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DHC Rheinland: "Im Alleingang geht's nicht mehr"

DHC Rheinland : "Im Alleingang geht's nicht mehr"

Heinz Lieven, Geschäftsführer des Dormagener Handball-Club (DHC) Rheinland, über die Perspektiven für den Spitzenhandball im Rheinland, sein Japan-Konzept und warum er die geplante Spielgemeinschaft mit Düsseldorf für unverzichtbar hält

Seinen Ruhestand als Unternehmer hatte sich Heinz Lieven eigentlich anders vorgestellt. Statt vor den Toren Delhovens in Ruhe Pferde zu züchten, ist er seit drei Jahren pausenlos in Sachen Handball unterwegs, den es ohne ihn nach dem Rückzug der Bayer AG auf diesem Niveau wohl nicht mehr geben würde in Dormagen. Neben der zeitlichen Belastung ist der 63-Jährige auch hohem nervlichem Stress ausgesetzt, denn vor allem, seit er Ende 2011 sein Konzept einer "Handball-Ehe" zwischen Dormagen und Düsseldorf der Öffentlichkeit vorstellte, muss Lieven mit Anfeindungen und Schmähkritik leben. Der Vertragsabschluss mit der "Kyocera Fineceramics GmbH" als neuem Hauptsponsor des DHC Rheinland tat ihm da sichtlich gut. Im Anschluss daran stellte sich der Geschäftsführer des Handball-Zweitligisten den Fragen unserer Zeitung.

Herr Lieven, was bedeutet es für Sie und für den Dormagener Handball, dass Kyocera als neuer Hauptsponsor beim DHC Rheinland einsteigt?

Heinz Lieven Für mich bedeutet das, dass unser Zukunftskonzept in die richtige Richtung weist. Wäre das anders, hätte sich ein Unternehmen dieser Größenordnung wohl kaum entschieden, den DHC in dieser Form zu unterstützen.

Wie wird diese Unterstützung aussehen?

Lieven Kyocera soll nicht bloß reiner Werbepartner sein. Natürlich betreiben sie bei uns auch die ganze Bandbreite klassischer Werbemaßnahmen wie Trikot-, Boden- und Bandenwerbung. Und sie haben ja auch die Rechte am Hallennamen erworben, so dass wir demnächst in der "Kyocera Arena" spielen. Darüberhinaus wollen wir durch diese Partnerschaft aber auch Businesskontakte schaffen, für Kyocera, für unsere bisherigen Sponsoren und für solche, die noch zu uns stoßen.

Was lassen sich die Japaner diese Partnerschaft kosten?

Lieven Über die Summe haben wir Stillschweigen vereinbart. Wichtig für uns ist aber, dass wir nicht "irgendein" Unternehmen gewonnen haben, sondern eines, das seinen Sitz im Rhein-Kreis Neuss hat und sein Sponsoring deshalb auch als soziales Engagement in der Nachbarschaft ansieht.

Bleibt es bei Kyocera oder haben Sie noch weitere Pfeile im Köcher?

Lieven (lacht) Ich hoffe schon. Durch die Zusammenarbeit mit der HSG Düsseldorf haben wir ja jetzt schon die Schierle KG und BurgWächter als neue Trikotsponsoren, mit weiteren sind wir im Gespräch. Und von der Zusage von Kyocera erhoffe ich mir eine Initialzündung für das oft belächelte "Japan-Konzept", das wir seit zwei Jahren mit viel Geduld und mancherlei Rückschlägen verfolgen. So beginnt in der nächsten Woche ein von unseren Spielern geleitetes Handballtraining in der Internationalen Japanischen Schule in Düsseldorf. Und für die neue Saison liegt uns bereits die Zusage eines Rückraumspielers aus der Ersten Japanischen Liga vor.

Wäre das nicht alles auch ohne eine Spielgemeinschaft mit Düsseldorf, die von den Fans nicht gerade innig geliebt wird, möglich gewesen?

Lieven Ich kann die Emotionen verstehen. Aber mit Emotionen kann ich keine Spieler bezahlen und allein mit den Zuschauereinnahmen kann kein Verein Spitzenhandball finanzieren. Die Partnerschaft mit Düsseldorf beschert uns ganz andere Möglichkeiten, zum Beispiel eine viel größere Reichweite und eine bessere Präsentation für unsere Sponsoren. In Dormagen alleine lässt sich Handball in Zweiter oder sogar Erster Liga auf Dauer nicht finanzieren, das habe ich in den vergangenen drei Jahren zur Genüge erfahren. Die neue Partnerschaft versetzt uns unter anderem endlich in die Lage, einen hauptamtlich arbeitenden Geschäftsführer und eine vernünftige Besetzung der Geschäftsstelle zu installieren. Dadurch werden viel mehr Dinge möglich, auch was Marketing und Sponsorenakquise angeht. Ehrenamtlich lässt sich das alles nicht mehr bewältigen.

Ihr Konzept zielt über die Spielgemeinschaft mit Düsseldorf hinaus.

Lieven Wir haben doch alle ein Ziel: Wir wollen den Handball in dieser Region nicht nur erhalten, sondern stärken. Und das geht nicht mehr im Alleingang, das geht nur in einer vernünftigen Kooperation. Wir müssen weg vom Kirchtumsdenken. Dabei wollen wir über niemanden bestimmen und niemandem etwas wegnehmen, wie immer behauptet wird. Wir bieten nur allen an, in und an dieser Kooperation mitzuarbeiten. Interessanterweise stößt dieses Angebot außerhalb der Kreisgrenzen auf großes Interesse.

Sie reden viel über Konzepte und Zukunft. Hier und jetzt muss der DHC aber erst einmal den Verbleib in der Zweiten Liga schaffen.

Lieven Sie haben Recht, das dürfen wir bei aller vorausschauenden Planung nicht vernachlässigen. Wir brauchen dringend ein paar Siege, um unser Ziel eines Mittelfeldplatzes in die Tat umzusetzen. Aber da habe ich volles Vertrauen in Trainer und Mannschaft.

Wie geht es in dieser Hinsicht weiter? Bleibt es bei den Zugängen von Michael Hegemann und Mathias Lenz?

Lieven Für den Rest dieser Saison ja. Was die neue Spielzeit angeht, möchten wir den Kader in ein paar Wochen stehen haben. Das hätte den Vorteil, dass wir uns schon frühzeitig einspielen können und nicht wie in dieser Saison mit einer völlig neuformierten Mannschaft starten müssen. Schließlich ist unser Ziel, in der kommenden Saison um den Aufstieg mitzuspielen.

Mit welcher Mannschaft?

Lieven Im Wesentlichen mit der, die wir jetzt haben. Die meisten Spieler haben ohnehin Verträge über das Saisonende hinaus und die behalten für die neue Spielgemeinschaft ihre Gültigkeit. Andrej Petro haben wir ohnehin nur bis Saisonende verpflichtet. Und mit denen, deren Verträge auslaufen (Bartosz Konitz, Michiel Lochtenbergh, Florian von Gruchalla, Michael Wittig, Dennis Szczesny, Alexander Kübler, Anm. d. Red. ) werden gerade Gespräche geführt. Die Tendenz geht bei den meisten dahin, sie zu halten. Dazu sollen, wenn es der Etat hergibt, ein, zwei Verstärkungen kommen.

Mit welchem Etat kalkulieren Sie?

Lieven Wir sind ja noch in Gesprächen mit weiteren Werbepartnern, unter anderem solchen aus Düsseldorf. Ich hoffe, dass der gemeinsame Etat der neuen Spielgemeinschaft bei zwei Millionen Euro oder leicht darüber liegen wird — das wäre eine Zahl, mit der man auch die Erste Liga anpeilen kann.

Volker Koch führte das Gespräch

(NGZ/rl)