Dormagen: Swing-Star aus Hackenbroich

Dormagen : Swing-Star aus Hackenbroich

Engelbert Wrobel (50) ist einer der renommiertesten Jazz-Musiker Deutschlands. Der Swing-Star hat die ersten drei Jahre seines Lebens in Hackenbroich verbracht. Die NGZ hat der Klarinettist zu einem Hausbesuch empfangen.

hackenbroich/burscheid Engelbert Wrobel (50) ist zehn Jahre alt, als er eine magische Liaison mit der Klarinette eingeht. Der Vater leitet eine Trachtenkapelle in Abenden in der Nordeifel. Männer aus dem Dorf gehören zur Truppe, grobschlächtige Fabrikarbeiter mit dicken Fingern, die die Trommel schlagen, aber keine filigranen Blasinstrumente spielen können. Also tritt der Vater auf den kleinen Engelbert zu und sagt: Du lernst Klarinette! — dabei hätte ich viel lieber Trompete gespielt", sagt Engelbert Wrobel heute.

Der 50-Jährige sitzt am Küchentisch seines Hauses in Burscheid, er hat literweise Kaffee gekocht. Seit 17 Jahren wohnt Wrobel hier, er ist mit einer Spanierin verheiratet und ist Vater einer 19-jährigen Tochter. Die ersten drei Jahre seines Lebens — zwischen 1959 und 1962 — hat der 50-Jährige allerdings in Hackenbroich verbracht. Sophie Lukas, seine Nenn-Tante, lebe immer noch dort.

Wrobel bietet japanisches Bananenbrot an und lächelt unaufhörlich. Er kommt gerade aus Fernost, am Mittwoch wird er sich in Richtung New Orleans aufmachen. Er war schon in Angola, Kanada, gerne würde er mal nach Australien. Was vor 40 Jahren in einer Trachtentruppe begann, ist längst Musikgeschichte: 150 bis 180 Auftritte im Jahr absolviert Wrobel jährlich mit seiner Band "Swing Society" und solo, ist längst zu einem Swing-Star in Deutschland gereift.

Ein Erfolg, der über Jahrzehnte wuchs: Mit 16 auf dem Gymnasium gründet Engelbert Wrobel seine erste Swingband: Trompete, Klarinette, Klavier, Banjo, Bass — es sind die 70er, das Jahrzehnt epischer Klänge und berauschter Musiker. Wie passt da Swing rein? "Wir hatten viele Fans, haben oft auf Oberstufenpartys gespielt", sagt Wrobel. Es ist auch eine Zeit, in der ihm klar wird, dass er Musik machen will. Für immer.

In seinem Musikzimmer, in dem ihm beim Proben sein Vorbild Benny Goodman von einem SchwarzWeiß-Foto zuschaut, gibt Wrobel eine Kostprobe. "Pur Butterfly" heißt das Stück. Es sind nur einige Sekunden. Der Musiker geht mit Tönen um, als seien sie Knetmasse. Er zieht sie und dehnt sie, lässt sie trippeln wie ein Mäuschen, das über Parkett flitzt, oder im Galopp stampfen wie ein Pferd. Vor allem aber schafft es Engelbert Wrobel, den Hörer auf eine Reise durch die Gefühlswelt zu schicken: "Von traurig bis himmelhochjauchzend — deswegen ist der Swing für mich die schönste Nische im Jazz", sagt er und blickt versonnen.

Im Kölner Karneval hat sich Wrobel, der an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf studiert hat, inzwischen als "Dä Engelbäät" einen Namen gemacht. "Ich bin mit dem Karneval groß geworden, habe im Alter von zehn Jahren meine erste Rede im Karneval gehalten", sagt Wrobel und stellt seine Klarinette zurück. Sie stammt es den 30er Jahren. "So teuer sind die nicht", sagt Wrobel, "ich habe sie bei Ebay gekauft."

(NGZ)
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