1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Themenabend "Demokratie" in der Nordhalle des Kulturzentrums in Zons

Kreisheimatbund und Archiv im Rhein-Kreis : Demokratieverständnis im Wandel

Ein Themenabend im Kulturzentrum Zons beleuchtete verschiedene Epochen.

Welch ein passenderes Datum gibt es, als gerade zum 9. November die Demokratie zur Diskussion zu stellen? In einer gemeinsamen Veranstaltung des Kreisheimatbundes Neuss und des Archivs im Rhein-Kreis geschah genau das in der gut besuchten Nordhalle des Kulturzentrums in Zons. Von wegen achselzuckende Geschichtsvergessenheit der Deutschen! Als die Referenten die verflossenen 100 Jahre Revue passieren ließen, wurde auf der Stelle deutlich, wie sehr vor allem die Staatsverfassung und die Befindlichkeit jedes einzelnen Bürgers im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Beate Pricking, Präsidentin des Kreisheimatbundes, startete die Zeitreise mit einem Blick auf das Demokratieverständnis damals und heute und schloss daran nahtlos die hochaktuelle Frage an: „Welchen Herausforderungen muss sich die Demokratie heute stellen?“ Peter Ströher vom Archiv gab eine erste Antwort, indem er auf die sprachliche Verrohung im öffentlichen Leben hinwies. 100, 70 und 30 Jahre zurück waren im Folgenden die Fixpunkte der Vorträge. Sven Woelke, Stadtarchiv Kaarst, Kordula Kühlem, Konrad-Adenauer-Stiftung, und Stephen Schröder, Archivleiter, nahmen sich die Zeit von 1919 bis 1946 vor.

Start und Ende der Weimarer Republik, die Verkündung des Grundgesetzes der Bundesrepublik und der Mauerfall wurden eingehend erörtert und zum Teil sogar auf die politische Situation rund um Neuss bezogen. Sven Woelke: „Anfangs war Wahlkampf ein unbekanntes Phänomen.“ Noch wirkten die Strukturen und das Obrigkeitsdenken des Kaiserreichs nach und fuhren bürgerliche Parteien Rekordergebnisse ein. Doch immerhin bestimmten in der idealistisch verfassten jungen Weimarer Republik die Parteien das Geschehen und vordergründig nicht mehr die Stände. Kordula Kühlem zeichnete die Biografie des Neusser Landrats Ferdinand Freiherr von Lüninck nach. Zupackender war der Bürgerliche Wilhelm Marx, der es vom Neuss-Grevenbroicher Abgeordneten des monarchischen zum Reichskanzler des demokratischen Deutschland gebracht hatte. „Wie wäre die deutsche Geschichte weiter verlaufen“, stellte Stephen Schröder die rhetorische Frage, „wenn Marx anstelle von Hindenburg Reichspräsident geworden wäre?“

Erst mit dem Grundgesetz von 1949 machte die Demokratie in Deutschland endgültig Ernst. Moderator Friedhelm Ruf sah nach 70 Jahren aber Gefahren für die Demokratie: „Offenbar trauen sich heute immer weniger Menschen, ihre Meinung offen zu sagen. Dabei droht ihnen allenfalls ein Shitstorm.“ In der Podiumsdiskussion mit Bärbel E. Kohler, Albert Glöckner und Stephan Thönessen ging es um diese Gefährdungen der Demokratie. Stephen Schröders passendes Schlusswort: „Sich informieren und mitmachen – das ist heute Demokratie.“