Tausende Besucher kamen am Wochenende zum Matthäusmarkt in die Zonser Altstadt

Zons : Matthäusmarkt faszinierte trotz Regen

Mittelalterliche Handwerkskunst und Ritterturniere lockten am Wochenende Tausende Besucher nach Zons.

„Willst du mal probieren? Die habe ich selbst gemacht“, bot ein kleiner Junge runde Leckereien an. Er war wie so viele zu Gast am Stand von Hartmut Gerhards, der einmal mehr als „Bonbonmacher anno 1900“ Süßes zum Lutschen auch in ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen anbot. Tausende kamen am Wochenende nach Zons, um in bester mittelalterlicher Manier den Herbst zu begrüßen, denn der Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons lud zum 38. Mal zum Matthäusmarkt in die historische Altstadt.

Die Ritter zeigten ihre Geschicklichkeit beim Ringstechen. Foto: Tinter, Anja (ati)

Umgeben von mehr als 150 Ständen, an denen Händler ihre Waren feilboten und ihr Handwerk demonstrierten, war auch das kleine Parkplatzproblem schnell vergessen. Durch die gesperrte Tiefgarage fehlten 150 Stellflächen – also wurde auf den Acker ausgewichen. Die Veranstalter sehen das nicht so eng: „Man kann alles planen – nur das Wetter leider nicht“, sagte Jürgen Waldeck, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins der Stadt Zons. Damit spielte er auf den ersten Regenguss an, der Besucher wie Händler am Samstagnachmittag viel früher als vom Wetterbericht angekündigt überraschte. Dennoch: Während einige Handwerker bereits kurz davor waren, den Mut zu verlieren und zusammenzupacken, spannten die Besucher ihre Regenschirme auf und trotzten dem Guss. Am verregneten Sonntag waren die Auswirkungen gravierender. Viele Besucher blieben fern, und auch die Gaukler konnten nicht auftreten. Bereits ab 15 Uhr wurde abgebaut. „Zufrieden kann man nicht sein“, resümierte Waldeck, der von insgesamt 10.000 bis 15.000 Besuchern ausging.

Matthäus (4) versuchte sich beim großen Markt seines Namenspatrons beim Armbrustschießen. Wilhelm Humberg gab Tipps. Foto: Tinter, Anja (ati)

Spielzeug-Waffen aus Holz waren ebenso der Renner wie Handgefilztes, Gestricktes und Gehäkeltes, selbstgemachte Marmelade oder natürliche Seife mit verschiedenen Düften. Lederwaren, Schmuck aus Gold und Silber sowie Handtaschen aus Stoff wechselten gegen Taler den Besitzer, und an köstlich duftenden Ständen wurde der kleine Hunger zwischendurch bekämpft.

Wie gewohnt bot der gastgebende Verein einen Höhepunkt gleich zu Beginn: Nach der offiziellen Eröffnung durch den ersten stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Dormagen, Hans Sturm, zogen alle Mitwirkenden in einer farbenprächtigen Kolonne über den gesamten Markt. „Wie den Besuchern sicher aufgefallen ist, war es in diesem Jahr stiller als sonst“, sagte Jürgen Waldeck bedauernd. „Zum ersten Mal seit sicher 30 Jahren war das Fanfarenkorps Korschenbroich in seinen farbenfrohen Gewändern nicht dabei, denn es muss sich aus Altersgründen auflösen.“ Kurzerhand habe er die Trommeln der Lehnsritter vorausgeschickt, um dem Zug auch akustisch gerecht zu werden.

Der Regen nervte zwar, doch viele ließen sich trotzdem nicht vom Besuch abhalten und nutzten trockene Phasen. Foto: Tinter, Anja (ati)

Nicht minder spannend waren die Ritterturniere der Bergischen Lehnsritter auf den Rheinwiesen. Am Samstag und am Sonntag traten die Teilnehmer  in historisch authentischen Disziplinen wie Ringstechen oder Mann-gegen-Mann-Schaukämpfen an. Beim Anblick der tapferen Recken hoch zu Ross wurden nicht nur die zahlreich vertretenen Edelfrauen unter den Zuschauern schwach.

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