1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen
  4. TSV Bayer Dormagen

DHC Rheinland: Das letzte Bundesliga-Spiel?

DHC Rheinland : Das letzte Bundesliga-Spiel?

Keiner weiß Genaues, auch Kai Wandschneider nicht. Der Trainer des DHC Rheinland geht davon aus, dass ihm heute Abend im Gastspiel bei den Füchsen Berlin noch einmal sein kompletter Kader zur Verfügung steht. Danach rechnet er mit einem halben Dutzend vorzeitiger Abgänge.

Kai Wandschneider ist ein akribischer Arbeiter. Selbst in der bislang schwersten Stunde seiner an Nacken- und Rückschlägen nicht gerade armen Trainerlaufbahn vergisst der 51-Jährige nicht den Blick auf die Statistik. Und deshalb weiß er, dass er heute Abend in der Berliner Max-Schmeling-Halle zum 347. Mal in einem Erst- oder Zweitliga-Spiel auf der Dormagener Trainerbank sitzen wird.

Was er nicht weiß: Ob die Partie bei den Füchsen Berlin, die um 20.15 Uhr von den Unparteiischen Holger Fleisch und Günter Rieber (Ostfildern/Nürtingen) angepfiffen wird, seine letzte in Diensten des DHC Rheinland sein wird. "Ich hoffe, dass der Insolvenzverwalter möglichst bald für Klarheit sorgen wird", sagt der Handball-Lehrer.

Er ist jedenfalls gewillt, so lange seinen Job zu machen, wie ihm genügend Spieler zur Verfügung stehen. Heute Abend wird das noch einmal der Fall sein. "Ich gehe davon aus, dass bis auf zwei alle mitfahren", sagt Wandschneider – die beiden sind der an der Leiste verletzte Bartosz Konitz und der nach seiner Operation noch nicht im Vollbesitz der Kräfte befindliche Max Holst. Alle anderen waren am Montagabend, gut sechs Stunden, nachdem sie von DHC-Geschäftsführer Heinz Lieven ihre Kündigung erhalten und über den Gang vors Insolvenzgericht unterrichtet worden waren, beim Training. "Und wir haben tatsächlich auch trainiert", sagt Wandschneider.

  • DHC Rheinland : DHC auf Abschiedstour
  • Reaktionen zum DHC-Aus
  • Fotos : Das sagen Dormagener zum DHC-Aus

Dass das nicht so bleiben wird, darüber ist sich der Trainer im Klaren. Nachdem die Nachricht von der Insolvenz die Runde gemacht hat in Handball-Deutschland, klopften gestern bereits etliche Kollegen telefonisch bei ihm an, um sich nach potenziellen Verstärkungen zu erkundigen. Wandschneider – "fast alle unserer Spieler haben das Potenzial, in der Ersten Liga unterzukommen" – geht davon aus, dass bis Ende der Wechselfrist am 15. Februar mindestens ein halbes Dutzend den DHC verlassen wird.

Am begehrtesten scheinen die Torhüter zu sein. Die TSG Friesenheim, einer von nur drei Klubs, die gegen den DHC verloren und die deshalb davon profitieren, wenn die Dormagener die Saison nicht zu Ende bringen und ihre bisherigen Spiele annulliert würden, ist ein ganz heißer Kandidat, schließlich fällt Stammtorhüter Kevin Klier wegen eines Fingerbruchs mehrere Wochen lang aus. Doch an Jens Vortmann haben auch noch andere Klubs Interesse.

Die TSV Hannover-Burgdorf will bei ihrer Suche nach Nachverpflichtungen "die Entwicklung beim vor der Insolvenz stehenden DHC Rheinland abwarten", schreibt die Hannoversche Allgemeine in ihrer gestrigen Ausgabe. Die TSV ist auf der Suche nach einem Rückraumspieler und einem Ersatz für den verletzten Kreisläufer und Abwehrchef Gustav Rydergard. Eigentlich ein Job für Oliver Tesch, doch der darf wohl ebenso wie die anderen Nachverpflichtungen Bartosz Konitz und Hannes Lindt nicht ein zweites Mal während einer Saison wechseln.

Kristian Nippes scheint vor einer Rückkehr zu Zweitliga-Spitzenreiter Bergischer HC zu stehen, auch an Sebastian Linder soll ein Zweitligist Interesse haben. So bleibt abzuwarten, wer am Sonntag im Heimspiel gegen MT Melsungen noch zur Verfügung steht. Es wäre Partie Nummer 348 für Kai Wandschneider und unter anderen Vorzeichen eine ganz entscheidende.

(NGZ)