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Dormagen: Talente leben im Sportinternat

Dormagen : Talente leben im Sportinternat

19 junge Menschen, die in ihrer Sport bundesweit zu den Besten gehören, leben im Sportinternat Knechtsteden. Dort sind Schule, Lernen und Freizeit klar strukturiert. Wilde Partys gibt es dort keine.

Das Leichtathletiktraining und der morgendliche Schulunterricht — das sind die beiden Faktoren, die den Tagesablauf von Lena Fuchs und Jacob Roth wesentlich bestimmen. Die beiden 16-Jährigen leben im Sportinternat Knechtsteden, weil sie dort Schule und Sport bestmöglich miteinander vereinbaren können.

"Vorher hatte ich immer viel Stress zum Training zu kommen", erklärt Lena. Die Stabhochspringerin aus Ulm sah in ihrem Heimatverein zudem keine Möglichkeiten mehr sich weiterzuentwickeln. Ähnlich ging es auch Jacob. Er wechselte als Mehrkämpfer aus Stuttgart zum TSV Bayer Dormagen.

Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen ist für junge Sporttalente wie Lena und Jacob oft nicht leicht. Auch für die Eltern ist es oft eine Belastung, den täglichen Fahrdienst zum Training zu organisieren und das Familienleben danach auszurichten. Der Alltag im Sportinternat ist auf die Trainingszeiten und Lehrpläne der Sportler abgestimmt.

Der Tag ist klar strukturiert: Nach dem Wecken gibt es Frühstück für alle. Danach beginnt der Schulunterricht — entweder im Nobert-Gymnasium gleich gegenüber oder in der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Nievenheim.

Nach dem Mittagessen steht den Jugendlichen eine Hausaufgabenbetreuung zur Verfügung. Anschließend werden sie zum Training gefahren. "Wenn wir zwischendurch Freistunden haben, ist teilweise auch vormittags Training", sagt Lena. 19 Sportler im Alter von 14 bis 19 Jahren leben gemeinsam unter einem Dach.

Den größten Anteil machen die Handballer aus. Außerdem sind Fechter, Golfer, Ringerinnen und Leichtathleten in Knechtsteden untergebracht. Sie alle zählen in ihren jeweiligen Sportarten zu den Besten bundesweit. Die jungen Talente werden nach monatelanger Sichtung durch Scouts und einer Probewoche im Internat aufgenommen.

Unter den Sportlern herrscht ein freundschaftliches Verhältnis. "Natürlich hält jeder seine Sportart für die beste. Aber wir kennen und verstehen uns alle gut", meint Jacob und lacht. Man spielt im Aufenthaltsraum Kicker oder trifft sich auf einem der Zimmer. Nächtlicher Budenzauber ist ausgeschlossen: Ab 22 Uhr herrscht Bettruhe.

Die meisten Internatsbewohner fahren am Wochenende zu ihren Familien. Jacob bleibt jedoch meistens in Knechtsteden. "Stuttgart ist zu weit, um jede Woche nach Hause zu fahren. Außerdem sind am Wochenende oft Wettkämpfe", erklärt er.

Langweilig werde es in Dormagen nicht. "Mit dem Stadtbus sind wir ja mobil und können hier Freunde besuchen." Ähnlich geht es Lena, deren Familie in Ulm lebt. Heimweh haben die beiden dennoch selten. "Klar vermisst man die Freunde und die Familie manchmal. Aber ich fühle mich hier wohl und ich habe es mir ja auch so ausgesucht", sagt Lena. Das Einzige, wonach sich Jacob oft sehnt, ist Mamas Küche: "Von meiner Mutter bekocht zu werden ist schon besser."

(NGZ)