinen, in denen alleine die Spielkultur den Ausschlag gibt über Erfolg und Misserfolg.

Eine Tatsache, die die jungen Schützlinge von Jörg Bohrmann — acht der am Samstagabend eingesetzten zwölf Akteure sind jünger als 23 Jahre — noch werden lernen müssen in ihrem Handballerleben. Und das in teilweise bitteren Lektionen. So wie bei der 31:35-Niederlage (Halbzeit 17:15) im letzten Hinrundenspiel gegen den VfL Edewecht, bei der die Hausherren vor 1026 Zuschauern in den letzten zwölf Minuten eine Drei-Tore-Führung noch verspielten.

Gescheitert sind die Dormagener einmal mehr an routinierten Kampfmaschinen, die den Umgang mit dem runden Leder mit einer gehörigen Portion Härte, vielen Nickeligkeiten und einer gewissen Portion Schlitzohrigkeit würzen — alles Eigenschaften, die den jungen Bayer-Handballern (noch) abgehen.

So war es schon gegen Korschenbroich, so war es gegen Varel und in Leichlingen — macht zusammen sieben der elf Minuspunkte, die zur Halbzeit der Saison zu Buche stehen. Vom spielerischen Format her unterlegen waren die Bohrmann-Schützlinge eigentlich nur gegen Wermelskirchen und Wilhelmshaven — nicht von ungefähr jene Mannschaften, die die Liga zu beherrschen scheinen.

Bohrmann beklagt das nicht. Als ehemaliger Bundesliga-Profi weiß der 43-Jährige, welche Eigenschaften zu seinem Sport dazu gehören. Und ihm war von Anfang an bewusst, "dass wir eine Menge Lehrgeld werden zahlen müssen." So wie gegen Edewecht, dass bei seinem körperbetonten Abwehrspiel stets hart an der Grenze zum Erlaubten agierte.

Dass die höchst unsicheren Schiedsrichter Tobias Gehle und Stephan Osebold, die sich nach dem Schlusspfiff von einem sie verfolgenden Zuschauer tätlich angegriffen fühlten und dies im Spielbericht vermerkten, diese Gangart weitestgehend tolerierten — "wenn man so offensiv deckt, liegen halt schon mal öfter Gegenspieler auf dem Boden", meinte VfL-Trainer Arek Blacha — , wollte Bohrmann nicht als Grund für die fünfte Saisonniederlage ansehen: "Wenn wir früher den Sack zumachen, erübrigt sich jede Schiedsrichterdiskussion."

Möglichkeiten dazu besaß der TSV beim 11:6 (19.), beim 17:13 (29.), beim 25:22 (44.) und zuletzt beim 27:24 (47.) genügend. Doch er konnte die um jeden Zentimeter Hallenboden kämpfenden Gäste nie abschütteln.

Spätestens, als Dennis Marquardt einen an ihm selbst verschuldeten Siebenmeter vergibt (51.) und drei Minuten später beim Stand von 29:29 mit der — höchst umstrittenen — dritten Zeitstrafe auf die Tribüne muss, war die Messe gelesen. "Schade um diesen Abschluss", fasste Jobst Wierich, Mentor des "Projekts 3. Liga", die letzten 60 Handballminuten des Jahres 2012 zusammen, "die Hinrunde war ansonsten wirklich klasse." Und erntete damit wenig Widerspruch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Handball: Bayer Dormagen - Edewecht

(NGZ/url)