Lokalsport: Im Westen droht Langeweile: Nur zwei Plätze noch umkämpft

Lokalsport: Im Westen droht Langeweile: Nur zwei Plätze noch umkämpft

3. Handball-Liga: Für die meisten Klubs ist die Saison gelaufen - für TSV und TVK noch nicht.

Der Westen hinkt hinterher: Was das Zuschauerinteresse angeht, können die Klubs aus der 3. Liga West der Konkurrenz nicht das Wasser reichen. Dem HSV Hamburg mit einem Schnitt von 3609 Fans pro Partie schon gar nicht. Aber auch Mecklenburger Stiere Schwerin (1786), TV Großwallstadt (1247) und MTV Braunschweig (1028) schreiben vierstellige Besucherzahlen.

Im Westen führt der TSV Bayer Dormagen mit 940 die Liste vor TuS Ferndorf (931) und OHV Aurich (910) an. 65.631 Zuschauer sahen die bisherigen Meisterschaftsspiele, das sind deutlich weniger als im Süden (75.354), Osten (76.508) und Norden (114.015). Wie schwach die Resonanz ist, zeigt das Beispiel des TV Korschenbroich: Der hinkt mit seinem aktuellen Schnitt von 362 dem vergangener Spielzeiten weit hinterher, belegt im Zuschauer-Ranking aber trotzdem Rang acht.

Handball-Müdigkeit in einer einst mit hochklassigem Handball gespickten Region? Oder die Folge davon, dass der TuS Ferndorf als einziges verlustpunktfreies Team im gesamten deutschen Profi-Handball eine Liga dominiert, die sich ansonsten ausgeglichen wie selten präsentiert: Tabellenplatz vier (HSG Krefeld) und Rang 13 (OHV Aurich) trennen gerade mal zwölf Punkte. Zehn Spieltage vor Saisonende sind eigentlich nur noch zwei Fragen offen: Wer wird Vizemeister und nimmt an einer eventuellen Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga teil? Und wer wird Drittletzter und schafft über eine mögliche Abstiegsrelegation noch den Klassenerhalt? Und selbst um diese bedeutsamen Plätze streiten sich realistisch betrachtet nur jeweils zwei Klubs: TSV Bayer Dormagen und Leichlinger TV oben, TV Korschenbroich und HSG Lemgo II unten.

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Die Spitze Einsam zieht der TuS Ferndorf seine Kreise. 40:0 Punkte, die zweitmeisten geworfenen Tore (586, besser ist nur GWD Minden II mit 595) und mit weitem Abstand die wenigsten Gegentreffer (400, nächstbester ist der TSV Bayer Dormagen mit 474 aus 19 Spielen) sind eine eindrucksvolle Bilanz. Längst geht es nicht mehr um die Frage, ob die Siegerländer Meistertitel und Wiederaufstieg schaffen, sondern nur noch, ob sie dabei den Rekord des Neusser HV aus der vergangenen Spielzeit (59:1 Punkte) knacken und als einziges Team seit Einführung der Dritten Liga im Jahre 2010 verlustpunktfrei bleiben. Der Kronprinz Bis Karneval schien diese Rolle eindeutig auf den TSV Bayer Dormagen zugeschnitten. Nach dessen 30:30-Remis gegen die HSG Krefeld sind Zweifel angebracht. Der Abstand zum Leichlinger TV (holte zuletzt 18:2 Punkte in Folge) beträgt nur noch drei Zähler. Und Bayer hat ein hammerhartes Restprogramm. Das geht schon morgen in Minden los, das sich zuletzt in Krefeld (27:25) und Schalksmühle (26:25) durchsetzte und am Ende der Hinrunde Ferndorf lange am Rande der ersten Saisonniederlage hatte. Außerdem müssen die Dormagener noch in Leichlingen, in Ferndorf und in Longerich antreten - der TSV Bayer ist urplötzlich vom (Ferndorf-) Jäger zum Gejagten geworden. Die alles entscheidenden Fragen: Ist sich die junge Mannschaft dieser Rolle und der möglichen Tragweite (Verpassen einer wenn auch vagen Aufstiegschance) bewusst? Und wenn ja: Hemmt oder beflügelt sie das eher? Der Keller Bei allem Respekt vor dem ATSV Habenhausen: Wer nach 19 Saisonspielen noch sieglos ist, sollte sich keine Hoffnungen auf den Ligaverbleib mehr machen. Der Zug zum direkten Klassenerhalt dürfte angesichts von acht Punkten Rückstand auf den rettenden 13. Tabellenplatz auch für den TV Korschenbroich abgefahren sein. Bleibt nur Rang 14 und die Chance auf eine Abstiegsrelegation (die aber nur besteht, wenn irgendwo ein Drittligist zurückzieht oder keine Lizenz erhält oder ein Regionalligist auf den Aufstieg verzichtet).

Dafür müssen die Korschenbroicher vier Punkte Rückstand zur HSG Lemgo II aufholen, die ihrerseits vier Zähler hinter dem OHV Aurich zurückliegt. Eigentlich fünf, denn der direkte Vergleich dürfte angesichts einer 26:31-Niederlage aus dem Hinspiel nur schwer zu gewinnen sein. Seitdem holten die Lemgoer nur noch einen Sieg aus acht Spielen. Setzt sich dieser Trend fort, braucht der TVK noch sieben oder acht Zähler aus den restlichen zehn Partien, um die HSG zu überflügeln. Das wäre machbar. Nur: Sechs Mal warten Teams aus den ersten Sieben der Tabelle auf den TVK, als erstes am Samstag der Longericher SC. Nicht nur, weil die Kölner an Karneval 20:28 in Aurich verloren - da ist ein Sieg morgen Abend beinahe Pflicht. Bleibt als entscheidende, vom TVK nicht zu beeinflussende Frage: Wie viel ist dem TBV Lemgo die Drittliga-Zugehörigkeit der HSG wert, wann stockt der Erstligist seine personell auf dem Zahnfleisch gehende "Reserve" auf?

So bleibt dem Handball-Westen wenigstens ein bisschen Spannung bis zum 5. Mai erhalten.

(NGZ)