DHC Rheinland : DHC vergisst die Abwehr

Mehr als 33 Tore haben die Dormagener Handballer erst ein Mal seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga geworfen. Dennoch reichte diese Rekordquote am Samstag nicht zum Sieg über den VfL Gummersbach.

Vielleicht wäre alles ja anders gekommen, hätte es jene ominöse Szene in der 15. Spielminute nicht gegeben, als Adrian Wagner nach Zusammenprall mit Sigurbergur Sveinsson bewusstlos auf dem Hallenboden liegen blieb. "Danach haben wir es nicht mehr geschafft, Aggressivität in unsere Abwehraktionen hineinzubekommen", meinte Kai Wandschneider.

Der Trainer des DHC Rheinland braucht für statistische Berechnungen keinen Computer. Deshalb wusste der 50-Jährige nach der 33:38-Niederlage (Halbzeit 15:18) gegen den VfL Gummersbach sofort: "Dass wir 33 Tore werfen und nicht gewinnen, hat es noch nie gegeben." Zumindest nicht seit dem Wiederaufstieg in die Beletage des deutschen Handballs. Denn da haben die Dormagener überhaupt nur ein Mal so viele Tore erzielt wie am Samstag vor 2674 Zuschauern (Saisonrekord): Beim 34:32-Sieg über die HSG Wetzlar im Mai 2009.

Da war die Spielzeit freilich gelaufen für beide Kontrahenten. Unter solchen Umständen stellen Handballer oft die Abwehrarbeit ein. Dass sie dies am neunten Spieltag tun, noch dazu in einem klassischen Lokalkampf, besitzt eher Seltenheitswert. Mag sein, dass der Unfall ihres ehemaligen Linksaußens den Dormagenern mehr in die Glieder gefahren war als Wagners Mannschaftskollegen. Dafür spricht, dass der DHC, bis dahin gleichwertig, den Gummersbachern danach gestattete, sich von 8:7 auf 10:7 abzusetzen — ein Rückstand, von dem sich die Gastgeber trotz allem Kampfgeist und trotz ihrer besten Angriffsleistung der Saison nicht mehr erholen sollten.

Dagegen spricht, dass sie schon zuvor den Innenblock nicht dicht bekamen. Die Gäste nutzten das immer wieder zu Anspielen auf Patrick Wiencek. Entweder verwertete der hünenhafte Kreisläufer, an dem vor seinem Wechsel aus Essen auch Dormagen interessiert war, sie selbst zu Toren, er erhielt einen Siebenmeter zugesprochen oder er schuf die Lücken, die die "Halben" Drago Vuckovic (9 Tore) und Adrian Pfahl (7) auch deshalb gnadenlos ausnutzten, weil Jens Vortmann zwischen den DHC-Pfosten bestenfalls Durchschnittliches bot.

Es spricht für die Dormagener, dass sie unverdrossen weiterspielten, auch, als der VfL zwischenzeitlich auf mehr als sechs Tore Unterschied zu enteilen drohte. Stark erneut Sveinsson mit zehn Treffern, auch Kristian Nippes, Kentin Mahé und Daniel Wernig überzeugten, auch wenn ihnen der eine oder andere ihrer Unerfahrenheit geschuldete Fehler unterlief. Schwach erneut die Sorgenkinder: Jan-Olaf Immel, der den anfänglich zuschauenden Maciej Dmytruszynski nicht annähernd ersetzen konnte, der torlose Arni Thor Sigtrygsson und trotz seiner vier Treffer auch Michiel Lochtenbergh. Er hätte die Partie noch mal spannend machen können, scheiterte beim Stande von 29:34 (54.) aber völlig freistehend am weiß Gott nicht starken Somic im Gummersbacher Gehäuse. Sonst hätten die Dormagener zumindest ihren "Torrekord" eingestellt. Ob's zum Sieg gereicht hätte, steht auf einem anderen Blatt.

Hier geht es zur Infostrecke: Saison 2010/11: DHC-Stimmen zum Gummersbach-Spiel

(NGZ)