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Dormagen: Thiel zieht in Landtag ein – SPD stärkste Kraft im Kreis

Dormagen : Thiel zieht in Landtag ein – SPD stärkste Kraft im Kreis

Rainer Thiel sorgt für die große Überraschung: Der gelernte Starkstromelektriker und Landtagskandidat der SPD holt 39,7 Prozent der Stimmen im Wahlkreis 45, der Dormagen, Rommerskirchen und Grevenbroich umfasst. Der 60-Jährige Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion zieht damit zum ersten Mal in den Landtag ein. Amtsinhaber Wiljo Wimmer (CDU) kommt auf 37,4 Prozent. Nach nur 20 Monaten im Düsseldorfer Landtag muss der Jurist sein Büro wieder räumen.

Als Thiel in den Ratssaal kommt, wo die Stadt interessierte Bürger zur Wahlpräsentation eingeladen hat, sorgen die ersten Zahlen bei dem 60-Jährigen für Fassungslosigkeit: "Ich bin überwältigt", sagt er. "Ich fühle einfach nur Dankbarkeit." Weil der anfängliche Vorsprung von acht, neun Prozentpunkten im Laufe des Abends weiter schmilzt, löst sich die Anspannung erst spät bei Thiel: erst als seine Lebensgefährtin Ellen Schönen-Hütten auftaucht, die eine Flasche Champagner mit dabei hat ("Ursprünglich als Trost eingepackt"), und das Ergebnis sich verfestigt. "Ich bin sehr glücklich. Wir haben heute etwas zu feiern und sollten das Ergebnis genießen." Zu den Wahlergebnissen wollte Thiel gestern Abend nicht viel sagen: "Ich möchte jetzt in der Stimmung des Sieges gar keine politischen Analysen machen, die bekommen wir heute noch genug zu hören. Bei aller Freude spüre ich die Verantwortung, und zu ihr werde ich im Landtag stehen."

Vor zwei Jahren hatte sich Wiljo Wimmer mit einem klaren Vorsprung das Landtagsmandat gesichert. Er hatte über neun Prozentpunkte Vorsprung vor seinem damaligen SPD-Konkurrenten Edmund Feuster. Sowohl in Dormagen als auch in Grevenbroich lag Wimmer vorn. Er konnte auch ein besseres Ergebnis erzielen als die CDU auf Landesebene. Gestern ist der SPD-Herausforderer mit 39,6 Prozent sogar in Dormagen knapp besser als Wimmer (38,8 Prozent). Der erzielt immerhin für sich persönlich ein deutlich besseres Resultat als die CDU bei den Zweitstimmen in Dormagen (29,4) und auch im Land (26,3).

Ein schwacher Trost, denn Jurist Wimmer wirkt stark getroffen, er hat mit diesem Ergebnis nicht gerechnet. In der Stunde der bitteren Niederlage zeigt der 51-Jährige Größe: Er gratuliert Thiel lange bevor das Endergebnis feststeht, lässt sich bereitwillig mit seinem Nachfolger fotografieren. Dann spricht er von einem "desaströsen Ergebnis" der NRW-CDU. Für sich selbst ordnet Wimmer das Ergebnis so ein: "Wenn man sieht, dass selbst so eine CDU-Hochburg wie Neuss wackelt, dann ist mein Ergebnis noch achtbar. Ich habe gekämpft und war präsent — ich weiß nicht, was ich mir vorwerfen kann." Er übt auch Kritik: "Leider hat Norbert Röttgen keine verbindliche Position vertreten." Weiter: "Ob er der richtige oder falsche Kandidat war — ich lebe nicht im Konjunktiv. Und wir haben ihn schließlich vor zwei Jahren gewählt." Von einer notwendigen "Nabelschau" spricht CDU-Stadtverbandschef André Heryschek. "Wir müssen genau analysieren, was zu diesem Ergebnis geführt hat. An Wiljo Wimmer hat es am wenigstern gelegen." Heryscheks Vorgänger, Norbert Dahmen, gibt schon mal einen Hinweis: "Wir müssen unser Profil als die Partei der Bürger wieder stärker schärfen, zum Beispiel durch Ortsteilforen."

Moralische Hilfe kommt von Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann (CDU), der sich in die Seelenlage Wimmers hinein versetzen kann: "Ich bin 1985 von der Landespolitik so ähnlich abgestraft worden und habe damals gegen Heinz Hilgers verloren." Für Hoffmann ist gestern Abend eines ganz klar: "Kraft hat gegen Röttgen gewonnen und nicht Wimmer gegen Thiel verloren. An Wiljo Wimmers Arbeit gibt es nichts auszusetzen. Das gute Erststimmen-Ergebnis im klaren Unterschied zu den Zweitstimmen der CDU in Dormagen zeigt die Würdigung seiner Arbeit." Auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Landtagsabgeordneten Thiel und dessen Themenschwerpunkt Beschäftigung und Gewerbeansiedlung freut sich Hoffmann: "Damit rennt er bei mir offene Türen ein."

(NGZ/url)