Dormagen: Tierschätze der Spiritaner

Dormagen: Tierschätze der Spiritaner

Ab Freitag werden im Kreuzgang des Klosters Knechtsteden präparierte Lebewesen gezeigt.

Ehrfurchteinflößend sieht er aus, der riesige Schädel eines Kaffernbüffels. Doch auch der Kopf der Antilope, der Ameisenbär oder der junge Python sind beeindruckende Beispiele für die Wunder und Schönheiten der Natur. Zu sehen sind diese und zahlreiche andere Tierpräparate an einem Ort, wo man sie eigentlich nicht erwartet: in einem Flügel des Kreuzgangs im Kloster Knechtsteden. Dort wird am Freitag, 16. März, unter dem Titel "Knechtstedener Wunderkammer - Der Kreuzgang lebt" die ungewöhnliche Schau eröffnet, die sich aus Beständen des ehemaligen Missionsmuseums in Knechtsteden zusammensetzt.

Jenes Missionsmuseum war bis zu seiner Schließung im Jahr 1995 dort auf dem Klostergelände untergebracht, wo sich inzwischen die Augenoptikerakademie befindet. Die größtenteils rund 100 Jahre alten Tierpräparate landeten überwiegend in zwei Räumen über dem Klosterladen, wo sie fast ein Vierteljahrhundert in Vergessenheit geraten waren. Vor rund einem Jahr wurden sie von der Ethnologin Belinda Peters, die bei den Spiritanern für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, und von Pater Konrad Breidenbach wiederentdeckt. Und weil Peters und Breidenbach vom Provinzrat der Ordensgemeinschaft den Auftrag haben, sich um das kulturelle Vermächtnis und manches Andere, das in einem Zusammenhang mit den Spiritanern steht, zu kümmern, entschlossen sie sich, die Tierpräparate für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu war viel Reinigungsarbeit nötig - und die Mithilfe von Fachleuten vom Naturschutzbund und aus der Biologischen Station Knechtsteden. Sie halfen bei der Bestimmung der Tierarten.

"Wir haben aber bewusst darauf verzichtet, die Sammlung unter naturkundlichen Aspekten zu präsentieren. Damit wären wir überfordert gewesen", erklärt Belinda Peters. Den Besuchern werden die Stücke gezeigt wie den Betrachtern vor rund 100 Jahren - "wie in einer Wunderkammer", wie Peters sagt. Zur Eröffnung führt sie am Freitag ab 18 Uhr in der Historischen Bibliothek des Missionshauses Knechtsteden bei freiem Eintritt in das Thema ein - wobei sie sich besonders mit der Frage beschäftigt, warum die früheren Mönche und Missionare sich mit Tierpräparaten beschäftigten. Die Intentionen hätten sich im Laufe der Zeit verändert, verrät die Referentin vorab. Im Mittelalter habe der Schwerpunkt darauf gelegen, die Schönheit der Schöpfung zu zeigen. Später sei es wohl darum gegangen zu vermitteln, in welchen Ländern der Erde die Missionare arbeiteten. Auf jeden Fall dürften die Präparate in Zeiten ohne Fernsehen und Internet für viel Staunen gesorgt haben.

Kein Thema mehr ist es, die Sammlung nach der Ausstellung zu vernichten, wie das kurzzeitig in Erwägung gezogen worden war. "Fachleute haben uns dringend davon abgeraten, weil viele Stücke doch recht wertvoll sind", sagt Pater Breidenbach. Nun werde überlegt, wo Kaffernbüffel, Antilope, Ameisenbär und Co. nach der Schau am Besten aufgehoben sind.

(ssc)