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Trasse durch Dormagen: Rheinwasser-Transportleitung ist genehmigt

Trasse durch Dormagen : Rheinwasser-Leitung ist genehmigt

Quer durch Dormagen wird die unterirdische Röhre verlaufen, durch die der Tagebau-Restsee bei Frimmersdorf gefüllt wird. Für den frühestens 2025 beginnenden Bau wird ein Arbeitskorridor von 70 Metern Breite benötigt.

Was noch vor ein paar Jahren als ein Datum weit in der Zukunft klang, rückt immer näher: Ab 2030 soll mit Wasser aus dem Rhein der so genannte Restsee des Braunkohlentagebaus Garzweiler in Grevenbroich aufgefüllt werden. RWE Power plant die 24 Kilometer lange unterirdische Rheinwasser-Transportleitung von Dormagen über Rommerskirchen bis Grevenbroich-Frimmersdorf. Für den Bau wurde ein 70 Meter breiter Trassenkorridor festgelegt, innerhalb dessen die Leitung, die aus zwei Röhren mit einem Durchmesser von jeweils 1,40 Meter besteht, angelegt wird. Im Planungs- und Umweltausschuss wurden die Mitglieder und die Öffentlichkeit über die Genehmigung der Trasse für diese Rheinwasser-Transportleitung im Rahmen des Braunkohlenplans Garzweiler II informiert.

Sie gilt für die gesamte Trasse, einschließlich der Entnahmestelle und eines Pumpbauwerks am Rhein, bis zum RWE-Betriebsgelände bei Frimmersdorf. Dabei soll das Pumpwerk hinter dem Deich liegen, das Entnahmebauwerk am Rhein bei Rhein-Kilometer 712,6, südlich vom Haus Piwipp. Gebaut werden soll die Leitung frühestens ab 2025. In einem Bogen soll die Leitung dann um Rheinfeld geführt herum werden, so dass sie nördlich des Walhover- und des Bendecker Hofs zur Kreuzung der Hagelkreuzstraße mit der B 9 führt. Zwischen Goldberger Hof und Nievenheim wird sie nördlich von Strabi und Straberg zwischen Broich und Gohr bis nach Rommerskirchen – zwischen Widdeshoven und Evinghoven – weiterlaufen, bis sie auf Grevenbroicher Gebiet ankommt.

Die Umwelt- und Umweltverträglichkeitsprüfung ergab, dass die Transportleitung technisch machbar und umweltfachlich zulässig ist, so das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW. Dabei wurden auch mögliche Alternativen der Trassenführung und alternative Standorte von Entnahme- und Pumpbauwerk berücksichtigt. Erhebliche Beeinträchtigungen auf Schutzgüter werden als grundsätzlich vermeidbar, auf jeden Fall ausgleichbar bewertet. Unüberwindbare Hindernisse, auch unter den Aspekten des Gebiets- und Artenschutzes, werden nach derzeitigem Stand nicht erwartet. Dies gilt auch für das FFH-Gebiet „Knechtstedener Wald mit Chorbusch“, für die Verträglichkeitsuntersuchungen durchgeführt wurden. „Im Ergebnis werden die Erfordernisse des Umweltschutzes durch die Planung angemessen berücksichtigt“, so das Ministerium. An der schmalsten Stelle sollen die Leitungen den Knechtstedener Wald kreuzen. Weil das Wurzelwerk der Bäume dort recht tief geht, soll unter dem Wald hindurchgebohrt werden – in vier Metern Tiefe.

Die Pumpen am Rheinufer sollen in Abhängigkeit des Pegels gesteuert werden. Die jährliche Entnahme von 130 Millionen Kubikmetern Wasser aus dem Rhein soll auf den Fluss jedoch keine spürbaren Auswirkungen im Millimeterbereich haben. Zur Mitte des Jahrhunderts soll der See nutzbar sein. Bis das Gewässer vollständig gefüllt ist, vergehen allerdings 40 Jahre. Da ab 2030 weniger Versickerungswasser aus dem Tagebau anfällt, soll mit Rheinwasser das Schwalm-Nette-Gebiet feucht gehalten werden. Zudem soll nach Ende des Tagebaus der gewaltige Restsee gefüllt werden. Etwa vier Kubikmeter Wasser pro Sekunde sollen abgepumpt werden. „Das klingt viel, ist aber nur ein kleiner Teil des Wasserflusses im Rhein. Die Auswirkungen auf den Wasserstand sind sehr gering“, sagte Christian Müller von der Abteilung Gewässer bei RWE.

 In der jetzt im Juni erteilten Genehmigung ging es auch um die sozialen Belange der Betroffenen, vor allem der Landwirte. Dafür gab es eine „Rahmenregelung zum Ausgleich der Beeinträchtigung durch die Rheinwassertransportleitung“, die die Bezirksregierung Köln, die Lanwirtschaftskammer und der Rheinische Landwirtschaftsverband mit der RWE Power erarbeitet haben.

Die Trasse hat auch Auswirkungen auf die Stadtplanung: So soll wegen der Rheinwassertransportleitung im Norden des neuen Malerviertels die geplante Wohnbaufläche reduziert werden.