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DHC Rheinland: DHC freut sich wie ein Meister

DHC Rheinland : DHC freut sich wie ein Meister

Wer das Nichts vor Augen hat, freut sich auch über die kleinen Dinge des Lebens: Den Sieg über den VfL Bad Schwartau, in letzter Sekunde per Siebenmeter sichergestellt, feierten die Dormagener Handballer wie einen Titel

Sie haben das Nichts vor Augen. Doch über einen Sieg freuen sich die Handballer des seit zweieinhalb Monaten als Absteiger feststehenden DHC Rheinland wie die kleinen Kinder.

Als Florian von Gruchalla gerade seinen fünften (von sechs) Siebenmeter verwandelt hatte, als die Unparteiischen Pawel Fratczak und Paulo Ribeiro die Partie des insolventen Zweitligisten gegen den VfL Bad Schwartau danach gar nicht wieder anpfiffen, da gab es kein Halten mehr im ebenso weiten wie leeren Rund des TSV-Sportcenters: Die beiden Fähnlein der Aufrechten – die zwölf noch einsatzfähigen Spieler, von denen nur acht auch zu Saisonbeginn im Kader standen, und die letzten Getreuen auf den mit 392 Zuschauern besetzten Rängen – feierten den 27:26-Sieg (Halbzeit 14:14) wie einen Titelgewinn.

Und das nicht einmal zu Unrecht, schien der DHC 20 Minuten vor dem Schlusspfiff angesichts eines 14:19-Rückstandes doch bereits mausetot, nachdem die Hausherren in den ersten elf Minuten nach der Pause ohne Torerfolg geblieben waren. "Da habe ich befürchtet, wir werden Opfer unseres eigenen Tempos aus der ersten Halbzeit", gab Trainer Richard Ratka zu. Bei nur zehn einsatzfähigen Feldspielern (davon vier für die Außenpositionen) blieben ihm nicht allzu viele Möglichkeiten, das handballerische Grauen zu stoppen.

Das taten seine Schützlinge dann ganz von alleine, wenn auch tatkräftig unterstützt von immer mehr abbauenden Gästen. "Auf einmal war die Motivation wieder da", kommentierte Ratka die Aufholjagd, die beim 21:22 durch Tobias Plaz (52.) den DHC wieder in Schlagdistanz brachte. Zwei Strafwürfe von Florian von Gruchalla bedeuteten dann die Entscheidung: Erst bringt er den DHC anderthalb Minuten vor Schluss zum ersten Mal seit dem 13:12 wieder in Führung. Und nach Tretows Ausgleichstreffer 62 Sekunden später behält der Linkshänder auch in der Schlusssekunde – Dombrowski hatte zuvor Michiel Lochtenbergh gefoult – vom Siebenmeterpunkt die Nerven.

Der Rest ist Jubel – und die Feststellung Ratkas: "Es ist schon bemerkenswert, was die Jungs alles wegstecken." Denn zur Insolvenz – noch weiß keiner so genau, ob das letzte Saisonspiel am 2. Juni gegen die SG Bietigheim überhaupt ausgetragen wird – gesellt sich schier unglaubliches Verletzungspech. Das neueste Opfer: Michael Wittig brach sich im Training den Finger. Damit reduziert sich die Zahl der Dormagener, die in allen bisherigen 36 Partien auf dem Spielbericht standen, auf genau einen: Siebenmeter-Held Florian von Gruchalla.

(NGZ)