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Dormagen: Toilettengeld hilft Kinderfest

Dormagen : Toilettengeld hilft Kinderfest

In der Innenstadt sind Gastwirte auf dringende Bedürfnisse auch von "Nicht-Gästen" eingestellt. In Zons wird im Lokal "Zur Rheinfähre" um WC-Besuch-Spenden gebeten – das gesammelte Geld wird in ein Kinderfest investiert.

In der Innenstadt sind Gastwirte auf dringende Bedürfnisse auch von "Nicht-Gästen" eingestellt. In Zons wird im Lokal "Zur Rheinfähre" um WC-Besuch-Spenden gebeten — das gesammelte Geld wird in ein Kinderfest investiert.

Zuerst hat Monika Schüfer nur gestaunt, dass viele Touristen nach dem Übersetzen mit der Zonser Fähre geradewegs an ihr vorbei in Richtung Toiletten stürmten. In ihrem Ausflugslokal "Zur Rheinfähre" befindet sich die WC-Anlage im Außenbereich. "Sie könnten ja vorher wenigstens fragen", erklärt die Inhaberin ihren Unmut. Schließlich wolle sie ja niemandem den Toilettenbesuch verweigern, allerdings habe sie sich über die "schlechte Erziehung" dieser zahlreichen WC-Schnorrer geärgert.

Und so hat sie ein Schild an den Toiletten angebracht, mit dem sie "Nicht-Gäste" um eine Spende bittet. "Viele haben Geld in ein Sparschwein gesteckt — nicht alle, aber ich will ja auch niemanden zwingen", sagt Schüfer. Nun sind 100 Euro zusammen gekommen, so dass das Team des Gasthauses am 16. August ab 15 Uhr bereits zum zweiten Mal ein Kinderfest mit dem "Pinkelgeld" anfinanzieren konnte: "Wir wollen Kindern etwas Gutes tun", sagt die Gaststätten-Betreiberin, die einen Gaukler engagiert hat, Traktorfahrten, Mal- und Luftballonwettbewerbe anbietet.

Die große Anzahl von Spaziergängern, die ein dringendes Bedürfnis in ein Café oder Restaurant zieht, ist nicht nur in Zons groß. Auch in der Innenstadt weichen viele Besucher auf Gastronomiebetriebe aus, obwohl im Neuen und Historischen Rathaus ebenso öffentliche Toiletten zur Verfügung stehen wie in der Rathaus-Galerie, der Stadtbibliothek und der Kulturhalle. In den meisten Gastronomiebetrieben am Rathausplatz und an der Kölner Straße muss für den Toilettenbesuch nichts gezahlt werden. Davon ist Frank Lemke, Vorsitzender der Wirtschaftsgemeinschaft Stadt Dormagen und Betreiber eines Cafés am Rathausplatz, überzeugt: "Bei uns darf jeder die Toilette benutzen, auch wenn er gerade kein Kunde bei uns ist, die meisten Kollegen sehen das ebenso." Denn das sei eine Investition in zukünftige Kundschaft.

Laut Gaststättenverordnung ist es auch gar nicht zulässig, in einem Gaststättenbetrieb die Toiletten durch Münzautomaten zu versperren oder nur gegen Entgelt zugänglich zu machen.

Die Aktion "Nette Toilette", für die Gastwirte ihre sanitären Anlagen der Öffentlichkeit anbieten und dafür mit einem Aufkleber werben sollten, liegt zurzeit auf Eis, wie Stadtmarketingleiter Guido Schenk erklärte: "Die Stadt hat dafür leider kein Geld." Bei Stadtfesten, wie gerade bei der Biermeile, habe die Zusammenarbeit mit den Gastronomen hervorragend geklappt, die ihre Toiletten für die Gäste bereitgestellt haben. "Durch das Entgegenkommen der Wirte besteht kein Notstand in der City", so Schenk.

(NGZ/ac)