Tannenbusch-Woche in Dormagen: Beim "Waldbaden" Entspannung finden

Tannenbusch-Woche in Dormagen : Beim „Waldbaden“ Entspannung finden

Waldführer Hermann Schmidt demonstriert das wohltuende Eintauchen in den Wald bei der 16. Dormagener Tannenbusch-Woche.

Spielplatz-Date. Sommerfest auf der Wiese. Jogging-Runde. Recherche-Gespräch mit dem Baumkletterer. Spaziergang mit Freunden. Besuch des Paten-Kirschbaums auf der Obstwiese. Ich kann, so meine ich, mit Fug und Recht behaupten, dass ich den Tannenbusch gut kenne. Viele Facetten davon auf jeden Fall. Jetzt steht mir Wald-Guide Hermann Schmidt gegenüber und erklärt, wir werden gleich „querfeldein gehen, um eine andere Perspektive auf den Wald zu bekommen“. Ich bin neugierig – und nicht alleine am Treffpunkt Haus Tannenbusch. Um mich herum neun Damen, die „waldbaden“ wollen.

Über die von Stadtbad- und Verkehrsgesellschaft Dormagen (SVGD) und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) organisierte 16. Tannenbusch-Woche schwappt dieser aus Japan stammende Trend jetzt rüber. Wald-Bademeister ist Hermann Schmidt aus Köln. Einsneunzig groß mit Hut, outdoor-bekleidet in Naturtönen, holt der zertifizierte Waldpädagoge und Wanderführer die Erwartungen des Grüppchens ein: Entspannen und genießen, wollen die Damen, mal „nicht so seelenlos durch die Gegend rennen“, mit allen Sinnen erleben, gar „den Blutdruck senken“. Durch den Tierpark, am Ententeich hinaus führt unser Weg ins „Unterholz“ dorthin, wo Waldkinder ihr Tipi gebaut haben.

Entspannen in der Hängematte gehört auch zum Waldbaden-Programm – nachdem die Teilnehmer ihren Weg dorthin „blind“ gefunden haben. Foto: Franziska Gräfe

Hermann – „Wir duzen uns, ok?“ – verteilt Schlafbrillen an die Damen und an Rolf Wörhoff von der SDW. Erste Aufgabe: Zweierteams bilden und Dinge sammeln, die der andere blind erfühlen und erschnuppern soll. Ich streife durchs modrige Buchenlaub und hebe Douglasienzapfen auf, halb verrottete Bucheckern, Erde, Laub und die Blätter eines Farns. Muffig-modrig, feucht, spitz, eckig, geht es mir durch den Kopf, als meine Mutter mir ihre Fundstücke in die Hand bzw. unter die Nase drückt. So intensiv habe ich den Wald seit Kindertagen nicht gefühlt, vielleicht nicht einmal damals.

Beim Waldbaden wird nicht viel gesprochen, aber unsere Runde kommt doch ins Plaudern, während wir im Kreis sitzen und über uns das Blätterdach rauscht. „Die Bäume sind untereinander vernetzt über Pilzgeflechte zwischen ihren Wurzeln“, erzählt Hermann. Gleich wird sich jeder einen Baum aussuchen und dort einige Minuten allein verweilen. In der Entfernung blitzen bunte Hängematten zwischen den Baumstämmen hervor. Schlafbrillen wieder auf, und entlang einer gespannten Schnur geht es weiter: Auf dem Weg ins „Camp“ müssen wir uns allein auf unsere Füße und den Tastsinn verlassen. Geschafft: Zur Belohnung werfen wir uns in die vorbereiteten Hängematten. Ich liege auf dem Rücken und sehe grün-blau: den wolkenlosen Himmel, eingesäumt von leuchtend grünen Blättern. Die Matte schaukelt, vor dem Hintergrund-Rauschen, das die Autobahn herübersendet, höre ich unterschiedliche Vogelstimmen. Jetzt ein Nickerchen… Unser dreistündiger Wald-Badeausflug neigt sich dem Ende zu, auf dem Rückweg geht es noch einmal darum, den Wald wahrzunehmen – verschiedene Grüntöne, das Wogen der Blätter, die Lichtspiele in den Baumwipfeln.

Am Ende sind drei Stunden nahezu verflogen, Fremde sind einander nahe gekommen. Der Wald-Guide seinem Ziel auch: „Ich möchte Menschen für die Natur begeistern, denn was man schätzt und liebt, das schützt man auch“, sagt Schmidt. Er würde gern wiederkommen. Seine Kurse in der Tannenbusch-Woche sind ausgebucht, aber „wir möchten das Angebot auch darüber hinaus weiterentwickeln, dann als kostenpflichtigen Kursus“, kündigt Guido Schenk an, der die Erlebniswoche auf Seiten der SVGD organisiert.

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