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DHC Rheinland: Das Ende der Überlebenskünstler

DHC Rheinland : Das Ende der Überlebenskünstler

Mit dem Heimspiel am Samstag (19.30 Uhr) gegen die SG Bietigheim enden knapp drei Jahrzehnte Bundesliga-Handball in Dormagen. Kaum ein anderer Verein in Deutschland hat in dieser Zeit so oft um die sportliche oder wirtschaftliche Existenz bangen müssen wie TSV und DHC

Es gibt nicht wenige, die halten den 17. Mai 1997 für den schwärzesten Tag in der Dormagener Handballgeschichte. An diesem drückend heißen Samstagnachmittag, wenige Minuten vor der Halbzeitpause in der überfüllten Sporthalle Dutenhofen, verletzte sich Uli Derad am Rücken, so dass der damalige Linksaußen des TSV Bayer Dormagen den Rest des Relegationsspiels nur noch aus der Tür zur Umkleidekabine verfolgen konnte.

Foto: Jazyk, Hans

Nun wog der Ausfall des Ex-Nationalspielers nicht so schwer, als dass er die Dormagener daran gehindert hätte, die Partie bei der HSG Dutenhofen-Münchholzhausen 16:14 zu gewinnen und nach dem 20:16-Hinspielerfolg ein weiteres Jahr in der Ersten Liga zu bleiben. Doch mit dem Ende seiner handballerischen Karriere begann die Funktionärslaufbahn von Uli Derad — und wohin die den Dormagener Handball geführt hat, lässt sich am Samstagabend im TSV-Sportcenter besichtigen: Die Partie des DHC Rheinland gegen die SG Bietigheim, die die Unparteiischen Markus Kropp und Sebastian Siebert um 19.30 Uhr anpfeifen, ist die — vorerst — letzte einer Dormagener Mannschaft in der Bundesliga.

Freude und Frust lagen in der Dormagener Handballgeschichte eng beieinander: Auf dem großen Bild jubeln Bobby Schagen, Maciej Dmytruszynski und Fans in Emsdetten über den Ligaverbleib, auf dem kleinen trauern Szabolcz Laurencz und Kai Wandschneider dem Aufstieg nach. Worüber Uli Derad jubelt, ist unbekannt. Foto: Archiv

Sie markiert das Ende eines Klubs (genauer gesagt sind es mit TSV Bayer, TSV und DHC Rheinland deren drei), der wie kaum ein anderer in Handball-Deutschland von sportlichen und/oder finanziellen Existenznöten geplagt war. Seit der Spielzeit 1995/96, die die Dormagener unter Trainer Kristjan Arason auf Platz elf beendeten, steckten die Bayer-Handballer fortan in einem permanenten Abstiegskampf — oder versuchten, wieder in einen solchen aufzusteigen. Unrühmliche Höhepunkte sind der "freiwillige" Rückzug in die Regionalliga 2001, der Zwangsabstieg vor einem Jahr, beides aus wirtschaftlichen Gründen, und nun die endgültige Pleite. "Meine Zeit in Dormagen war stets ein Tanz auf der finanziellen Rasierklinge", sagt Kai Wandschneider, der von Februar 2001 bis Juni 2011 die sportliche Verantwortung trug und beide Zwangsabstiege miterleben musste.

Dormagen wird dabei als Relegations-Rekordler in die Handballgeschichte eingehen: Sechs Mal, so oft wie kein anderer, mussten sie in Entscheidungsspielen um Verbleib oder Aufstieg in die Erste Liga ihr Glück suchen. Vier Mal zogen sie den Kürzeren: 1985/86 scheiterten sie am TuS Schutterwald (26:25/21:22) am Aufstieg, 2006 am Wilhelmshavener HV (22:32, 34:24), beide Male, weil der Gegner bei Torgleichheit mehr Auswärtstreffer erzielt hatte. 2007 beendete der TuS N-Lübbecke (28:30, 26:27) die Aufstiegsträume. Und 1998 schickte der TuS Schutterwald den TSV mit 24:21 und 19:25 in die Zweite Liga. Erfolgreich waren die Dormagener in der Relegation nur zwei Mal: 2010, damals unter Wandschneider, mit 27:23 und 26:29 gegen den TV Emsdetten. Und eben an jenem 17. Mai 1997 in der brütend heißen Dutenhofener Sporthalle.

Der damalige Gegner heißt nun HSG Wetzlar und wird von Kai Wandschneider trainiert. Uli Derad ist jetzt Geschäftsführer des Landessportbundes Baden-Württemberg — und der Dormagener Handball nur noch drittklassig.