TSV Bayer Dormagen: Dirndl beflügeln die Dormagener

TSV Bayer Dormagen : Dirndl beflügeln die Dormagener

Mit seiner zumindest in der Defensive besten Saisonleistung hat der TSV Bayer Dormagen das rheinische Duell in der Dritten Handball-Liga gewonnen. Beflügelt von den oktoberfestlich gestimmten Zuschauern fegten die Schützlinge von Jörg Bohrmann ART Düsseldorf 29:20 aus der Halle

Sogar Jobst Wierich hatte sich einen Trachtenjanker übergeworfen. "Irgendwo im Schrank habe ich noch einen gefunden", sagte der frühere Bundesliga-Rechtsaußen des TSV Bayer Dormagen, der im Hintergrund des "Projekts III. Liga" die Strippen zieht.

Und das durchaus erfolgreich. Denn mit dem 29:20-Sieg (Halbzeit 15:11) im rheinischen Derby mit dem ART Düsseldorf, dem dritten doppelten Punktgewinn in Folge, haben sich die Dormagener erst einmal in der "Beletage" der dritthöchsten Spielklasse festgesetzt. Und mit 1187 Zuschauern hatte der Zwangsabsteiger aus der Zweiten LIga im dritten Heimspiel zum dritten Mal eine vierstellige Besucherzahl zu vermelden.

"Dormagen ist eben ein echter Handball-Standort", meint Rainer Lisson, im Gesamtverein für Sport und Kommunikation zuständig. Ein paar Hundert Fans freuten sich nach dem Schlusspfiff am oktoberfestlich angerichteten gastronomischen Angebot — und daran, dass Jorgos Flambouraris, der neue Zuständige für Theke und Grill, im Gegensatz zu seinem Vorgänger nicht schon früh die Lichter ausdrehte im Sportcenter.

Für die Gäste aus der Landeshauptstadt verlöschten sie im ersten Dutzend Minuten nach der Pause: Es dauerte bis zur 42. Minute, ehe Marc Pagalies der erste Treffer für die Düsseldorfer nach Wiederbeginn gelang. Die Hausherren nutzten die Flaute, um aus dem 15:11-Pausenstand ein vorentscheidendes 19:11 zu machen und der Partie damit jenen Hauch von Spannung zu nehmen, den sie in den ersten dreißig Minuten durchaus noch besessen hatte.

"Dormagen hat eine brutal gute 3-2-1-Deckung gespielt, gegen die uns gar nichts eingefallen ist", redete ART-Trainer Benny Daser gar nicht lange um den heißen Brei herum. Sein eigener, inzwischen zum festen Repertoire der gegnerischen Trainer gehörender taktischer Schachzug, Simon Ernst (durch Max Kronenberg) in Manndeckung zu nehmen, fruchtete dagegen wenig. Einmal, weil der Jugend-Europameister inzwischen gelernt hat, sich der engen Bewachung zu entziehen. Und zum anderen, weil Dennis Marquardt und vor allem ein glänzend aufgelegter Tobias Plaz die sich bietenden Freiräume im Rückraum geschickt ausnutzten.

"Wir haben viel aus der Niederlage gegen Korschenbroich gelernt", sagte Trainer Jörg Bohrmann rückblickend auf das andere Lokalduell, das seine Schützlinge noch mit 28:29 verloren hatte, gab aber auch zu: "Vielleicht habe ich der Mannschaft im Nachklang dazu zu viel Druck gemacht." Doch das liegt wohl in seinem Naturell: Trotz des auch dank 13 Paraden von Torhüter Dominik Formella nach der Pause ständig anwachsenden Vorsprungs "faltete" er seine Jungs zeitweise ordentlich zusammen.

Nach dem Schlusspfiff gab's dann ein Versöhnungs-Bier — im Trachtenjanker. Vielleicht sollte Jorgos Flambouraris öfter ein Oktoberfest ausrufen — Janker und Dirndl scheinen die Dormagener zu beflügeln.

(NGZ/url)
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