DHC Rheinland : Eine Frage der Spannung

Bislang haben seine Schützlinge in der Rittal-Arena noch nie verloren. Trainer Kai Wandschneider fürchtet, dass diese Bilanz morgen Abend nach dem Gastspiel des Dormagener HC Rheinland bei der HSG Wetzlar keinen Bestand mehr hat

Die Entscheidung des Schiedsgerichts der Handball-Bundesliga, dem DHC Rheinland eine Lizenz für die Zweite Liga zuzuerkennen, hat in Dormagen allenthalben für Erleichterung gesorgt. Auch bei Kai Wandschneider: "Natürlich freue ich mich, dass es hier weitergeht", sagt der Mann, der seit zehneinhalb Jahren die sportlichen Geschicke bei den Dormagener Handballern bestimmt, für den am Saisonende aber unwiderruflich Schluss ist, "auch wenn ich selbst nichts mehr damit zu tun habe."

Wie sich das Urteil und seine Konsequenzen jedoch auf Einstellung und Motivation seiner Spieler auswirken, vermag der Handball-Lehrer nicht vorher zu sagen: "Die Frage wird sein, ob jeder einzelne noch mal in der Lage ist, Spannung aufzubauen", sagt er mit Blick auf das morgige, auf 18 Uhr vorverlegte Gastspiel bei der HSG Wetzlar.

In das ginge der DHC ohnehin als Außenseiter. Schließlich haben sich die Hessen nach der Installation des Trainerduos Ghenadi Chalepo und Jochen Bepler vom Abstiegskandidaten zum Mittelfeldteam gemausert, zieren mit 24:38 Punkten Rang elf . Schließlich kann die HSG Wetzlar dank Spielern wie Daniel Valo (2,03 Meter), Alois Mraz, Philipp Müller, Timm Schneider (alle 1,96 Meter) und des hünenhaften Kreisläuferduos Karl Kristjan Kristjansson (1,94 Meter) und Giorgios Chalkidis (1,96 Meter) ein eindeutig stärkere Physis in die Waagschale werfen: "Das ist wie Bantam- gegen Superschwergewicht", bemüht Wandschneider einen Vergleich aus dem Boxen. Dennoch will er sich auch im vorletzten Auswärtsspiel als Trainer einer Dormagener Handballmannschaft nicht von vorneherein geschlagen geben: "Ich versuche, alles dafür zu tun, dass wir unsere Bestleistung abrufen, und das erwarte ich auch von meinen Spielern." Als Vorbild in dieser Hinsicht nennt er Jens Vortmann: Der Torhüter müsste morgen Mittag eigentlich an der Universität Köln eine Klausur schreiben, hatte sich von Wandschneider die Erlaubnis geholt, anschließend im Privatwagen nach Wetzlar nachzureisen. Dann wurde die morgige Partie jedoch auf 18 Uhr vorverlegt. Jetzt lässt der 23-Jährige die Klausur sausen: "Das ganze Semester ist damit für die Katz', sein Professor hat sich auch nicht auf eine Verlegung eingelassen", sagt Wandschneider, der Vortmann für das morgige Spiel auch freigestellt hätte: "Aber das war für ihn überhaupt kein Thema".

So kann er seine Bestbesetzung in die Rittal-Arena schicken. Dort sind die Dormagener bislang noch ungeschlagen: Im ersten Spiel nach dem Wiederaufstieg gab es ein 23:23-Unentschieden, in der vergangenen Saison sorgte Florian Wisotzki mit seinem Wurf ins leere Wetzlarer Tor in der Schlusssekunde für den 26:25-Sieg. Das Hinspiel in der vergangenen Spielzeit (31:24) hatten die Wetzlarer übrigens ebenso gewonnen wie das im Dezember (26:25). Ein gutes Omen?

(NGZ)