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Tsv Bayer Dormagen: Der große Kampf ist wieder vergebens

Tsv Bayer Dormagen : Der große Kampf ist wieder vergebens

Bis zur 53. Minute durfte der TSV Bayer Dormagen gegen den ASV Hamm vom ersten Punktgewinn seit dem Aufstieg in die Zweite Handball-Bundesliga träumen. Am Ende gab es mit 25:29 die vermeidbarste der bisherigen drei Niederlagen.

Die Geschichte dieser Partie ist schnell erzählt: Dreißig Minuten lang war der TSV Bayer Dormagen im dritten Meisterschaftsspiel nach dem Aufstieg in die Zweite Handball-Bundesliga besser als der als Favorit angereiste ASV Hamm-Westfalen. 23 Minuten war der Neuling dem Vorjahresachten ebenbürtig. Die letzten sieben Spielminuten reichten den Dormagenern, um sich selbst um den Lohn für eine große kämpferische Leistung zu bringen. Unterm Strich stand mit dem 25:29 die dritte Niederlage im dritten Spiel - und die bisher vermeidbarste. "Verloren haben wir das Spiel in der ersten Halbzeit", sagte Trainer Jörg Bohrmann danach. Was angesichts einer 12:10-Pausenführung seiner Schützlinge paradox klingt, trifft als Analyse den Nagel auf den Kopf.

Denn Bohrmann gelang es, mit einer unorthodox offensiven Deckung gegen die durch Pascal Blos und Jo Gerrit Genz zur Untätigkeit verurteilten bisherigen Hammer Haupttorschützen Ondrej Zrdrahala und Marian Orlowski "sehr viel Hektik in unser Spiel zu bringen", wie ASV-Trainer Kay Rothenpieler, auf solche Taktik offenbar nicht vorbereitet, eingestand. Dass er selbst versuchte, diese Taktik mit einer ähnlich offensiv ausgerichteten Abwehr zu konterkarieren, erwies sich gegen die flinken Dormagener als höchst untaugliches Mittel.

Die Folge: "Wir hätten zur Pause mindestens mit sechs, sieben Toren Unterschied führen müssen", stellte Bohrmann unwidersprochen fest. Nur: Seinen Jungs - "ich hatte ja zeitweise vier Unter-Zwanzigjährige gleichzeitig auf der Platte" - versagten im Abschluss mal wieder die Nerven. 16 (!) Fehlwürfe hatte der in dieser Hinsicht bereits in den voraufgegangenen Partien leidgeprüfte Trainer nach den ersten dreißig Minuten auf seinem Statistikzettel stehen. Allein fünf Mal scheiterten der am Samstag völlig neben seinen Handballschuhen stehende Maximilian Bettin (2), Jo Gerrit Genz, Andreas Simon und Jonathan Eisenkrätzer vom Siebenmeterpunkt an Tomas Mrkva. "Er hat uns im ersten Durchgang überhaupt nur im Spiel gehalten", sagte Rothenpieler über den tschechischen Torhüter, der es am Ende auf 14 Paraden brachte.

Die Gäste brauchten nur sechseinhalb Minuten, um die Partie zu drehen. Und sie benötigten dazu nur zwei simple taktische Umstellungen, "auf die wir eigentlich vorbereitet waren", sagt Bohrmann. Vorne "opferte" Rothenpieler den wirkungslosen Zrdrahala für einen zweiten Kreisläufer und hebelte so die offensive Deckungsvariante der Dormagener aus. Jan Brosch (3) und Jakob Macke (4) trafen entweder selbst gegen den mit insgesamt zwölf Paraden zwar starken, gegen sie aber machtlosen Sven Bartmann. Oder sie schufen die Räume, in die Linkshänder Julian Possehl (11/3) immer wieder hineinstieß.

Hinten stellte der ASV-Trainer auf eine 6:0-Formation um. Und weil die Dormagener über keinen Kreisläufer verfügen, der solche Lücken für den schmächtigen Rückraum schafft, liefen sie sich in der Gästedeckung fest. 30 Minuten hatten die Unparteiischen Linker/Schmidt nicht ein Mal den Arm gehoben, um "Zeitspiel" zu signalisieren. Gleich die ersten beiden Angriffe der Hausherren nach der Pause endeten so - als Bohrmann nach sechseinhalb Minuten eine Auszeit nahm, stand es bereits 14:12 für die Gäste.

Der Rest war ein bekanntes Muster: Bayer kämpfte verbissen - in dieser Hinsicht leistet die junge Truppe Vorbildliches. Doch weil sie für jedes eigene Tor wesentlich mehr Aufwand betreiben muss als der Gegner, gehen ihr irgendwann die Mittel aus. Immerhin hielt sie bis zum 23:23 (53.) die Partie offen. "Wenn wir noch einmal in Führung gegangen wären, hätten wir es schaffen können", meinte Bohrmann. Drei, vier Mal war die Gelegenheit da - doch jedes Mal scheiterte einer seiner Schützlinge amaus- und später wieder eingewechselten Mrkva.

Dass die Schlüsselszene ausgerechnet ein verworfener Siebenmeter des zuvor drei Mal von der Linie erfolgreichen Robin Doetsch war (53.), war schon bittere Ironie. "Wir haben die ganze Woche Schuss- und Siebenmetertraining gemacht", sagte Bohrmann einigermaßen ratlos, "wir sind so nah dran, aber dann klappt es doch nicht." Weil der ohnehin knappe Etat ausgereizt ist - "Schulden machen wir auf keinen Fall, dann steigen wir lieber mit null Punkten wieder ab", sagt Geschäftsführer Björn Barthel - kann von außen keine Abhilfe kommen. Was für den Trainer heißt: "Wir müssen weiterarbeiten."

(NGZ)