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Dormagen: Tankstellenbesitzer klagen über Benzindiebe

Dormagen : Tankstellenbesitzer klagen über Benzindiebe

An Dormagener Tankstellen sind vermehrt Betrüger unterwegs, die volltanken, ohne zu bezahlen. Im September gab es schon sechs Fälle.

Petra Bloch und ihre Kollegen von der Aral-Station Pfennings an der Kruppstraße in Hackenbroich kennen das Problem. Ein Auto fährt an den Zapfsäulen vor, der Fahrer steigt aus, tankt in aller Ruhe voll — und verschwindet, ohne zu bezahlen. "So etwas erleben wir leider immer wieder", erzählt Bloch. Auch in diesem Monat suchten bereits Betrüger die Tankstelle in Hackenbroich heim; ebenso die Stationen an den Autobahnraststätten Nievenheim-West und Nievenheim-Ost.

"Wir hatten im September bereits sechs Anzeigen wegen Fällen von Tankbetrug in Dormagen", berichtet Diane Drawe, Sprecherin der Polizei im Rhein-Kreis Neuss. Für das erste Halbjahr dieses Jahres verzeichnen die Ermittler zudem einen deutlichen Anstieg gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres. Wurden in der Zeit von Januar bis Juli 2012 61 Fälle von Spritdiebstahl aus Dormagen gemeldet, waren es in der Zeit von Januar bis Juni 2013 83 Fälle. "Ein solcher Anstieg ist nicht immer erklärbar", sagt Drawe. Es kann Zufall sein; möglicherweise sind aber auch Ganoven unterwegs, die sich auf Tankbetrug spezialisiert haben.

In Dormagen sind in diesem Monat zwei Fahrzeuge aufgefallen — laut Polizei eine silberfarbene Audi-Limousine (möglicherweise ein A 6) sowie ein Familien-Van, bei dem es sich wahrscheinlich um einen Renault Espace handelt. Auch zu den Tätern gibt es Angaben, die auf Zeugenaussagen beruhen. Es soll sich vermutlich um Osteuropäer handeln, im Alter von 20 bis 40 Jahren. Sie sollen groß und schlank sein, mit sehr kurzen Haaren.

Und sie gehen ausgesprochen dreist vor. Neben dem Tank des Autos, mit dem sie unterwegs waren, füllten sie Kanister, die im Kofferraum deponiert waren — übrigens am helllichten Tag. Die Diebstähle, an denen die beschriebenen Personen und Autos beteiligt waren, ereigneten sich laut Polizei jeweils zwischen 10 und 13 Uhr. Dass sich die Diebe offenbar trotz Videoüberwachung an den meisten Tankstellen — so auch in Hackenbroich — sicher zu fühlen scheinen, liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie in Dormagen mit gestohlenen Kennzeichen unterwegs waren. Diese waren im Kreis Mettmann, im Rhein-Kreis Neuss und in Bochum entwendet worden.

Dennoch ist keineswegs sicher, dass die Straftäter ungeschoren davonkommen. "Die Ermittlungen laufen. Zu den Diebstählen in Dormagen haben wir auch Ermittlungsansätze", sagt Polizeisprecherin Drawe. Mehr will sie aus taktischen Gründen noch nicht verraten. In der Polizeistatistik lässt sich ablesen, dass im ersten Halbjahr 2012 in Dormagen 39,4 Prozent der Tankbetrügereien aufgeklärt wurden; im ersten Halbjahr dieses Jahres schaffte die Polizei eine Aufklärungsquote von immerhin fast 50 Prozent.

Petra Bloch und ihren Kollegen von der Aral-Tankstelle in Hackenbroich machen indes nicht nur die Benzindiebe Ärger. Ihre Station ist schon mehrfach überfallen und ausgeraubt worden — zuletzt in der vergangenen Woche. Dabei drohten die Täter mit einer Pistole.

(NGZ)