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DHC Rheinland: "Am Trainer liegt es nicht"

DHC Rheinland : "Am Trainer liegt es nicht"

Der Mannschaftskapitän des Dormagener HC Rheinland Tobias Plaz zu den Gründen für die Serie von sieben sieglosen Spielen in Folge und die Abstiegsangst in den Köpfen des Handball-Zweitligisten

Die Serie hat Spuren hinterlassen, auch bei Tobias Plaz. Fröhlich und strahlend sind nicht gerade Attribute, die einem im Zusammenhang mit dem Mannschaftskapitän des DHC Rheinland spontan einfallen in diesen Tagen.

Dabei hätte der gerade 30 Jahre alt gewordene Rechtsaußen des Handball-Zweitligisten eigentlich Grund zur Freude, ist er doch seit Montag im Besitz seines Abschlusszeugnisses der Deutschen Sporthochschule Köln, das den Linkshänder als Diplom-Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Sportökonomie ausweist. Doch sieben Spiele ohne Sieg und — berücksichtigt man die acht Punkte, die dem DHC am Saisonende abgezogen werden — das Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz schlagen aufs Gemüt.

Vor der Partie beim Tabellendritten HC Erlangen (Samstag 20 Uhr, Karl-Heinz-Hiersemannhalle), "in der wir krasser Außenseiter sind" (Plaz) sprach die NGZ mit dem Mannschaftskapitän, zusammen mit Michiel Lochtenbergh dienstältester Dormagener Spieler (seit 2003) über die Gründe für die und mögliche Wege aus der Krise.

Herr Plaz, warum kann der DHC Rheinland nicht mehr gewinnen?

Tobias Plaz Dafür gibt es mehrere Gründe. Ich weiß, der erste hört sich wie eine Ausrede an, aber die Ausfälle von drei wichtigen Spielern, vor allem zweien aus dem Rückraum, haben uns schwer zu schaffen gemacht. Unser normales Angriffsspiel ist völlig auf den Kopf gestellt worden. In den letzten beiden Spielen war schon eine leichte Tendenz zur Besserung zu erkennen, zumindest phasenweise. Aber wir schaffen es nicht, über 60 Minuten auf ordentlichem Niveau zu spielen, weil wir zu viele einfache Fehler machen.

Woran liegt das? Haben Sie und Ihre Nebenleute plötzlich das Einmaleins des Handballspielens verlernt?

Plaz Wir machen Fehler, weil uns das Selbstvertrauen fehlt. Wir machen uns selber Druck, weil wir es besser machen wollen — und wenn es dann nicht richtig läuft, bricht irgendwie alles zusammen.

Wie lässt sich das abstellen?

Plaz Was wir dringend brauchen, ist ein Sieg. Ganz egal, gegen wen, ganz egal, wie er zustande kommt, ob erkämpft oder herausgespielt, ob glücklich oder verdient. Wenn wir erst mal ein Spiel gewinnen, kommt auch das Gefühl zurück, dass wir es können. Uns fehlt die Lockerheit aus den ersten Saisonspielen, wo keiner etwas von uns erwartet hat — da müssen wir wieder hin.

Zuletzt hatte man den Eindruck, als ob die Mannschaft nicht nur schlecht spielt, sondern auch nicht richtig kämpft.

Plaz Die Bereitschaft, zu kämpfen, kann uns keiner absprechen. Zumindest versucht jeder, zu kämpfen — doch vielleicht sieht man es bei dem einen oder anderen nicht so richtig. Und im Hinterkopf haben wir immer die Angst, dass es wieder nicht so läuft, und das lähmt.

Vermissen Sie da nicht die Unterstützung von den Zuschauerrängen?

Plaz Ich kann verstehen, wenn unsere Zuschauer nach den letzten Spielen verärgert waren und nicht mehr so euphorisch mitgehen, weil wir nicht die Leistung bringen, die wir selbst von uns erwarten. Aber Sie haben Recht, eine Mannschaft braucht die Unterstützung gerade dann, wenn es nicht läuft.

Ihr Trainer Richard Ratka meinte nach dem Unentschieden gegen Düsseldorf, dass vielleicht nicht alle Spieler begriffen hätten, worum es geht.

Plaz Spätestens nach diesem Spiel hat das jeder verstanden. Intern haben wir noch mal sehr deutlich angesprochen, worum es geht. Nämlich nicht nur, dass wir eventuell absteigen könnten, sondern dass dann auch alles auf dem Spiel steht, worum wir hier vor einem Jahr gekämpft haben. Das Problem ist, dass einige Spieler eine solche Situation überhaupt nicht kennen. Das gilt vor allem für unsere jungen Spieler, denn wer den Sprung in ein Bundesligateam schafft, der hat in der Jugend doch meistens alle Spiele gewonnen.

Sie selbst haben seit 2003 in Dormagen so ziemlich alles erlebt, was man als Handballer überhaupt erleben kann. Ist das jetzt die schwierigste Situation in all den Jahren?

Plaz Die schwierigste? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall ist es eine völlig andere Situation. In der Vergangenheit waren es meist wirtschaftliche Dinge, die die Existenz bedrohten — da konnten wir als Spieler nicht viel machen. Jetzt liegt das Schicksal des Dormagener Handballs in unserer Hand, das macht die Situation für uns so schwierig. In den vergangenen Jahren haben wir gesagt: Egal, was passiert, wir spielen unser Spiel. Das hat uns alle zusammengeschweißt. Nur von denen, die das erlebt haben, sind nicht mehr viele da — und die anderen kennen das bloß vom Hörensagen.

Was können Sie tun, um den berühmten "Schalter" umzulegen?

Plaz Im Moment können wir nicht viel ändern. Im Spiel fehlen uns durch die Verletzten die Möglichkeiten, groß etwas zu ändern.

Und im Training?

Plaz Wir trainieren sehr gut, daran hat sich überhaupt nichts geändert, kriegen das aber nicht im Spiel umgesetzt. Was wir im Moment nur tun können, ist unsere Fehler zu minimieren, vor allem im Abschluss, wo wir uns oft gute Chancen erspielen, sie aber nicht 'reinmachen. Wennes jedem gelingt, ein, zwei Fehler weniger zu machen, müsste das schon reichen, denn bis auf wenige Ausnahmen haben wir die Spiele ja alle knapp verloren, waren eigentlich immer dran.

Oder liegt es am Trainer? In Öffentlichkeit und einigen Medien wird jetzt eine Trainerdiskussion losgetreten.

Plaz Die Trainerfrage ist bei uns kein Thema. Richard Ratka versucht alles, auch, uns mit neuen Ansätzen zu pushen. Am Training oder am Trainer liegt es auf jeden Fall nicht, im Gegenteil: Wenn wir das auf die Platte kriegen würden, was wir im Training machen, dann hätten wir schon eine ganze Menge Spiele mehr gewonnen.

Volker Koch führte das Gespräch

(NGZ/rl)