DHC Rheinland: Abschied mit Trauer und Hoffnung

DHC Rheinland : Abschied mit Trauer und Hoffnung

Aus und vorbei – die 27:32-Niederlage gegen die SG Bietigheim war das unwiderruflich letzte Spiel des DHC Rheinland und das voraussichtlich letzte eines Dormagener Handballteams in der Bundesliga. Doch der beherzte Auftritt der Nachwuchs-Ersatzspieler weckt auch Hoffnungen

Was vor 29 Jahren in der Sporthalle im ostfriesischen Altjührden begann, fand am Samstagabend kurz vor 21 Uhr am Höhenberg ein eher unspektakuläres Ende: Nach fast drei Jahrzehnten in Erster und Zweiter Liga, unterbrochen nur durch ein einjähriges Intermezzo durch den vom damaligen Hauptsponsor 2001 verordneten Rückzug in die Regionalliga, verschwindet Dormagen von der Landkarte des deutschen Profi-Handballs.

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Ob für immer, vermag zur Zeit niemand zu sagen. "Wir unternehmen alle Anstrengungen, um in der Dritten Liga konkurrenzfähig zu sein", sagt Tobias Plaz. Der bisherige Mannschaftskapitän des DHC Rheinland soll nicht nur auf dem Parkett die neue Gallionsfigur desTeams werden, das ab dem 1. September als TSV Bayer Dormagen in der Dritten Liga aufläuft.

Mehr will und darf der 30 Jahre alte Linkshänder nicht verraten. Details will der Hauptverein am 13. Juni bekannt geben. Sicher scheint: Mit einem Etat um die 200 000 Euro wird der TSV zunächst einmal versuchen, sich in der neuen Umgebung zu konsolidieren. Das, meint auch Plaz, ist oberstes Gebot: "Wenn wir nicht mindestens Dritte Liga spielen, wird der Leistungshandball in Dormagen auf Dauer nicht überleben. Dann gehen auch Jugendarbeit und Internat den Bach 'runter." Um das zu verhindern, hat sich auch Alt-Bürgermeister Heinz Hilgers eingebracht. Für den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden des DHC Rheinland steht nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre fest: "Das Mäzenatentum ist gescheitert, darauf darf sich hier keiner mehr einlassen." Das Kapital sieht er vielmehr in der Jugend- und Basisarbeit: "Solche Spieler wie Simon Ernst müssen wir unbedingt halten."

Der 18-Jährige war bei der 27:32-Niederlage gegen die SG Bietigheim (Halbzeit 13:13) mit sieben Treffern bester Torschütze und gemeinsam mit dem zwei Jahre älteren Torhüter Matthias Jan Broy (14 Paraden) Garant dafür, dass die Verlegenheitstruppe, mit der der DHC notgedrungen zum letzten Saisonspiel auflief, die vor Arroganz strotzenden Gäste lange Zeit am Rande einer Blamage hatte. "Wenn die den Schwung in die neue Saison mitnehmen und Geduld haben, kann hier wieder etwas Vernünftiges entstehen", glaubt Michael Hegemann. Der Ex-Nationalspieler, erst im Januar der vermeintlich besseren Perspektiven wegen aus Düsseldorf nach Dormagen gewechselt, hätte gerne daran mitgewirkt. So bleibt dem 35-Jährigen nur die Erkenntnis, "dass ich in meiner Zeit hier wieder dazugelernt habe. Auf einige Erfahrungen hätte ich aber getrost verzichten können."

Auch auf die, beim endgültigen Abschied nur Zuschauer zu sein: "Wir hätten gerne gespielt", sagt Tobias Plaz, "aber nicht unter diesen Umständen." Zum Glück sorgten wenigstens seine künftigen Teamkollegen dafür, dass der Abschied von drei Jahrzehnten Bundesliga-Handball nicht in einem Debakel endete.

(NGZ)