Dormagen: Tork-Show mit vielen Informationen und großem Unterhaltungswert

Dormagen : Tork-Show mit vielen Informationen und großem Unterhaltungswert

Im Rheinland muss sich alles gefallen lassen, idiomatisch angepasst zu werden. Talk-Show heißt hier eben Tork-Show, und die Begründung dafür lautet entwaffnend: Weil man es so ausspricht. In der "Kulle" war am Freitagabend wieder einmal eine fällig. Die hatte mit den inflationär gesendeten TV-Sendungen eigentlich nur das Podium gemeinsam.

Eingerahmt durch das Max Schmitz Jazz-Trio nahm der Abend seinen Verlauf. Leicht, flockig, oft mit einem Augenzwinkern und ohne immer die Lacher auf ihrer Seite haben zu wollen, moderierten Detlev Zenk und Wolfgang Link. Sie waren höflich zu ihren Gesprächspartnern, fragten klug, ließen ausreden, hakten nach, unterbrachen selten. Man ließ sich Zeit, weil ja keine Anschlusssendung drängelte. Der wahre Star des Abends aber war das Publikum. Das hörte aufmerksam zu, denn die Akteure und die Zusammenhänge waren den meisten bekannt. Die "Gäste auf dem Sofa" standen nämlich in einer irgendwie gearteten Beziehung zu ihrer Stadt.

Hans Scholten, Direktor des Raphaelhauses, machte den Anfang. Einst hieß es: "Wenn Du nicht brav bist, kommst Du ins Raphaelhaus." Heute ist dieses Jugendhilfezentrum kein Erziehungsheim mehr, das mit drakonischen Strafen droht. Stattdessen wird dort moderne, einfühlsame Pädagogik betrieben, "die den Jugendlichen hilft, das Abenteuer Leben zu bestehen" (Scholten). Die junge Lisa Schmitz, "Kuchenfee" aus Dormagen und Youtube-Star mit unzähligen Followern, hält in ihrer Backstube Kurse ab für Leute, die das Backen lernen wollen. Aus einem Karton zauberte sie Beispiele ihrer Konditorinnen-Künste, was Detlev Zenk spontan reagieren ließ: "Wenn Du Meisterin bist, sehen wir uns wieder." Er und sein Kollege mussten denn aber direkt "'ran" und zeigen, wie geschickt sie sich beim Muffin-Dekorieren anstellen. Die süßen Kunstwerke wurden später im Publikum verteilt.

Mario Müller war auf Elvis the Pelvis mit dem Künstlernamen Aron King gestylt. Seine Gesangseinlagen überzeugten, und seine bisherige Karriere mit eigener Show nötigt Respekt ab.

Auch Guido Hofmann, Stadtführer in Köln, hat sich mit "Köbes Colonius" eine unverwechselbare neue Identität gegeben. "Herzlich willkommen in der Hauptstadt der Herzen (längere Pause) Köln", so pflegt er seine Besuchergruppen zu begrüßen. Martin Maier-Bode, Kabarettist aus dem Düsseldorfer Kommödchen ("das innovativste Ensemble in Deutschland"), gewährte Einblicke in sein Schreiben. "Das bleibt ein Geheimnis", sagt er, "denn den wahren schöpferischen Teil kann ich nicht erklären." Dem Publikum stellten sich fünf Gäste, jeder sehr sympathisch und auf eine angenehme Art mitteilsam.

(NGZ)