DHC Rheinland : Das letzte Derby

Morgen stehen sich der Dormagener HC Rheinland und die HSG Düsseldorf zum vorerst letzten rheinischen Handball-Duell gegenüber. Dass eine "Stallregie" über den Ausgang entscheidet, weisen alle Beteiligten von sich

Gestern trafen sich Richard Ratka und Frank Flatten zum gemeinsamen Mittagessen. Dass der Trainer des DHC Rheinland und der Manager der HSG Düsseldorf bei Currywurst mit hausgemachtem Ketchup, Bratkartoffeln und Salat die "Stallregie" für das rheinische Handballderby, das morgen Abend auf dem Plan steht, festgelegt hätten, weisen beide von sich.

"Das ist doch alles Quatsch", sagt Ratka, der selbst 235 Bundesligaspiele für Düsseldorf bestritt und dort bis Juni 2004 sechseinhalb Jahre auf der Trainerbank saß, "am Freitag geht es nur um das Sportliche." Flatten, seit zehneinhalb Jahren Manager der HSG, sieht es ähnlich: "Wenn ein Spieler auf dem Feld steht, will er gewinnen, alles andere interessiert dann nicht."

Fakt ist: Ein Düsseldorfer Sieg — es wäre erst der zweite im elften Aufeinandertreffen in Dormagen, der siebte überhaupt im 22. Duell — käme der neuen Spielgemeinschaft, die ab 1. Juli in Kraft treten soll, nicht gerade gelegen. Denn die benötigt eine Lizenz für die Zweite Liga. Und weil die HSG aufgrund des Insolvenzverfahrens gegen ihren Stammverein HSV Düsseldorf keine bekommen wird, hängt das Schicksal des "neuen" DHC Rheinland ganz davon ab, ob der "alte" den Ligaverbleib schafft.

Und da sieht es vor dem morgigen Derby aufgrund der Tatsache, dass den Dormagenern am Saisonende acht Pluspunkte abgezogen werden, nicht so gut aus: "Weil die Liga so ausgeglichen ist, wiegen die acht Punkte schwerer als wir gedacht haben", sagt Ratka und nennt ein Beispiel: "Wenn du Minden acht Punkte abziehst, sind die nicht mehr Tabellenführer, sondern Achter. Und wenn die solche Ausfälle hätten wie wir" — er muss noch mindestens einen Monat auf Bastien Arnaud, Ondrej Zrdrahala und David Breuer verzichten — "ständen die auch nicht da oben." Er ärgert sich, "dass die Ausfälle in der Beurteilung unserer Leistungen nie eine Rolle spielen. Seit Bastien fehlt" — der Kreisläufer zog sich am fünften Spieltag (1. Oktober) beim 27:24-Sieg in Emsdetten einen Kreuzbandriss zu — "sind wir doch überhaupt nicht mehr zur Ruhe gekommen." Mit dem Franzosen holte der DHC in den ersten fünf Meisterschaftsspielen genau so viele Punkte wie in den folgenden elf ohne ihn. Auch Flatten sieht die Ausfälle als entscheidende Schwächung: "Wenn Dormagen wieder komplett ist, werden sie noch genügend Punkte holen." Deshalb steht für ihn fest: "Die Frage nach Abstieg oder Ligaverbleib wird nicht im Spiel gegen uns entschieden."

Gleichwohl gibt Ratka zu: "Wir stehen unter Druck, das merkt man auch der Mannschaft an. Wenn es bei uns nicht richtig funktioniert, dann ist gleich eine Verunsicherung da." Die wird inzwischen auch nicht mehr durch die Atmosphäre in der Halle aufgefangen — nach sechs Heimpleiten sind die Fans deutlich reservierter geworden. "Wir müssen sie versöhnen und uns das Vertrauen zurück erobern", fordert Ratka. Dass die Aufgabe durch den überraschenden Sieg der verbliebenen Düsseldorfer Rumpftruppe über Bietigheim nicht einfacher geworden ist, weiß er auch: "Die werden jetzt mit anderem Selbstvertrauen auflaufen." Davon ist auch Flatten überzeugt: "Der Sieg hat den Jungs und dem Verein gut getan. Die wissen jetzt, dass sie in der Liga wettbewerbsfähig sind — und mit der Einstellung werden sie auch ins Derby gehen."

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(NGZ/rl)