Dormagen: Tiere helfen im Raphaelshaus

Dormagen : Tiere helfen im Raphaelshaus

Seit 15 Jahren wird im Jugendhilfezentrum Raphaelshaus Tierpädagogik erfolgreich angewandt. Jetzt möchte Direktor Hans Scholten ein Institut für Tierpädagogik installieren, um andere Fachkräfte weiterzubilden.

"Sancho" ist friedlich, freundlich und interessiert. Jeder, der dem Esel auf dem Gelände des Raphaelshauses begegnet, lächelt sofort. Daher unternimmt Hans Scholten, Direktor der Jugendhilfeeinrichtung, täglich einen Spaziergang mit "meinem Freund Sancho": "So fallen Barrieren, die einem Direktor sonst entgegen gebracht werden", erklärt Scholten den tierischen "Eisbrecher".

Doch im Raphaelshaus geht es nicht nur um direkte Kommunikation, sondern viel mehr um gezielten Einsatz von Tieren als heilpädagogische Katalysatoren: "Hunde, Pferde und Lamas gehen unbelastet auf die Kinder zu, die ihnen schnell Vertrauen entgegenbringen und sich von ihnen geschätzt fühlen", erläutert Pädagogin Marie-Theres Scholten, dass auch aggressive Kinder nach einer Stunde bei den Pferden ausgeglichen sind. Und weil die Tierpädagogik seit 15 Jahren im Raphaelshaus erfolgreich angewandt wird, möchte Direktor Hans Scholten dort ein Institut für Tierpädagogik installieren, an dem Erziehungshilfe-Fachkräfte weitergebildet werden. "Dieses Jahr starten wir mit einer Fortbildung, die wir weiter ausbauen", sagt er. Zurzeit läuft eine wissenschaftliche Forschung, die Erfolge nachprüfbar belegen soll. Das Institut für Kinder- und Jugendhilfe Mainz wird Zwischenergebnisse vor Mai präsentieren.

Regelmäßig werden Angebote mit Tieren in die Erziehungshilfe-Arbeit im Raphaelshaus eingebaut: Voltigieren, Reiten, Kennenlernen der Lamas und Kamele oder als Zirkusstunde, bei der Hunden Kunststücke beigebracht werden. Generell stärken diese Stunden das Selbstwertgefühl der Kinder, die sich verantwortungsvoll und zuverlässig um Tiere kümmern lernen. Die verschiedenen Charaktere der Tiere können die Pädagogen als Moderator für unterschiedliche Bedürfnisse der Kinder einsetzen, wie Marie-Theres Scholten erläutert: "Ein Lama ist ein empfindliches, zurückhaltendes Tier, das distanzlosen Kindern schnell seine Wünsche klar macht — so lernen sie, anderen nicht ihren Willen aufzuzwingen und Rücksicht auf andere zu nehmen." Da ein Lama aber auch "jeden Spaß mitmacht", kann man mit ihm zum Beispiel auch Treppen steigen. Anhand der Tiere können Regeln besser erklärt werden: "Das stört das Pferd" ist wirkungsvoller als ein Lautsein-Verbot.

"Es ist toll mitzuerleben, wie sich stark verkrümmte Kinder auf dem Pferderücken aufrichten", erklärt Hans Scholten: "Tiere ermöglichen einen Zugang zu Kindern, an die man als Pädagoge nicht mehr herankommt." So hat ein verstörter Junge, der gar nicht mehr sprach, auf einem Pferd sitzend wieder Worte gebildet.

(NGZ/url)
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