DHC Rheinland: Betretene Mienen im neuen Vip-Zelt

DHC Rheinland : Betretene Mienen im neuen Vip-Zelt

Die Anfangseuphorie ist nach der dritten Niederlage in Folge verflogen bei den Handballern des DHC Rheinland: Die Mannschaft ist verunsichert, die Fans bleiben weg oder machen ihrem Unmut mit Pfiffen Luft und auch Trainer Richard Ratka weiß nicht so recht, wie er gegensteuern soll

Die Mienen waren düster im neuen Vip-Zelt, das der DHC Rheinland am Freitagabend erstmals auf der Außenterrasse des Sportcenters aufgebaut hatte. Kein Wunder, denn die vermeintliche "Mini-Krise" des Handball-Zweitligisten entpuppt sich angesichts der 21:30-Schlappe gegen den 1. VfL Potsdam als veritables Leistungsloch, das den Erstliga-Absteiger nach der dritten Niederlage in Folge plötzlich in sportliche Existenzängste geraten lässt. Und ausgerechnet jetzt müssen die Dormagener am Sonntag beim Aufstiegsfavoriten GWD Minden antreten.

Vielleicht ist das aber auch besser so. Denn das Sportcenter am Höhenberg hat längst seinen Ruf als uneinnehmbare Festung verloren. Seit der Inbetriebnahme vor neun Jahren haben die Dormagener dort insgesamt nur acht Zweitliga-Spiele verloren — davon drei in den vergangenen sechs Wochen! Die letzte Heimniederlage vor Saisonbeginn datierte vom 29. März 2005 (30:32 gegen TSG Oßweil).

Schlimmer noch: Gegen eher biedere Potsdamer liefen die Dormagener sogar Gefahr, die höchste Heimniederlage ihrer Zweitliga-Geschichte zu kassieren — beim 21:30 schrammten sie nur um einen Treffer Differenz daran vorbei. So bleibt das 29:39 gegen Oßweil vom 6. September 2003, dem ersten Zweitliga-Spiel überhaupt im Sportcenter, die Negativ-Höchstmarke.

Noch. Denn in der Verfassung von Freitagabend scheint der DHC Rheinland gegen weitere Debakel dieser Größenordnung nicht gefeit. "Dafür, wie wir in der Schlussphase aufgetreten sind, kann ich mich nur entschuldigen", redete Trainer Richard Ratka nicht lange um den heißen Brei herum, "so darf man sich nicht präsentieren."

In der Tat: Hatten die Dormagener bei den voraufgegangenen Schlappen gegen Essen (20:23) und Nordhorn (23:24) wenigstens noch um jeden Zentimeter Hallenboden gekämpft, ergaben sie sich gegen Potsdam widerstandslos. Die Fans — 1382 Zuschauer bedeuteten ohnehin Minusrekord in dieser Saison — quittierten das mit einem gellenden Pfeifkonzert. Von der Anfangseuphorie nach fünf Auftaktsiegen in Folge ist wenig übrig geblieben.

Auch Ratka wirkt zunehmend ratlos: "Wir haben gut angefangen und hatten Potsdam deckungsmäßig im Griff", meinte der Trainer mit Blick auf die 4:1 (7.) und 6:3-Führung (9.) seiner Schützlinge. Doch dann setzte die Abwärtsspirale ein: "Vorne haben wir nicht mehr getroffen. Danach war dann auch die Deckung verunsichert", analysierte Ratka. Ganz am Schluss griff dieser Virus dann auch noch auf Torhüter Jendrik Meyer über — so hatte Potsdam leichtes Spiel, den Vorsprung kontinuierlich auszubauen.

Für den Trainer die Folge einer allzu flachen Hierarchie in seinem Team: "Wir haben keinen Führungsspieler, keinen, der die Richtung angibt." Und keinen, der im Rückraum abräumt. Bartosz Konitz machte Fehler um Fehler, blieb aber trotzdem 50 Minuten auf der Platte. Für Ratka Teil eines Erziehungsprozesses: " Bisher ist er nach Fehlern immer ausgewechselt worden. Doch er muss lernen, Verantwortung zu tragen." Was zweifelsohne nicht allein für Konitz gilt.

(NGZ)