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Gedenkfeier zum Volkstrauertag: Trauerarbeit als Chance für Frieden

Gedenkfeier zum Volkstrauertag : Trauerarbeit als Chance für Frieden

Trauern ist gesund. Es ist ein schwierige Aufgabe, kostet alle Kräfte, aber es lohnt sich. Pfarrer Heinz Tenhafen setzte in seiner Ansprache bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag bewusst den Schwerpunkt auf die Trauerarbeit - jedes Einzelnen, aber auch eines ganzen Volkes.

"Ein Volk muss trauen können, um Frieden zu finden", betonte er. "Wenn wir wirklich ein demokratisches, einiges, neues Volk in der Mitte Europas werden und sein wollen, muss die Trauer, auch die öffentliche Trauer sein." Die Volkstrauertage hätten in Deutschland eine widersprüchliche Geschichte, meinte der Pfarrer. Sie sei hin- und hergerissen zwischen Heldengedenken, Totenehrung und Friedenssehnsucht.

Dabei habe das Heldengedenken den Deutschen immer mehr gelegen als die Trauer. Denn die vergangenen beiden Jahrhunderte machten es nicht gerade leicht anzunehmen, was geschehen ist. Dabei sei genau das erfolgreiche Trauerarbeit: Annehmen, was geschehen ist. Das bedeute zu akzeptieren, dass sich Eltern oder Großeltern mitreißen ließen von einer Besessenheit, die Hass und Verachtung betrieb. "Wir sind nicht ihre Richter, aber stehen in der Verantwortung für unser Volk", so Tenhafen.

Gleichzeitig müssten die Menschen aufhören, Not und Leid der Flüchtlinge, den Verlust der Heimat, den Schmerz um die eigenen Väter und Söhne und die unzähligen Bombenopfer gegen das Leid aufzurechnen, das anderen beigebracht worden ist. "Das hilft nicht weiter, sondern schafft nur neuen Hass und neue Feindschaft", erklärte der Pfarrer. Trauer könne jedoch helfen, diese Gefühle zu überwinden.

"Die Trauer um Verlorenes und der Aufbruch zu neuem Lieben sind große Gefühle. Auf keines möchte ich verzichten", sagte Tenhafen. Bürgermeister Heinz Hilgers appellierte in einer kurzen Rede an jeden Einzelnen, zur Vernunft zu kommen. "Bei uns herrscht zwar kein Krieg, aber Hass und Intoleranz gibt es auch in Deutschland noch", sagte er. "Wenn wir hier friedlich mit dem Nachbarn, dem Kollegen und auch dem Fremden umgehen, ist schon viel erreicht." PeS

(NGZ)