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DHC Rheinland: "Beim Spiel hatten wir eine Stunde den Kopf frei"

DHC Rheinland : "Beim Spiel hatten wir eine Stunde den Kopf frei"

Zwei Stunden vor dem Anpfiff der Partie bei FrischAuf Göppingen erfuhren die Handballer des DHC Rheinland, dass auch das HBL-Präsidiums den Dormagenern die Lizenz für die Zweite Liga verweigert. Trotzdem boten sie bei der 29:35-Niederlage eine kampfstarke und engagierte Leistung.

Jan-Olaf Immel, dem Rest der Mannschaft von seinem Wohnort Wiesbaden zum Gastspiel in der Göppinger EWS-Arena nachgereist, brachte die schlechte Nachricht mit: "Als wir ankamen, saß er wie ein Häufchen Elend in der Kabine", wusste Trainer Kai Wandschneider zu berichten.

Die Nachricht, dass nämlich das Präsidium der Handball-Bundesliga (HBL) die Dormagener Beschwerde gegen die Nicht-Erteilung der Lizenz für die Zweite Liga abgewiesen hatte (die NGZ berichtete), machte schnell die Runde im Kader des DHC Rheinland. "Bis zum Aufwärmen gab es nur ein Gesprächsthema", sagt der Trainer.

Um so erstaunlicher, dass der schon feststehende Absteiger dem Tabellenfünften einen überaus engagierten Kampf lieferte und die Niederlage mit 29:35 (Halbzeit 14:19) in Grenzen hielt. "Das war Klasse, was die Jungs da mal wieder gezeigt haben", lobte der Trainer die Vorstellung seiner Schützlinge. Und auch wenn Fabian Böhm (acht Tore) und Hannes Lindt (7), die beiden Rückraumspieler auf den Halbpositionen, aus dem Gefüge herausragten, was die Anzahl der Treffer angeht, bescheinigte Wandschneider den Seinen eine "geschlossene Mannschaftsleistung."

Die allein deshalb so erstaunlich war, als der DHC in den jüngsten Auswärtspartien (25:38 in Flensburg, 14:28 in Hamburg, 26:34 in Gummersbach, 18:34 in Lemgo) nie an die starken Auftritte vor heimischem Publikum hatte anknüpfen können. In Göppingen war das anders: "Wenn 4000 Zuschauer gegen uns brüllen und mein Kollege Petkovic wild fuchtelnd an der Seitenlinie herumrennt, können wir so viel nicht falsch gemacht haben", sagt Wandschneider mit einem Anflug von Genugtuung in der Stimme. Wobei mit einer besseren Torhüterleistung, als sie der in Uni-Prüfungen steckende Jens Vortmann und Daniel Schlingmann boten, sogar noch eine knappere Niederlage möglich gewesen wäre. Nur mal zum Vergleich: Drei Tage zuvor hatte Göppingen sich im Halbfinale des EHF-Europapokals mit 32:23 gegen Club Balonmano Ciudad de Logrono, im Moment Tabellenneunter der spanischen Liga, durchgesetzt — was mal wieder zeigt, dass es leichter scheint, ein Europapokalfinale zu erreichen als den Klassenverbleib in der Bundesliga.

Angesichts der schlechten Nachrichten aus der HBL hatte Wandschneider eigentlich anderes erwartet: "Uns ist es gelungen, für eine Stunde den Kopf frei zu bekommen", meint der Trainer. Und bezieht das auch auf all das, was das seit der Vorwoche laufende Insolvenzplanverfahren an Bürokratie mit sich bringt: "Wir sind doch mehr damit beschäftigt, irgendwelche Papiere auszufüllen als Handball zu spielen oder zu trainieren."

Da kommt es nicht ungelegen, dass das nächste Punktspiel gegen die HSG Ahlen-Hamm erst am 13. Maiauf dem Plan steht. Das Ziel ist klar gesteckt: "Wir haben uns vorgenommen, den drittletzten Tabellenplatz zuhalten", gibt Wandschneider als Marschroute aus.

(NGZ)