Dormagen : Die Zukunft des Handballs

Beim TSV Bayer drückt man dem DHC die Daumen, damit die Perspektive Profi-Handball für Nachwuchsspieler erhalten bleibt. Allerdings wünscht sich der TSV eine engere Kooperation – und bessere Chancen für Talente.

Es hätte eine kurze Nachricht sein können. Doch als die Rheinland Versicherungsgruppe Neuss Anfang März mitteilte, 20 000 Euro zur Rettung des insolventen DHC zu spenden, stand die Top-News am Ende einer langen Pressemitteilung, die sich ausführlich der Frage widmete, wie die Zukunft des Profi-Handballs in Dormagen nach dem Scheitern des "Projekts" DHC aussehen könnte. Tenor: Der Weg in die Zweite Liga ist nicht nur gangbar, sondern wünschenswert, wenn das Profi-Team Sammelbecken begabter junger Spieler aus der Region sei.

Womit die Brücke zur Nachwuchsarbeit des TSV Bayer geschlagen wurde, wo man dem DHC die Daumen drückt: "Es täte uns weh, wenn der DHC wegbricht", sagt TSV-Geschäftsführer Frank Neuenhausen. Gleichwohl hat man beim Verein schon unmittelbar nach der Insolvenz des DHC versichert, dass sich weder am Konzept noch an der Qualität der Ausbildung etwas ändern werde. "Hier bricht nichts zusammen. Das Wichtigste für Top-Talente sind die Trainer. Sie sind die Zugpferde", betont TSV-Jugendkoordinator Björn Barthel. Er weiß aber, dass beim harten Wettbewerb um Talente spätestens ab der B-Jugend auch die Perspektive zählt, sprich die Existenz eines Profiteams als Anker und Attraktion.

Ein Profi-Team freilich, in dessen Kader sich die Jugendarbeit auch widerspiegelt. Voraussetzung dafür wäre "eine echte, gelebte Partnerschaft" zwischen DHC und TSV, wie Rainer Lisson sagt, Vorstand Sport und Sprecher des TSV. Von dieser Kooperation hat man beim TSV genaue Vorstellungen, die sich bei einem Neustart in der Zweiten Bundesliga umsetzen ließen. Vorausgesetzt, man setze sich an einen Tisch, sobald klar sei, dass der DHC dort antrete – und der TSV Bayer "Premium-Partner" werde, so Lisson. "Wir wollen nicht einer unter vielen Kooperationspartnern sein." Heißt: Der TSV will seinen hochqualifizierten Unterbau gewürdigt und gefördert sehen. "Optimal wäre, wenn der sportliche Leiter der Profi-Mannschaft gleichzeitig für den Nachwuchs mitverantwortlich wäre", sagt Björn Barthel. Sprungbrett zu den Profis könnte die U23 des TSV sein, die sportlich in die Dritte Liga geführt werden soll. "Zuletzt war der Übergang zum Profibereich zu hart", sagt Rainer Lisson. "In unserer B-Jugend gibt es einige Spieler, die man in Zukunft in einer Bundesliga-Mannschaft sehen wird", ist Barthel überzeugt. "Das sind Spieler, die man nicht fertig kaufen kann. Spieler, die sich mit Handball in Dormagen identifizieren." Fazit der TSV-Verantwortlichen: "Profi-Handball in Dormagen hat nur auf Basis eines Nachwuchskonzepts eine Zukunft. Damit lassen sich auch mehr Unterstützer aus der lokalen Wirtschaft gewinnen", so Björn Barthel.

(NGZ)