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DHC Rheinland: Das Derby der Enttäuschten

DHC Rheinland : Das Derby der Enttäuschten

Zum vorerst und wahrscheinlich überhaupt letzten Mal kommt es heute Abend – Anwurf 19.45 Uhr – in der Zweiten Handball-Bundesliga zum Aufeinandertreffen zweier Teams aus dem Rhein-Kreis. Das Duell DHC Rheinland gegen TV Korschenbroich ist auch ein Duell der Enttäuschten

Zum vorerst und wahrscheinlich überhaupt letzten Mal kommt es heute Abend — Anwurf 19.45 Uhr — in der Zweiten Handball-Bundesliga zum Aufeinandertreffen zweier Teams aus dem Rhein-Kreis. Das Duell DHC Rheinland gegen TV Korschenbroich ist auch ein Duell der Enttäuschten

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Vor dem Hinspiel im Dezember trafen sich die Verantwortlichen beider Klubs im noblen Ambiente des "fire&ice-Hotels" an der Neusser Skihalle. Vor dem vorerst letzten Kreisduell der Zweiten Handball-Bundesliga heute Abend wäre eine Pommesbude der angemessenere Treffpunkt gewesen.

Foto: Woitschützke, Andreas

Der insolvente DHC Rheinland, der nur dank des Gehaltsverzichts eines Großteils seiner Spieler heute überhaupt noch aufläuft, gegen den TV Korschenbroich, der ebenfalls als Zwangsabsteiger aus dem Bundesliga-Unterhaus feststeht, weil er aus wirtschaftlichen Erwägungen auf einen Lizenzantrag verzichtet hat — drastischer lässt sich der Niedergang einer Sportart nicht beschreiben als mit diesem Derby der Enttäuschten, das um 19.45 Uhr im Dormagener Sportcenter am Höhenberg angepfiffen wird.

"Wenn ich an das Hinspiel denke, kommt mir vor allem die unfassbare Euphorie wieder in den Sinn, die hier damals herrschte. Davon ist jetzt nur noch sehr wenig zu spüren", sagt TVK-Trainer Christian Voß. Dessen Schützlinge anders als im Hinspiel heute Abend als Favorit anzusehen sind.

"Im Moment spielen sie den besseren Handball, vor allem dank ihrer Geschlossenheit", urteilt sein Dormagener Kollege Richard Ratka über die Korschenbroicher, "bei uns ist dagegen jeder erst mal mit sich selbst beschäftigt." Für ihn kein Wunder: "Beim TVK gibt es ja noch eine Zukunft, bei uns ist nichts mehr da außer ein paar treuen Fans." Die er heute ungern enttäuschen möchte: "Wir haben diese Woche im Training noch mal angezogen, haben versucht, System 'reinzukriegen." Seine Hoffnung: "Wir waren doch alle wochenlang mit anderen Dingen beschäftigt. Nachdem klar ist, dass wir auf unser Geld verzichten und dafür die Saison zu Ende spielen dürfen, versuchen wir, uns jetzt nur noch auf das Sportliche zu konzentrieren."

Was gegen Tabellenführer GWD Minden gelang, könnte vielleicht auch heute klappen: "Das Spiel gewinnt, wer die größeren Emotionen abruft", sagt Ratka, "wir können das leisten, aber ob wir das heute auch tun, vermag ich nicht vorherzusagen." Auch Christian Voß ist überzeugt, dass nicht allein das handballerische Vermögen ausschlaggebend sein wird: "Was das angeht, sind die Dormagener uns immer noch überlegen. Aber Derbys haben immer ihren eigenen Charakter. Unsere Stärke ist die mannschaftliche Geschlossenheit, der absolute Wille und die Bereitschaft, alles zu geben — wenn wir das heute Abend abrufen, können wir auch in Dormagen bestehen." Bei diesem Unterfangen muss er neben den Langzeitverletzten Florian Korte und Robin Doetsch auf Christoph Piske (Rückenbeschwerden) verzichten.

Ratka steht der gleiche Kader wie bei der desolaten Vorstellung in Saarlouis zur Verfügung, im Tor wird Max-Henri Herrmann beginnen, der gerade beim HSV Hamburg einen Drei-Jahresvertrag unterschrieben hat. Bei den meisten anderen Beteiligten herrscht dagegen noch Ungewissheit über ihre Zukunft — sie führt wohl eher zur Pommesbude als ins Nobelhotel.

(NGZ/rl)