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DHC Rheinland: DHC schließt Handballehe mit HSG

DHC Rheinland : DHC schließt Handballehe mit HSG

Ab der Spielzeit 2012/13 werden der Dormagener HC Rheinland und die HSG Düsseldorf als Spielgemeinschaft in der Zweiten Handball-Bundesliga gemeinsam auf Punktejagd gehen. Aus wirtschaftlicher Not geboren, soll der "DDHC Rheinland" sich mittelfristig als Erstligist behaupten.

Die Jüngsten sind Heinz Lieven und Erwin Schierle nicht mehr. Doch das schützt die Unternehmer aus Delhoven und Uedesheim nicht vor Visionen. Eine davon: Im Rheinland dauerhaft einen Handball-Erstligisten zu installieren, der "nicht ständig den Wechselbädern zwischen Auf- und Abstieg unterworfen ist."

Zu diesem Zwecke haben die beiden seit zwei Jahren die Köpfe zusammengesteckt, erst widerwillig, in jüngster Zeit regelmäßig und mit wachsender Begeisterung. Das Ergebnis präsentierten sie gestern der — zumindest teilweise — staunenden Öffentlichkeit: Es trägt den etwas sperrigen Namen "Dormagen-Düsseldorfer Handball-Club Rheinland" (DDHC) und soll so schnell wie möglich mit Fleisch und Blut gefüllt werden.

Geht es nach Richard Ratka, möglichst schon während der vierwöchigen Spielpause der Zweiten Liga. "Je eher wir die neue Mannschaft einspielen, desto besser", sagt der 48-Jährige, der im Juni diesen Jahres den gerade aus der Insolvenz entlassenen und vom Sportgericht des Deutschen Handball-Bundes (DHB) mit einer erst in zweiter Instanz erteilten Zweitliga-Lizenz und der Bürde von acht Pluspunkten Abzug ausgestatteten DHC Rheinland übernahm.

Ratka ist so etwas wie die Brücke zwischen den beiden Rheinseiten. Schließlich bestritt er 245 Erstligaspiele für die Düsseldorfer und saß anschließend dort sechs Jahre auf der Trainerbank. "Dieser Schritt ist nicht bloß eine Notwendigkeit, er ist eine Riesenchance", sagt Ratka mit Blick auf die neue Spielgemeinschaft, bei der er die sportliche Verantwortung tragen soll. "Es ist die einzige Chance, die wir haben", ergänzt Erwin Schierle. Zwanzig Jahre war er der HSG und ihren Vorläufervereinen als Präsident und Sponsor verbunden. Eine Zeit, in der er einsehen musste, "dass Handball in Düsseldorf alleine nicht zu finanzieren ist." Als Heinz Lieven ihn vor zwei Jahren vorsichtig auf eine mögliche Zusammenarbeit ansprach, reagierte Schierle zunächst ablehnend.

Mit der Zeit erkannte er einen Gleichgesinnten: "Wir sind in Dormagen an unsere Grenzen gestoßen. Hier nach Sponsoren zu suchen, ist schon ziemlich frustrierend", sagt Lieven, der den Handball in der einstigen "Chemiestadt" nach dem Ausstieg der Bayer AG vor drei Jahren vor dem Verlöschen rettete, aber jetzt zugibt: "Die letzten zwei Jahre haben mich sehr viel Kraft gekostet."

Deshalb übergibt er die bisher ehrenamtlich ausgeführte Geschäftsführung des DHC ab 1. Juli an Frank Flatten. Der Manager der HSG Düsseldorf, seit einem Jahr auch Präsident von deren Stammverein HSV, für den er zwei Tage vor Weihnachten einen Insolvenzantrag stellte, gilt als umtriebig, aber auch nicht unumstritten. Spätestens, als das Finanzloch der HSG immer größer wurde, gingen auch seine Blicke zu den Leidensgenossen auf der anderen Rheinseite: "Das ist nicht bloß ein Neuanfang, sondern eine andere Zukunftsausrichtung. Wir müssen als Region denken", sagt Flatten. Für einen, der die Nachricht vom Insolvenzantrag in einer Bar an der Kö verkündete, könnte das zum Quantensprung werden. Den haben Heinz Lieven und Erwin Schierle schon vollzogen — und die sind noch ein paar Jährchen älter als Flatten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Saison 2011/12: Das Team des DHC Rheinland

(NGZ/rl/anch)