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DHC Rheinland: Auf Ratka wartet noch viel Arbeit

DHC Rheinland : Auf Ratka wartet noch viel Arbeit

Zweieinhalb Wochen vor dem ersten Pflichtspiel zeigte Handball-Zweitligist DHC Rheinland im Test gegen den französischen Pokalsieger Dunkerque HB zwar schon gute Ansätze, doch noch fehlt es am Spielverständnis und an der Abstimmung in der Abwehr des neuformierten Kaders

Es begann, wie es vor zweieinhalb Monaten geendet hatte: mit stehenden Ovationen der Fans. Waren es am 27. Mai 2487 Zuschauer, die den DHC Rheinland nach seinem vorerst letzten Erstliga-Spiel im TSV-Sportcenter mit langanhaltendem Beifall verabschiedet hatten, taten es ihnen am Mittwochabend nur 450 gleich.

Doch ihren Beifall hatten sich die Dormagener nach der 26:30-Niederlage im Testspiel gegen den französischen Pokalsieger Dunkerque HB nicht weniger verdient als beim 32:27-Sieg über den SC Magdeburg. Dabei standen am Mittwoch ganze fünf Spieler aus der damaligen Truppe noch auf der Platte: Tobias Plaz, Michiel Lochtenbergh, Bartosz Konitz, Michael Wittig und Daniel Schlingmann.

Der Rest ist neu, kommt aus der eigenen Jugend (Dennis Szczesny, Johannes Clausing, Daniel Mestrum), der Ersten (Jendrik Meyer) oder Zweiten Liga (David Breuer, Florian von Gruchalla) oder dem Ausland (Ondrej Zdrahala, Björgvin Holmgeirsson). Doch er besitzt, so zumindest der erste Eindruck, das Zeug, sich genauso in die Herzen der Fans zu spielen wie es die Holst, Mahé und Co. in der vergangenen Saison bis zum Zwangsabstieg aus der Beletage taten.

"Das müssen wir auch", ist Richard Ratka überzeugt. "Ohne die Unterstützung des Publikums im Rücken haben wir im Überlebenskampf keine Chance", meint der neue Mann auf der Trainerbank. Der 47-Jährige denkt dabei nicht allein an die acht Pluspunkte, die dem DHC laut Lizenzierungsrichtlinien der Handball-Bundesliga abgezogen werden. Er weiß auch, dass er aus den mittlerweile 14 Akteuren — seit heute ist in Person von Bastien Arnaud auch der letzte Zugang spielberechtigt — erst noch eine funktionierende Einheit formen muss.

"Es sind ja überhaupt noch keine Grundlagen da", sagt Ratka und meint damit das, was den Dormagener "David" im Vergleich mit den Goliaths der Handballzunft in den Vorjahren überhaupt überlebensfähig machte: das blinde Verstehen, die einstudierten Spielzüge, die berühmten "Auslösehandlungen", nach denen auf ein bestimmtes Stichwort Szenen wie im Film ablaufen. Zur Zeit weiß noch keiner so genau, wo der Nebenmann hinwill in bestimmten Situationen. "Und wenn die Spieler das System verlassen und frei spielen, steigt die Zahl der individuellen Fehler", sagt Ratka — Fehler, die auch die Franzosen am Mittwochabend gnadenlos bestraften.

Am wenigsten aufeinander eingestimmt präsentiert sich der Deckungsverbund, kein Wunder, sind doch aus dem der Vorsaison gerade mal Plaz und Lochtenbergh übrig geblieben. Sie sind auch die mit der größten (Lebens-)erfahrung, doch Außen sind in den seltensten Fällen zum Führungsspieler prädestiniert. Folglich fehlt noch die Hierarchie im Mannschaftsgefüge — doch einen überragenden Spieler, an dem sich der Rest automatisch orientiert, hatten die Dormagener schon seit Jahren nicht. Am ehesten scheint Ondrej Zdrahala diese Rolle übernehmen zu können — schließlich kann der "achte Mann" vieles, aber längst nicht alles richten in der Zweiten Handball-Bundesliga.

(NGZ)