DHC Rheinland : Enttäuscht und ratlos

Am Tag nach dem Insolvenzantrag des DHC Rheinland sind Ratlosigkeit und Enttäuschung die vorherrschende Stimmung in der Handballszene. René Witte, Trainer des Neusser HV, spricht von einer "Katastrophe für die Basis"

Das plötzliche und unerwartete "Aus" für den DHC Rheinland hat nicht nur die Dormagener Handballszene in einen Schockzustand versetzt: "Das ist auch eine Katastrophe für die Basis", sagt René Witte.

Der Trainer des Neusser HV, aus Eisenach stammend, in Haan zu Hause, stellt aus der Sicht des Außenstehenden fest: "Unser Sport hier in der Region hat doch immer davon gelebt, dass es Erst- oder Zweitligahandball direkt vor der Haustür gab." Und er fragt: "Wo kann ich den jetzt noch sehen? Nach Wuppertal (Spielort des Bergischen HC, Anm. d. Red.) fährt doch keiner deswegen."

Ohne einen Bundesligisten im Einzugsbereich, fürchtet er, bröckeln auch Basis- und Nachwuchsarbeit. "Nichts gegen sechs, sieben Lokalduelle in der Dritten Liga", sagt Witte, der zusammen mit Erwin Reinacher die "WR Sportmarketing GbR" betreibt, die Trainingscamps und Seminare rund um den Handball anbietet, "aber das ist nicht vergleichbar. Wir brauchen in absehbarer Zeit zumindest wieder einen Zweitligisten." Das, ist Witte überzeugt, "geht nur in Zusammenarbeit aller, die sich im Rhein-Kreis im Handball engagieren."

Während sich der NHV-Trainer mit der Zukunft beschäftigt, weiß in Dormagen keiner so recht, wie es in der gegenwärtigen Lage weitergeht: "Wir haben für uns beschlossen, erst mal weiterzumachen, bis wir wissen, wie es weitergehen soll", sagt Trainer Richard Ratka. Das hängt in erster Linie von der Entscheidung des Insolvenzverwalters ab, doch bis gestern Nachmittag war noch nicht bekannt, wer diese Funktion ausüben wird. "Wir trainieren so normal weiter, wie das unter diesen Umständen möglich ist", sagt Ratka.

Auch am Dienstagabend wurde trainiert, nachdem Heinz Lieven die Mannschaft von seiner Entscheidung in Kenntnis gesetzt hatte. Dabei soll es zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen den Spielern und dem DHC-Geschäftsführer gekommen sein. "Die tatsächlichen Gründe sind für uns weiterhin nebulös", sagt Ratka, der aus seiner persönlichen Enttäuschung kein Hehl macht: "Ich verstehe nicht, warum Heinz Lieven den Spielern am Samstagabend nach der Niederlage in Erlangen in der Kabine noch Mut zugesprochen hat, mit einer solchen Leistung würden wir den Klassenerhalt auf jeden Fall schaffen, wenn er zwei Tage später den Lizenzantrag für die Zweite Liga zurückzieht."

Den Rückzug teilte Lieven der Handball-Bundesliga (HBL) am Dienstagmorgen per Fax mit, im Laufe des Tages soll er die in der Vorwoche eingereichten Lizenz-unterlagen in der HBL-Geschäftsstelle in Dortmund haben abholen lassen. Das nährt Gerüchte, dem DHC seien Formfehler unterlaufen, die zu einer Lizenzverweigerung hätten führen können. "Letztlich ist das alles egal", sagt Ratka, "unser gemeinsamer Weg ist definitiv zu Ende und wir müssen schauen, wie und wo wir weiterkommen."

(NGZ)