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DHC Rheinland: "Brauchen Zeit, die wir nicht haben"

DHC Rheinland : "Brauchen Zeit, die wir nicht haben"

Heinz Lieven, Geschäftsführer und Gesellschafter des Dormagener HC Rheinland, über die sportliche und wirtschaftliche Situation des Handball-Bundesligisten und die Gründe, warum er nach wie vor an den Ligaverbleib glaubt.

Die Uhr zeigt fünf vor zwölf für Handball-Bundesligist DHC Rheinland – und das gleich in zweifacher Hinsicht. Sportlich muss der Tabellenletzte in den verbleibenden 15 Saisonspielen mindestens drei Punkte gegenüber der Konkurrenz aufholen, um auf dem Umweg über die Relegation oder direkt den Verbleib in der "stärksten Liga der Welt" zu schaffen. Wirtschaftlich müssen bis zum 1. März die Unterlagen für die Erteilung einer neuen Lizenz (für Erste oder Zweite Liga) bei der Geschäftsstelle der Handball-Bundesliga (HBL) eingegangen sein. Außerdem ist nach dem Ausfall des insolventen Hauptsponsors HRC die Finanzierung der laufenden Spielzeit noch nicht zu einhundert Prozent gesichert.

Herr Lieven, es gibt derzeit wohl einfachere Jobs als Geschäftsführer des Dormagener HC Rheinland zu sein?

Heinz Lieven Das ist ohne Zweifel richtig. Wir kämpfen derzeit an allen Fronten, um sportlich den Ligaverbleib und wirtschaftlich das Überleben zu sichern. Aber ich habe meinen Optimismus noch nicht verloren, dass uns beides gelingt.

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Worauf gründen Sie diesen Optimismus?

Lieven Wenn ich den nicht hätte, hätten wir keine zwei neuen Spieler verpflichtet. Womit wir direkt bei der sportlichen Seite wären: Ich bin überzeugt, beide helfen uns weiter, denn sie besitzen genau die Routine, die dem überwiegenden Teil der Mannschaft fehlt. Woran wir doch zuletzt in den Spielen gegen die direkten Konkurrenten gescheitert sind, war ja, dass wir keinen hatten, der in der Schlussphase die Verantwortung übernommen hat. Mein Eindruck, den ich in den Gesprächen sowohl mit Bartosz Konitz als auch mit Oliver Tesch hatte, ist der, dass sie genau diese Lücke im Mannschaftsgefüge schließen werden. Und drei Punkte Rückstand bedeuten zwar eine schwierige, aber keinesfalls eine aussichtslose Ausgangsposition.

Schwieriger dürfte die wirtschaftliche Seite sein?

Lieven Auch da gebe ich Ihnen Recht. Was die Unterstützung der Wirtschaft, besonders der heimischen, anbetrifft, hatten wir uns mehr erhofft, das gilt insbesondere für die in Dormagen ansässigen Unternehmen. Das gilt nicht, und das betone ich ausdrücklich, für Inhaber-geführte kleine und mittlere Unternehmen, Selbstständige oder Einzelhandel – da haben wir viel Boden gut gemacht gegenüber unserem Vorgängerverein. Aber davon allein lässt sich keine Bundesliga-Mannschaft, wahrscheinlich nicht mal eine für die Zweite Liga, finanzieren. Deshalb brauchen wir neben unseren treuen Partnern, an der Spitze Rewe und Credit Life, weitere Sponsoren in einer solchen Größenordnung. Wobei ich die Zurückhaltung auch nicht verstehen kann, denn wir haben doch ein überaus attraktives Produkt zu bieten: Kein Sportverein in der gesamten Region von Köln bis Krefeld, von den vier Fußball- und drei Eishockey-Bundesligisten mal abgesehen, hat solche Zuschauerzahlen zu bieten wie wir.

Wie hart trifft Sie der Ausfall von HRC?

Lieven Sehr hart. Neben den zugesagten Geldern sollten dort ja auch im Rahmen der "dualen Karriere" zwei Arbeitsplätze für Handballer geschaffen werden. Das fällt nun alles weg. Was die finanzielle Seite angeht, das haben wir durch einen Sponsor, der nicht genannt werden möchte, wenigstens zur Hälfte ausgleichen können.

Ist damit der laufende Spielbetrieb gesichert?

Lieven Noch nicht zu 100 Prozent. Zumal auch nicht alle Sponsoren immer pünktlich zahlen, aber das ist offenbar nicht nur bei uns so.

Was gedenken Sie dagegen zu tun?

Lieven Wir haben in dieser Woche 250 Briefe an Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss verschickt, in denen wir um Unterstützung bitten. Das sind keine Bettelbriefe, die Unternehmen sollen für ihre Leistung von uns auch werbemäßig etwas zurückbekommen. Ganz besonders hat mich gefreut, dass uns Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und sein Stellvertreter Jürgen Steinmetz bei dieser Aktion unterstützen, nicht nur, dass sie uns die Adressen zur Verfügung gestellt haben – sie haben den Brief auch mit unterzeichnet. Von der Stadt Dormagen haben wir leider keine solche Unterstützung erhalten.

Was ist aus Ihren Japan-Plänen geworden?

Lieven Die verfolgen wir weiter, zur Zeit intensiver denn je. Wir haben in dieser Woche 100 Briefe speziell an japanische Unternehmen in der Region verschickt. Hier wie eigentlich für die gesamte Entwicklung des DHC Rheinland gilt: Wir brauchen Zeit – aber die haben wir nicht. Sie dürfen nicht vergessen, dass unser Unternehmen gerade mal ein Jahr alt ist. Und eins ist auch klar: Vor allem für die Gespräche mit den Japanern ist der letzte Tabellenplatz, den wir momentan bekleiden, nicht unbedingt hilfreich. Die fördern nämlich nur Erstklassiges – deshalb müssen wir so schnell wie möglich von diesem Platz weg.

Was passiert, wenn der DHC die drei Punkte Rückstand nicht wettmacht und absteigt? Geht es dann in der Zweiten Liga weiter oder bedeutet das das Ende des Spitzenhandballs in Dormagen?

Lieven Diese Frage kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig beantworten. Das hängt alles von den Sponsoren ab. Mein Bestreben ist, im Falle eines Abstiegs in der 2. Liga mit einer schlagkräftigen Truppe weiter zu machen. Ob uns das gelingt, weiß ich noch nicht. Besser wäre, wir bleiben in der Ersten Liga.

Volker Koch führte das Gespräch.

(NGZ)