1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen
  4. TSV Bayer Dormagen

DHC Rheinland: "Die Mannschaft steht hinter mir"

DHC Rheinland : "Die Mannschaft steht hinter mir"

Richard Ratka, Trainer des Handball-Zweitligisten Dormagener HC Rheinland, spricht vor dem heutigen Meisterschaftsspiel beim TV Bittenfeld über Wege aus der Krise, die Einstellung seiner Schützlinge und Kritik an seiner Person nach fünf Niederlagen in Folge

Gestern Mittag nach dem Abschlusstraining starteten die Handballer des Dormagener HC Rheinland zum ersten Auswärtsspiel der Rückrunde beim TV Bittenfeld, das heute um 20.30 Uhr in der Stuttgarter Porsche-Arena angepfiffen wird. Vor der Abfahrt stand Trainer Richard Ratka der NGZ Rede und Antwort.

Herr Ratka, wie war die zurückliegende Woche für den DHC?

Richard Ratka Es war sicher keine ruhige Woche, und das nicht nur, weil wir sehr viel trainiert haben. Uns allen war bewusst, welchen Mist wir da am letzten Freitag gebaut haben (der DHC kassierte mit dem 23:28 gegen den ASV Hamm die fünfte Niederlage in Folge und bereits die sechste Heimniederlage dieser Saison, Anm. d. Red.). Aber deswegen sind wir jetzt nicht in Panik verfallen. Das würde auch nicht weiterhelfen.

Was hilft denn weiter?

Ratka Wir müssen Ruhe ins Ganze 'reinbringen. Darum habe ich versucht, sowohl im Training als auch in vielen Gesprächen, eine Struktur und ein System zu erarbeiten — das ist uns nämlich durch den Ausfall von David Breuer verloren gegangen.

Macht denn ein einzelner Spieler so viel aus?

Ratka Es ist ja nicht nur einer, uns fehlen ja insgesamt drei Spieler, die alle zu den erfahreneren gehören. Da kommen dann viele Dinge zusammen, es hapert an der Feinabstimmung, die Deckung steht nicht mehr so, wie sie sein sollte, die Torhüterleistung muss besser werden — um all das zu erreichen, müssen wir viele kleine Schritte machen.

Was Sie da aufzählen, sind in erster Linie spielerische Komponenten. Doch gegen Hamm fehlte es auch an Biss, an Einsatz und Kampf.

Ratka Das Spielerische und der Kampf hängen doch zusammen. Wenn du schlecht spielst, fehlt dir das Selbstvertrauen, und ohne Selbstvertrauen kannst du nicht kämpfen.

Aber es heißt doch immer: " ...über den Kampf ins Spiel finden."

Ratka Richtig. Aber nur, wenn das Selbstvertrauen da ist. Wenn einzelne Spieler oder eine ganze Mannschaft verunsichert sind, habe ich noch nie gesehen, dass sie das allein über die kämpferische Komponente wettgemacht haben. Was wir brauchen, ist Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, und daran haben wir in dieser Woche gearbeitet.

Mit Erfolg?

Ratka Die Mannschaft hat zu einhundert Prozent mitgezogen. Ob sich das schon in Bittenfeld auf der Ergebnisseite niederschlägt, weiß ich nicht. Das hängt auch mit dem Spielverlauf zusammen: Wenn wir hinten ein paar Bälle mehr erobern, wenn wir vor allem vorne die klaren Chancen, die wir uns auch gegen Hamm erspielt haben, alle nutzen, dann kommt auch das Selbstvertrauen wieder. Dafür brauchen wir aber Geduld, die ich bei meinen Rückraumspielern vermisst habe. Doch einen Angriff geduldig zu Ende zu spielen, hängt wiederum mit dem Selbstvertrauen zusammen. Deshalb müssen wir aufpassen, dass wir jetzt nicht verkrampfen. Die Situation ist ernst, trotzdem brauchen wir eine gewisse Lockerheit im positiven Sinne.

Ober braucht der DHC einen anderen Trainer? Nach der Niederlage gegen Hamm wurde ja an manchen Stellen eine Trainerdiskussion losgetreten.

Ratka Das ist doch völlig normal: Wenn man nicht gewinnt, ist der Trainer schuld. Dieser Kritik muss man sich stellen, damit habe ich umzugehen gelernt. Und ob der DHC einen anderen Trainer braucht, entscheide ja nicht ich — da müssen Sie die Verantwortlichen fragen. Natürlich stellt man nach einem solchen Spiel wie gegen Hamm alles auf den Prüfstand, schaut, was man besser machen kann, auch bei sich selbst. Ich bin da auch in ein paar Dingen fündig geworden, auch bei mir. Aber eins kann ich sagen: Die Mannschaft steht hinter mir, wir arbeiten gemeinsam daran, einen Weg aus dieser Situation zu finden — am liebsten schon heute in Bittenfeld.

Volker Koch führte das Gespräch

(NGZ/rl)