Dormagen: Theatersommer startet mit zwei Volltreffern

Dormagen : Theatersommer startet mit zwei Volltreffern

Den zwölften Theatersommer Knechtsteden eröffnete das Musik-Comedy-Trio "Herrencrême", gefolgt vom Kabarettisten Jens Neutag.

Seit der ersten Saison 2002 steht die Kabarett-Theaterreihe "Theatersommer Knechtsteden" des städtischen Kulturbüros für viel Spaß und anspruchsvolle Unterhaltung. Auch die zwölfte Auflage startete am Freitag und Samstag in der großartigen Atmosphäre der Theaterscheune auf dem Klostergelände mit zwei Volltreffern: Das seit 2002 jedes Jahr in Knechtsteden auftretende Musik-Comedy-Trio "Herrencrême", dieses Mal mit Unterstützung zweier Mitstreiter, sowie Kabarettist Jens Neutag mit scharfzüngigen Betrachtungen über Politik und Gesellschaft sorgten für einen umjubelten Auftakt nach Maß. Auch Olaf Moll, Leiter des Kulturbüros, war zufrieden. "Das könnte besser nicht sein", sagte Moll über die gute Mischung.

Auch die Hitze an beiden Abenden konnte die Spielfreude aller Auftretenden nicht schwächen. Mit viel Charme schafften es Thomas Peters, Thomas Hover und Marc Tiedtke von "Herrencrême", das Publikum nicht nur zum Mitsingen von Gitarrenklängen bei Peter Maffays "Es war Sommer", sondern auch zum Mitschunkeln zu bewegen. Die drei Sänger, unterstützt durch Klaus Klaas am Keyboard, begeistern mit ihren Liedern über das Verlieben, über den "Hausmeister von Gottes Gnaden" (auf Lady Gagas "Pokerface"), mit einem Neue-Deutsche-Welle-Medley oder Salsa auf "M & F" von den Ärzten. Mit toller Stimme ergänzt Diana Tiedtke, nicht nur auf der Bühne die Schwester von Marc Tiedtke, die Sänger, mal aufregend-sinnlich ("Das Spiel"), mal romantisch-rockig im Duett mit Thomas Peters ("Beneath your beautiful"), mal mitreißend mit "Ich will keine Schokolade". In die 70er Jahre führte der zweite Gast von "Herrencrême" die Zuschauer zurück: Michael Steinke brachte sie mit seinen Gags und Erinnerungen an unvermeidliche Pril-Blumen auf Küchenkacheln, bewusstseinsverändernden Mustertapeten, noch fehlenden Fernbedienungen an Fernsehern, Klammerblues und Sprüchen der Mütter zum Lachen. Über die heutige Zeit und das Chillen der Jugend fällt Michael Steinke ein vernichtendes Urteil: "Was kannst Du auch erwarten von einer Zeit, in der Joghurt mehr Kultur hat als sein Käufer?"

Mit seinem Programm "Schön scharf" setzte Jens Neutag am Samstag beim "Sahara-Sommer" mit treffenden Betrachtungen der Gesellschaft noch einen drauf: Vom Royal Baby über die Papst-Wahl im TV ("Anderthalb Tage haben wir auf einen Kamin geguckt und dann eine Stunde auf ein geschlossenes Fenster") und schlimmem Musikgeschmack bis zu Multi-Kulti und zur Politik, speziell im Wahlkampf-Endspurt, führte Neutag alle vor, dabei schlüpfte er in die Rollen eines BSV-Fans, Che Guevara oder eines Piraten. Ob Gewänder der Messdiener, oder die Qualität extrem billiger Lebensmittel (Was es über uns aussagt, wenn Alaska-Seelachsfilets billiger sind als Toilettenpapier?) — Neutag konnte alles messerscharf erklären. Und auch, warum Revolution und Anarchie nicht zu den deutschen Kernkompetenzen gehören: Sicherheits-Wahn und Überbehütung, gepaart mit Gesetzesübererfüllung. Der beste Beweis sei der Abfallkalender. Als kleine Anarchie-Übung empfahl er, den Müll mal einen Tag zu früh rauszustellen...

(NGZ)
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