Tagebau schürt Angst vor Grundwasser in Gohr

Gohr: Tagebau schürt Angst vor Grundwasser

Ob der geplante Ausstieg aus dem Braunkohleabbau tatsächlich früher als ursprünglich geplant erfolgt, ist derzeit offen. Doch der wohl damit einhergehende Anstieg des Grundwassers beunruhigt gerade in Gohr die Bürger.

Vielleicht waren es die zum Teil heftigen Unwetter Anfang Juni, vielleicht liegt es auch an mangelhafter Abdichtung: Ein Anstieg des Grundwasserspiegels ist jedenfalls nicht der Grund dafür, wenn Bürger in Gohr derzeit einen feuchten Keller haben. Das schließt Thomas Wedowski, Stadtentwässerungsexperte bei den Technischen Betrieben Dormagen (TBD), aus. „In Gohr haben wir seit Jahren sinkende Grundwasserstände. Wenn es im Moment in diesem Ortsteil feuchte Keller gibt, dann hat das andere Ursachen“, erklärte er gestern auf Anfrage unserer Redaktion.

Ein Gohrer Bürger hatte in der Einwohnerfragestunde zu Beginn der jüngsten Ratssitzung nach Gegenmaßnahmen der Stadt gefragt, um einem möglichen Grundwasseranstieg vorzubeugen und dabei auf schon jetzt feuchte Keller in dem ein oder anderen Gohrer Haus verwiesen. Das Thema Grundwasser ist wieder auf dem Tisch, weil in der Politik aktuell über einen früheren Ausstieg aus dem Braunkohletagebau diskutiert wird. Wenn der Tagebau endet, könnte es zu steigenden Grundwasserpegeln kommen, die in Gohr bis zu 250 Häuser bedrohen könnten. Der Ortsteil liegt am Rande eines Absenktrichters, der durch die sogenannten Sümpfungsmaßnahmen zur Trockenhaltung der Braunkohletagebaue Garzweiler II und Hambach verursacht wird. Dadurch lägen die Grundwasserstände in Gohr derzeit im Mittel etwa zwei bis drei Meter unterhalb der natürlichen, unbeeinflussten Grundwasserstände, wie sie noch Mitte des 20. Jahrhunderts vorgelegen hätten, informiert die Stadt auf ihren Internetseiten (www.dormagen.de, Unterpunkt Umwelt und Verkehr). Und weiter: „Mit der zukünftigen Abschwächung des Sümpfungseinflusses können bei hohen Grundwasserständen Gebäudeschäden auftreten. Langfristig werden sich wieder natürliche flurnahe Grundwasserverhältnisse einstellen.

Der Bürger hatte konkret nachgefragt, ob die Ausschreibungen für den Brunnenbau zur Grundwasserkappung für Gohr schon erfolgt seien. Die mit Pumpen auszustattenden Brunnen sollen Grundwasser aus der Tiefe fördern und so die bedrohten Gebäude in Gohr abschirmen. Eine Ausschreibung sei zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht nötig, erläuterte Thomas Wedowski gestern im Gespräch mit unserer Redaktion: Selbst wenn man sofort aus dem Braunkohletagebau aussteigen würde, würde der Grundwasserspiegel „nicht von heute auf morgen steigen. Wenn Sie heute den Kohleabbau beenden, merken Sie das beim Grundwasser in Gohr vielleicht innerhalb der nächsten zehn bis 20 Jahre“.

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Der Bau eines Brunnens zur Grundwasserkappung könne dagegen binnen eines Jahres realisiert werden. Folglich bestehe überhaupt kein Zeitdruck. Insgesamt sind auf Gohrer Gebiet drei solcher Brunnen vorgesehen – im Bereich der Friedrich-Hinsen-Straße. Wenn sie dereinst angelegt sein sollten, wird man sie oberirdisch nur an ihren Aufbauten erkennen, in denen Steuerung, Schiebertechnik etc. untergebracht sein werden. Die Aufbauten in Größe eines Autoparkplatzes erinnerten an überdimensionale Trafokästen, beschrieb Wedowski.

Die Errichtung bleibt allerdings bis auf Weiteres Zukunftsmusik. Davon, dass kein Grund zur Sorge besteht, können sich alle interessierten Bürger auf den städtischen Internetseiten überzeugen. Weil die Angst vor einem steigenden Grundwasserspiegel viele Menschen gerade in Gohr umtreibt, ist dort die Entwicklung der Wasserstände einsehbar.

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